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Wirtschaft
Liechtenstein|05.03.2021 (Aktualisiert am 05.03.21 12:20)

Frauenerwerbstätigkeit – individuelle Entscheidung mit volkswirtschaftlicher Bedeutung

RUGGELL - Die Frauenerwerbsquote ist in Liechtenstein deutlich tiefer als in der Schweiz. In der neusten Publikation geht Zukunft.li der Frage nach, ob es objektive Gründe für das stärkere Fernbleiben der Frauen vom Arbeitsmarkt gibt und welche volkswirtschaftlichen Konsequenzen daraus resultieren.

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RUGGELL - Die Frauenerwerbsquote ist in Liechtenstein deutlich tiefer als in der Schweiz. In der neusten Publikation geht Zukunft.li der Frage nach, ob es objektive Gründe für das stärkere Fernbleiben der Frauen vom Arbeitsmarkt gibt und welche volkswirtschaftlichen Konsequenzen daraus resultieren.

Mehr Arbeitsplätze als Einwohnerinnen und Einwohner – das ist keine Neuigkeit, aber eine Besonderheit der Volkswirtschaft des Kleinstaats Liechtenstein. Jedenfalls übersteigt die Nachfrage nach Arbeitskräften das inländische Angebot bei Weitem. Viele Unternehmen und Branchen sind mit einem Fachkräftemangel konfrontiert. Spätestens wenn die geburtenstarken 1960er-Jahrgänge in Pension gehen, wird sich das Arbeitskräfteangebot weiter reduzieren. 

(Weibliches) Potenzial im Inland besser ausschöpfen

Eine höhere Erwerbsbeteiligung – insbesondere auch der Frauen – könnte helfen, diese Herausforderung für die Wirtschaft zumindest etwas abschwächen. Die Stiftung Zukunft.li hat sich in ihrer neusten Publikation aus volkswirtschaftlicher Sicht mit der Thematik und möglichen Gründen beschäftigt.

Demnach wäre es sinnvoll, das inländische Arbeitskräftepotenzial besser auszuschöpfen. Denn eine höhere Erwerbsquote bei gleicher Gesamtbeschäftigung führt zu einem höheren Bruttonationaleinkommen (BNE), welches als Mass für den inländischen Wohlstand gilt. Damit steigt auch das Steuersubstrat an. Ein weiterer Aspekt ist der geringere Arbeitswegverkehr. Und schliesslich werden die Bildungsinvestitionen der öffentlichen Hand besser genutzt und unterstützen so die wirtschaftliche Entwicklung.

Direkter Vergleich mit der Schweiz überrascht

Aufgrund der starken Ähnlichkeiten würde man vermuten, dass sich die Erwerbsbeteiligungsquoten in Liechtenstein und der Schweiz nicht wesentlich unterscheiden. Sie tun es aber doch. Ende 2019 waren in Liechtenstein 76 Prozent der 20- bis 64-Jährigen erwerbstätig, während die Quote in der Schweiz bei deutlich höheren 83 Prozent lag.

Besonders auffällig ist der Unterschied bei den Frauen. 69 Prozent der Liechtensteinerinnen gingen 2019 einer Erwerbstätigkeit nach, in der Schweiz hingegen lag der Wert zehn Prozentpunkte höher.

Die unterschiedlichen Erwerbsverläufe zwischen den Geschlechtern zeigen sich in Liechtenstein ab Alter 30, dies auch unabhängig vom Ausbildungsniveau. Während die Erwerbstätigkeit der Männer auch dann noch ansteigt, knickt die Verlaufskurve bei den Frauen ab und bleibt bis zum Pensionsalter deutlich unter derjenigen der Männer. Frauen steigen entweder aus dem Erwerbsleben aus oder reduzieren ihr Pensum.

Die Stiftung Zukunft.li hat eine Potenzialschätzung angestellt, nach der rund 600 bis 700 Vollzeitstellen in Liechtenstein besetzt werden könnten, wenn die Frauen in Liechtenstein im gleichen Ausmass erwerbstätig wären wie jene in der Schweiz.

Betreuungswunsch dominiert

Fremdbetreuungskosten und zusätzliche Steuerbelastung reduzieren den ökonomischen Anreiz für Erwerbstätigkeit. Dieser Aspekt dürfte in Liechtenstein allerdings eine untergeordnete Rolle spielen, teilt die Stiftung mit. Stärker wiege der Wunsch, die Kinder möglichst selbst betreuen zu können. "Aus liberaler Perspektive muss es auch eine individuelle Entscheidung bleiben, wie sich Eltern in Bezug auf Arbeit und Kinderbetreuung organisieren", heisst es weiter.

Familienpolitik liberal umsetzen

Es sei aber Aufgabe einer zukunftsgerichteten Familienpolitik, erkannte Hindernisse für die Frauenerwerbsbeteiligung aus dem Weg zu räumen und für optimale Voraussetzungen von Frauen und Männern auf dem Arbeitsmarkt zu sorgen. Die Politik wird sich in dieser Legislatur mit der Umsetzung der Work-Life-Balance-Richtlinie der EU auseinandersetzen, die Liechtenstein als EWR-Mitglied umzusetzen hat. Hier könnten aber positiven Aspekten von ausgewogenen Arbeitsmarktchancen der Geschlechter potenziell zu starke Arbeitsmarkteingriffe gegenüberstehen. "Die Politik ist gefordert, das Optimum zu finden, bei dem möglichst hoher volkswirtschaftlicher Nutzen resultiert", schreibt die Stiftung Zukunft.li

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(red/pd)

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