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Screenshot eines Überwachungsvideos der Frauenfelder Zelle der kalabresischen 'Ndrangheta, der von der italienischen Polizei 2014 veröffentlicht wurde. (Archivbild)
Politik
Schweiz|13.07.2019

Bericht: Die 'Ndrangheta hat sich in der Schweiz etabliert

BERNE - Die Schweiz bleibt von der italienischen Mafia nicht verschont. Die kalabrische 'Ndrangheta' habe sich hierzulande sogar etabliert, sagt die freie Journalistin Madeleine Rossi, die dem Phänomen einen fast 100-seitigen Bericht gewidmet hat.

Screenshot eines Überwachungsvideos der Frauenfelder Zelle der kalabresischen 'Ndrangheta, der von der italienischen Polizei 2014 veröffentlicht wurde. (Archivbild)

BERNE - Die Schweiz bleibt von der italienischen Mafia nicht verschont. Die kalabrische 'Ndrangheta' habe sich hierzulande sogar etabliert, sagt die freie Journalistin Madeleine Rossi, die dem Phänomen einen fast 100-seitigen Bericht gewidmet hat.

"Auch wenn man sie nicht sieht - die 'Ndrangheta ist sehr präsent in der Schweiz", sagte Rossi im Gespräch mit der Westschweizer Zeitung "Le Temps" vom Samstag. Die Verhaftungen im Zusammenhang mit der sogenannten "Frauenfelder Zelle" seien der Beweis dafür. Aber es handle sich dabei nur um einen von mehreren Ablegern.

Weitere gebe es vor allem in Tessin. Doch weil die 'Ndrangheta dort mittlerweile zu bekannt sei, hätten sich gewisse Mitglieder auch in Graubünden niedergelassen. Die bündnerischen Behörden müssten auf der Hut sein. Denn sonst könnte es ein "brutales Erwachen" für den Kanton geben, sagt Rossi.

Untertauchen und Geldwäscherei

Für die Präsenz der Mafia in der Schweiz gebe es zwei Hauptgründe: Untertauchen und Geld waschen, sagte Rossi. Einige Flüchtige hätte sogar eine Aufenthaltsbewilligung B erhalten, wie zum Beispiel die zwei 2016 im Oberwallis gefassten Mafiosi. "Diese Leute verhalten sich sehr diskret und leben so wie jedermann", sagt Rossi.

Weil sie in der Schweiz nicht heimisch seien, gingen sie auch ein grösseres Risiko ein als in Italien. Und wenn sie dann noch in die Schlagzeilen gerieten, müssten sie zu Hause mit einer Bestrafung durch ihre Organisation rechnen.

Die Geldwäscherei sei in der Schweiz zwar erschwert worden, aber immer noch möglich. Vor allem die Grossbanken seien restriktiver, aber dafür seien andere Institute in die Bresche gesprungen. Ausserdem böten die Hotellerie und das Gastgewerbe Möglichkeiten zur Geldwäscherei.

Im Tessin zum Beispiel existierten Bars und Cafés, die den ganzen Tag leer stünden, aber einen grossen Umsatz machten, sagt Rossi. Auch wenn das kein Beweis sei, so handle es doch um einen wichtigen Hinweis.

Politiker wissen davon

Während ein Grossteil der Bevölkerung nicht viel über das Thema wisse, seien die Schweizer Politiker sehr wohl mit dem Thema vertraut. Doch es gebe Gründe, die sie daran hinderten, aktiv zu werden.

So seien die finanziellen Interessen gross und gewisse Berufe - im Parlament breit vertreten - profitierten von der Präsenz der Mafia. "Einige Treuhänder und Finanzberater verdienen durch die Anwesenheit der Mafia grosse Summen", sagt Rossi. Und auch die Waffenlobby habe viel zu verlieren.

Nur auf Italienisch

Die 'Ndrangheta breite sich aus und das werde auch in der Schweiz zu spüren sein. Trotzdem dürfe man nicht paranoid werden und die gesamte kalabrische oder italienische Gesellschaft stigmatisieren.

Der Bericht "Mafie italiane in Svizzera" - ist bisher erst auf Italienisch erhältlich. Eine französische Übersetzung befindet sich in Arbeit.

(sda)

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