Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Bundesrat Alain Berset. (Foto: Keystone/Peter Klaunzer)
Coronavirus
Schweiz|14.04.2021 (Aktualisiert am 16.04.21 19:46)

Bundesrat lockert trotz "fragiler Lage"

BERN - Der Bundesrat folgt dem Ruf grosser Teile der Wirtschaft und der Mehrheit im Parlament und wagt den nächsten Öffnungsschritt - trotz "fragiler Situation". Liechtensteins Regierung wird am kommenden Dienstag über das weitere Vorgehen beraten.

Bundesrat Alain Berset. (Foto: Keystone/Peter Klaunzer)

BERN - Der Bundesrat folgt dem Ruf grosser Teile der Wirtschaft und der Mehrheit im Parlament und wagt den nächsten Öffnungsschritt - trotz "fragiler Situation". Liechtensteins Regierung wird am kommenden Dienstag über das weitere Vorgehen beraten.

Der Bundesrat wagt umfassende Lockerungen, während in umliegenden Ländern die Schrauben teilweise wieder angezogen werden. Obwohl vier von fünf Richtwerten für Lockerungen nicht erfüllt sind, öffnet der Bundesrat ab kommendem Montag, 19. April, die Restaurantterrassen und erlaubt Sport in Innenräumen, Kultur- und Sportveranstaltungen sowie Präsenzunterricht an den Universitäten.

Was ab Montag in der Schweiz wieder möglich ist
  • Restaurants: Restaurants dürfen ihre Terrassen wieder öffnen. Es gilt eine Sitzpflicht. Die Maske darf nur während der Konsumation abgelegt werden. Pro Tisch sind maximal vier Personen erlaubt. Von sämtlichen Person müssen die Kontaktdaten erhoben werden. Zwischen den Tischen muss ein Abstand von anderthalb Metern eingehalten oder eine Abschrankung angebracht werden.
  • Freizeitbetriebe: Öffentlich zugängliche Freizeit- und Unterhaltungsbetriebe können wieder öffnen. Damit sind auch Zoos und botanische Gärten wieder vollständig zugänglich. In Innenräumen muss immer eine Maske getragen und der erforderliche Abstand eingehalten werden.
  • Publikumsveranstaltungen: Veranstaltungen mit Publikum sind wieder möglich. Die maximale Besucheranzahl ist beschränkt auf hundert Personen draussen – etwa für Fussballspiele oder Open-Air-Konzerte – und fünfzig Personen drinnen – etwa für Kinos, Theater oder Konzerte. Zusätzlich gilt eine Beschränkung auf maximal ein Drittel der Kapazität des Veranstaltungsorts. Es gilt eine Sitz- und Maskenpflicht. Zwischen den Besuchern muss jeweils ein Abstand von 1,5 Metern eingehalten oder ein Sitz freigelassen werden. Konsumation ist verboten, von Pausen ist abzusehen.
  • Andere Veranstaltungen: Veranstaltungen mit bis zu 15 Personen sind wieder erlaubt. Dies betrifft beispielsweise Führungen in Museen, Treffen von Vereinsmitgliedern oder andere Veranstaltungen im Unterhaltungs- und Freizeitbereich. Auch hier gilt Masken- und Abstandspflicht.
  • Sport und Kultur: Gruppenaktivitäten mit bis zu 15 Personen sind wieder möglich. Draussen muss dabei entweder eine Maske getragen oder der erforderliche Abstand von 1,5 Metern eingehalten werden. In Innenräumen muss grundsätzlich sowohl die Maske getragen als auch der Abstand eingehalten werden. Es sind jedoch Ausnahmeregelungen vorgesehen für Aktivitäten, bei welchen keine Maske getragen werden kann, etwa beim Ausdauertraining in Fitnesszentren oder beim Singen im Chor. Sportarten mit Körperkontakt sind in Innenräumen weiterhin nicht erlaubt, im Aussenbereich nur mit Maske. Auch Wettkämpfe sind unter diesen Voraussetzungen wieder erlaubt.
  • Unterricht: Präsenzunterricht ist auch ausserhalb der obligatorischen Schule eingeschränkt wieder möglich. Es gilt eine Beschränkung auf maximal 50 Personen und eine Kapazitätsbegrenzung auf ein Drittel der Räumlichkeit, ebenso Masken- und Abstandspflicht.
  • Gelockerte Maskenpflicht: Für geimpfte und genesene Bewohner von Alters- und Pflegeheimen wird die Maskenpflicht aufgehoben. Für Unternehmen, die über ein Testkonzept verfügen und der vor Ort tätigen Belegschaft mindestens einmal pro Woche einen Test anbieten, entfällt die Kontaktquarantäne.

"Vertretbares Risiko"

Der Entscheid entspricht weitgehend den Forderungen eines Grossteils der Kantone und der Wirtschaftsverbände. Auch das Parlament hatte in den vergangenen Tagen wiederholt Druck auf den Bundesrat ausgeübt, den Betrieben und Betroffenen mehr Perspektiven zu bieten. Anders als vor einem Monat folgt der Bundesrat nun diesem Ruf.

Er führe seine "Strategie einer vorsichtigen, schrittweisen Öffnung" fort, heisst es in einer Mitteilung. Die Lage sei zwar weiterhin fragil und habe sich in den vergangenen Wochen weiter verschlechtert. Das Risiko von Lockerungen sei für den Bundesrat aber vertretbar.

