(Archivfoto: MZ)
Wirtschaft
Liechtenstein|15.04.2021 (Aktualisiert am 15.04.21 11:52)

Starker Finanzsektor in der Pandemie

VADUZ - Die Finanzmarktaufsicht (FMA) Liechtenstein veröffentlichte heute anlässlich ihrer Jahresmedienkonferenz den Geschäftsbericht und die Publikation „Finanzplatz Liechtenstein“. Laut FMA sind die Herausforderungen für den Finanzsektor und die Risiken sind mit der Covid-19-Pandemie gestiegen. Das erfordert von der FMA hohe Wachsamkeit.

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VADUZ - Die Finanzmarktaufsicht (FMA) Liechtenstein veröffentlichte heute anlässlich ihrer Jahresmedienkonferenz den Geschäftsbericht und die Publikation „Finanzplatz Liechtenstein“. Laut FMA sind die Herausforderungen für den Finanzsektor und die Risiken sind mit der Covid-19-Pandemie gestiegen. Das erfordert von der FMA hohe Wachsamkeit.

Die Covid-19-Pandemie war das prägende Ereignis des Jahres 2020 für den Finanzsektor und die Finanzmarktaufsicht (FMA) Liechtenstein. Trotz ausserordentlicher Bedingungen und Turbulenzen an den Finanzmärkten war der Finanzsektor laut FMA voll funktionsfähig und stabil. "Er leistete für die Realwirtschaft und die Bevölkerung unentbehrliche Dienste wie beispielsweise im Zahlungsverkehr, in der Kreditvergabe oder in der Versicherung", heisst es in einer Aussendung. Die FMA hat demnach in der Pandemie dank ihrer hohen digitalen Reife ihren Geschäftsbetrieb vollumfänglich aufrechterhalten können und die notwendigen aufsichtlichen Massnahmen zeitnah gesetzt. Mit der dezentralen Arbeitsweise gewährleistete die FMA zudem den Schutz der Mitarbeitenden.

Die Covid-19-Pandemie stellte die FMA vor die Herausforderung, ihren gesetzlichen Auftrag im Rahmen der regulatorischen Vorgaben flexibel und zugunsten des wirtschaftlichen Gesamtbilds auszuüben. Im Fokus standen die Prüfung der Weiterführung des Geschäftsbetriebs der Finanzintermediäre und die Kontrolle von finanziellen Risiken. Die Finanzinstitute wurden angehalten, ihren regulatorischen Spielraum auszunutzen und die Realwirtschaft mit Krediten zu versorgen, um so eine Kreditklemme zu verhindern. Die FMA hat zur operationellen Entlastung der Finanzintermediäre in Abstimmung mit den Europäischen Aufsichtsbehörden verschiedene zeitlich befristete Erleichterungen, beispielsweise bei Vor-Ort-Kontrollen oder bestimmten Meldepflichten, vorgenommen. Zur laufenden Beurteilung der Risikosituation und der finanziellen Lage hat die FMA im Einklang mit den Europäischen Aufsichtsbehörden jedoch auch zusätzliche Meldepflichten eingeführt.

Finanzplatz auf Wachstumskurs

Die verwalteten Kundenvermögen der liechtensteinischen Banken inklusive der ausländischen Gruppengesellschaften stiegen im Jahr 2020 um 4,5 % auf 365,4 Mrd. Franken. Die harte Kernkapitalquote (CET1) des gesamten Bankensektors stieg von 20,0 % auf 21,7 %. Die Kapitalisierung ist im EU-Vergleich deutlich überdurchschnittlich. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit betrug für den Bankensektor 543,4 Mio. Franken gegenüber 639,5 Mio. Franken im Vorjahr. Das Fondsvolumen lag Ende 2020 bei 59,1 Mrd. Franken (2019: 58,8 Mrd. Franken). Die verwalteten Kundenvermögen der Vermögensverwaltungsgesellschaften stiegen 2020 um rund 6 Prozent auf 53 Mrd. Franken. Die Versicherungsunternehmen nahmen im Jahr 2020 rund 5,54 Mrd. Franken an Prämien ein, gleichviel wie im Vorjahr.

Risiken für die Finanzstabilität erfordern hohe Wachsamkeit

 Die FMA beurteilt die Risiken für die Finanzstabilität trotz der negativen Auswirkungen der Pandemie auf die Volkswirtschaften als begrenzt. Ein möglicher Anstieg der Kreditausfälle, die hohe Bewertung an den Aktienmärkten, das Niedrigzinsumfeld, Inflationsrisiken und die unsichere Entwicklung der Volkswirtschaften erfordern jedoch eine hohe Wachsamkeit zur Gewährleistung der Finanzstabilität. Der Liechtensteiner Finanzsektor profitiert von hohen Kapital- und Liquiditätspuffern, die nicht nur die Verlustabsorptionsfähigkeit in der Krise erhöhen, sondern auch das Vertrauen der Kunden und Märkte in den Finanzplatz stärken.

Mehrere Verfahren wegen Verstössen gegen das Sorgfaltspflichtgesetz

Per Ende 2020 führte die FMA 28 Verwaltungsverfahren sowie 18 Verwaltungsstrafverfahren. Im Jahr 2020 konnten 139 Verfahren bzw. Vorerhebungen abgeschlossen werden. Verschiedene Verfahren und Vorerhebungen gegen Finanzintermediäre wurden wegen Verletzung der Sorgfaltspflichten zur Bekämpfung der Geldwäscherei geführt. Weitere Gegenstände von Verfahren waren u.a. Gewährserfordernisse des Aktionariats, Meldepflichtverletzungen, Mindestliquiditätsquote, Anforderungen an den Verwaltungsrat und Verdacht auf Insiderhandel. Die FMA verfügte wegen Verstössen gegen das Sorgfaltspflichtgesetz fünf rechtskräftige Bussen in der Höhe von 939 000 Franken. Insgesamt verhängte die FMA 18 rechtskräftige Bussen in der Höhe von 1 035 500 Franken. Die Sanktionen werden auf der Website der FMA veröffentlicht. Die von der FMA erhobenen Bussen fliessen in die Staatskasse.

Aufsichtsschwerpunkt Geldwäschereiprävention

Die Prüfung der Einhaltung der Vorschriften zur Bekämpfung von Geldwäscherei bildet auch für das Jahr 2021 ein Aufsichtsschwerpunkt. Die Kontrolltätigkeit folgt einem strikt risikobasierten Ansatz. Je höher die Einstufung eines Finanzintermediärs bezüglich möglicher Bedrohungen ist, desto intensiver gestaltet sich die Aufsicht. Die FMA hatte im April 2019 die Geldwäschereiprävention in einer Organisationseinheit konzentriert und personell verstärkt. Das Geldwäschereiabwehrdispositiv Liechtensteins wird im September 2021 durch MONEYVAL überprüft werden.

Erste Registrierungen von VT-Dienstleistern

Anfang 2020 trat das Gesetz über Token und VT-Dienstleister (TVTG) in Kraft. Ende 2020 waren zehn Unternehmen für 24 Dienstleistungen nach dem TVTG registriert. Der FMA obliegt die Registrierung der VT-Dienstleister und die anlassbezogene Aufsicht. Das Gesetz definiert die rechtlichen Anforderungen für das Erbringen von Dienstleistungen auf VT-Systemen. VT-Systeme sind auf vertrauenswürdigen Technologien beruhende Transaktionssysteme, die eine Vielzahl von wirtschaftlichen Dienstleistungen ermöglichen. Das bekannteste Beispiel ist die Blockchain.

(red/pd )

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