Porträts der fünf Menschen, die am Sonntag heilig gesprochen werden, an der Fassade des Petersdoms. Ganz rechts ist Marguerite Bays zu sehen.
Politik
Schweiz|13.10.2019

Schneiderin aus dem Kanton Freiburg vom Papst heilig gesprochen

VATIKANSTADT - Marguerite Bays, eine Schneiderin aus dem Kanton Freiburg, ist von Papst Franziskus heilig gesprochen worden. Mehrere hundert Menschen aus ihrer Heimat sind aus diesem Anlass nach Rom gepilgert.

Porträts der fünf Menschen, die am Sonntag heilig gesprochen werden, an der Fassade des Petersdoms. Ganz rechts ist Marguerite Bays zu sehen.

VATIKANSTADT - Marguerite Bays, eine Schneiderin aus dem Kanton Freiburg, ist von Papst Franziskus heilig gesprochen worden. Mehrere hundert Menschen aus ihrer Heimat sind aus diesem Anlass nach Rom gepilgert.

Marguerite Bays aus Siviriez FR wurde am Sonntag zusammen mit vier weiteren Personen heilig gesprochen. Es sind der britische Kardinal John Henry Newman (1801-1890) sowie die römische Ordensschwester Giuseppina Vannini, Gründerin des weiblichen Zweigs des Kamillianerordens (1859-1911).

Wallfahrt nach Rom

Heilig gesprochen wurden sodann die indische Ordensschwester Maria Teresa Chiramel Mankidiyan, Gründungsmitglied der Kongregation der Heiligen Familie in Indien (1876-1926), sowie die brasilianische Ordensschwester Dulce Lopes Pontes, die als "Engel von Bahia" gegen das Strassenelend kämpfte und zu den Missionsschwestern von der Unbefleckten Empfängnis der Mutter Gottes gehörte (1914-1992).

Für die offizielle Wallfahrt nach Rom zur Heiligsprechung hatten sich rund 300 Pilger und Pilgerinnen aus der Schweiz angemeldet, wie Jean-Paul Conus, Präsident der Stiftung Marguerite Bays, der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte. Zusätzlich wollten rund 100 vor allem junge Menschen im Bus nach Rom reisen.

Bischof Charles Morerod, Weihbischof Alain de Raemy und Bischofsvikar Jean Glasson vertraten das Bistum Lausanne, Genf und Freiburg im Vatikan. Begleitet wurden sie vom Basler Bischof Felix Gmür, dem Präsidenten der Schweizerischen Bischofskonferenz und Peter Bürcher, dem Apostolischen Administrator des Bistums Chur.

Zur Behördendelegation aus der Schweiz gehörten Justizministerin Karin Keller-Sutter, der Freiburger Staatsratspräsident Jean-Pierre Siggen und Staatsrat Didier Castella.

Keller-Sutter hatte vor der Zeremonie Papst Franziskus die besten Wünsche des Bundesrates überbracht, wie das Justiz- und Polizeidepartement mitteilte. Der Päpstlichen Schweizergarde im Vatikan stattete Keller-Sutter eine Stippvisite ab.

Auf dem Petersplatz wohnten neben den Delegationen aus den Heimatländern der neuen Heiligen Tausende Pilgerinnen und Pilger den Heiligsprechungen bei.

Gläubige Frau

Geboren wurde Bays am 8. September 1815 in einem Weiler in der Gemeinde Siviriez FR im Glâne-Bezirk. Sie zeichnete sich schon früh durch ihre besondere Gläubigkeit aus sowie ihre Gabe, Ratschläge zu erteilen. Sie wurde zu Kranken gerufen und zu Sterbenden, die ihr ihre Sorgen anvertrauten. Sie beschenkte die Allerärmsten.

Als Katechetin vor ihrer Zeit habe sie Kinder in der Liebe zu Gott unterwiesen, schreibt das Bistum Lausanne, Genf und Freiburg. Die von einer Krankheit auf wundersame Weise genesene Marguerite Bays trug die Male Christi bis zu ihrem Tod am 27. Juni 1879.

Bays war bereits 1995 durch Papst Johannes Paul II. selig gesprochen worden für ein Wunder, das sich in den 1940-er Jahren zugetragen haben soll. Ein Bergsteiger soll bei einem Kletterunfall in den Berner Alpen in einem Stossgebet die Mystikerin angerufen haben. Darauf sei das Seil gerissen, mit dem er an seine in die Tiefe stürzenden Bergkameraden gebunden war. Der Mann blieb unverletzt.

Für den 2014 aufgenommenen Prozess der Heiligsprechung wurde ein weiteres Wunder von 1998 in Siviriez untersucht. Demnach war 1998 ein zweijähriges Mädchen von einem Traktor gefallen und unter die Räder geraten. Der Grossvater, der den Vorall mitbekommen hatte, rief im Gebet Marguerite Bays an und brachte das Mädchen ins Spital.

Dort stellten die Ärzte fest, dass das Mädchen vollkommen unverletzt war. Im Januar hatte Papst Franziskus die Anerkennung dieses ebenfalls Marguerite Bays zugeschriebenen Wunders erlassen. Das öffnete die Tür zur Heiligsprechung.

Bays gehörte dem Dritten Orden der Franziskanerinnen an. Dritte Orden sind christliche Gemeinschaften, die sich an einer Ordensregel orientieren, aber nicht monastisch leben.

Drei Schweizer Heilige

Nach Niklaus von der Flüe (1417-1487) und der Kapuzinerin und Missionsschwester Maria Bernarda Bütler (1848-1924) ist Bays die dritte aus der Schweiz stammende Heilige, wie die Webseite kath.ch im Zusammenhang mit der Heiligsprechung meldet.

Zu den einheimischen Heiligen kommen weitere Heiliggesprochene aus dem Ausland, die in der Schweiz gewirkt haben. Zu ihnen gehören der irische Wandermönch Gallus, Stadtpatron von St. Gallen, das Geschwisterpaar Felix und Regula, die Stadtpatrone von Zürich oder Fridolin, der vom Kantonswappen bekannte Patron von Glarus.

(sda / ansa)

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