Die Regierung stützt ihren Entscheid auf die "gut voranschreitende Durchimpfung der Risikogruppen" sowie auf die "laufende Ausdehnung der Teststrategie". Beides habe dazu geführt, dass der Wiederanstieg der Hospitalisationen im Vergleich zu den Fallzahlen relativ langsam erfolge. Ausserdem seien die Verhältnisse auf den Intensivstationen relativ stabil.

Gefahr von erneuten Schliessungen

Zudem argumentiert der Bundesrat, dass er die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aspekte berücksichtigt habe. Die negativen Folgen der drastischen Corona-Massnahmen seien gerade für Jugendliche und junge Erwachsene gross. Deshalb sei es angezeigt, mehr Aktivitäten wieder zu ermöglichen.

"Der Bundesrat ist sich des Risikos des Öffnungsschritts bewusst", heisst es in der Mitteilung. Je nach Entwicklung in den Spitälern bestehe die Gefahr, dass die Öffnungen wieder rückgängig gemacht werden müssten. Deshalb müsse sich die Bevölkerung weiterhin vorsichtig verhalten - "insbesondere Risikopersonen, die in den nächsten Wochen vollständig geimpft und damit gut vor einer Infektion und einem schweren Verlauf der Krankheit geschützt sein werden".

Auch die Testoffensive soll laut dem Bundesrat fortgesetzt werden. Er belohnt neu Unternehmen, die über ein Testkonzept verfügen und der vor Ort tätigen Belegschaft mindestens einmal pro Woche Tests anbieten. Für Mitarbeitende solcher Unternehmen entfällt bei ihrer beruflichen Tätigkeit die Kontaktquarantäne.

Wie geht es in Liechtenstein weiter?

In Liechtenstein erfolgte der letzte Lockerungsschritt am 29. März, dabei wurde die Personenobergrenze für Veranstaltungen und Gruppenaktivitäten im Freien von 10 auf 25 Personen angehoben. Zugutekommen sollte dies vor allem den Sportlern, Kindern und Jugendlichen, denn deren Trainings werden auch als Veranstaltungen gewertet. 

Was derzeit in Liechtenstein gilt
  • Im Aussenbereich sind Veranstaltungen und Gruppenaktivitäten mit bis zu 25 Personen wieder möglich. In Innenräumen liegt die Obergrenze weiterhin bei 10 Personen. Es sind aber Schutzkonzepte einzuhalten. Speisen und Getränke dürfen weiterhin nicht konsumiert werden. 
  • Bei privaten Veranstaltungen gilt weiterhin eine Obergrenze von 10 Personen. Dafür dürfen dort im Gegensatz zu öffentlichen Veranstaltungen Speisen und Getränke konsumiert werden.
  • Spontane Menschenansammlungen im öffentlichen Raum sind weiterhin auf 10 Personen beschränkt.
  • Öffentlich zugängliche Einrichtungen in den Bereichen Kultur, Unterhaltung, Freizeit und Sport dürfen öffnen. Darunter fallen beispielsweise Kinos, Museen, Lese- und Konzertsäle sowie Theater, aber auch Sport- und Fitnesszentren. Es müssen aber Schutzkonzepte befolgt werden. Auch hier gilt bei Veranstaltungen (z. B. Fitnesskurs, Vernissage, Kino- oder Theateraufführung) in Innenräumen die 10-Personen-Regel, im Aussenbereich dürfen bis zu 25 Personen teilnehmen.
  • Restaurants, Bars und Clubs sowie Casinos bleiben vorerst geschlossen. Ausgenommen bleiben Take-away-Betriebe, Schulmensen und Betriebskantinen, Lieferdienste und Restaurationsbetriebe für Hotel­gäste. Diese Betriebe dürfen weiterhin von 6 bis 23 Uhr öffnen. Die ­Regierung beobachtet die Situation während der nächsten drei Wochen und entscheidet dann über das ­weitere Vorgehen. 
  • Maskenpflicht am Arbeitsplatz. Diese gilt weiterhin in allen Räumen und Fahrzeugen, sofern sich mehr als eine Person darin aufhält.
  • Keine Maskenpflicht in den Primarschulen. Dies gilt unabhängig vom Alter der Schüler. 
  • Maskenpflicht bei Ansammlungen im öffentlichen Raum, wenn der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann. Im öffentlichen Verkehr und öffentlich zugänglichen Innenräumen besteht ohnehin Maskenpflicht. 
  • Homeoffice-Empfehlung: Die Regierung empfiehlt, dass generell von zu Hause aus gearbeitet werden soll, sofern dies möglich ist. Mitarbeitende, die der Risikogruppe angehören, haben ein Recht auf Homeoffice oder einen gleichwertigen Schutz am Arbeitsplatz, und sofern beides nicht möglich ist, eine Beurlaubung.

Wie sich dies auf das Infektionsgeschehen auswirkt, will die Regierung während drei Wochen beobachten. Am Dienstag entscheidet sie über das weitere Vorgehen. Was die Schweizer machen, wird dabei entsprechend berücksichtigt.

(red/sda)

Teile diesen Artikel mit deinen Freunden

Nächster Artikel
Kultur
Liechtenstein|14.04.2021 (Aktualisiert am 14.04.21 12:28)
«Life» abgesagt - Blunt und Giesinger treten auch 2022 auf
Volksblatt Werbung