(Archivfoto: MZ)
Coronavirus
Liechtenstein|26.03.2020 (Aktualisiert am 26.03.20 17:41)

Rezession laut FMA nicht zu verhindern

VADUZ - Die Coronapandemie wird nicht ohne Folgen für die Wirtschaft bleiben. Wie schlimm es wird, wagt zwar kaum jemand zu prognostizieren. Laut der FMA werde aber eine massive Rezession auch hierzulande nicht zu verhindern sein. 

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VADUZ - Die Coronapandemie wird nicht ohne Folgen für die Wirtschaft bleiben. Wie schlimm es wird, wagt zwar kaum jemand zu prognostizieren. Laut der FMA werde aber eine massive Rezession auch hierzulande nicht zu verhindern sein. 

Die Weltwirtschaft ist aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus mit einer ganzen Reihe von Schocks konfrontiert, die sowohl die Angebots- als auch die Nachfrageseite betreffen. Wie die FMA in ihrem Volkswirtschaftsmonitor schreibt, muss es das Ziel sein, während des gesundheitspolitisch motivierten Stillstands möglichst viele Bankrotte zu verhindern und Arbeitsplätze zu retten, damit die nachfolgende Erholung schnell erfolgen kann. Dementsprechend haben fast alle betroffenen Länder bereits riesige Fiskalpakete beschlossen, um Kurzarbeitsprogramme, Unterstützung für Einzelunternehmer und KMUs sowie Garantien für Überbrückungskredite zu finanzieren. «Auch die schnell beschlossenen Massnahmen in Liechtenstein, die am 20. März durch den Landtag im Umfang von 100 Mio. Franken beschlossen wurden, sind ein wichtiger Schritt in der Krisenbewältigung», schreibt die FMA. Ob der Umfang des Pakets, das relativ zum BIP deutlich kleiner sei als in anderen Ländern, ausreicht, werde man in einigen Wochen oder Monaten beurteilen können. 

«Massive Rezession»

Für die FMA ist aber schon jetzt klar, dass eine massive Rezession, sowohl in Liechtenstein als auch auf globaler Ebene, wird nicht zu verhindern sein. Selbst bei einer raschen Reaktion der Regierungen werde es nicht möglich sein, alle Unternehmen und Arbeitsplätze während des Stillstands zu retten. Neben der Dauer des virusbedingten «Notbetriebs» hänge es jedoch vor allem von der erfolgreichen Fiskalpolitik ab, wie schnell eine nachfolgende Erholung erfolgen kann. «Für eine kleine, offene Volkswirtschaft wie Liechtenstein wird auch vieles davon abhängen, wie erfolgreich die Fiskalpolitik in anderen Ländern wirkt, da ansonsten ein massiver Einbruch bei der externen Nachfrage, und damit ein Rückgang der Exporte, droht», schreibt die FMA.

Die Transmissionskanäle der aktuellen Finanzmarktturbulenzen und der erwarteten Rezession auf den Finanzsektor sind vielfältig. Während sich laut FMA im Bankensektor die unmittelbaren bilanziellen Auswirkungen der Kurseinbrüche an den Finanzmärkten in Grenzen halten dürften, könnte der Rückgang der verwalteten Vermögen einen negativen Effekt auf die zukünftige Profitabilität haben. Ein verzögerter Effekt einer realwirtschaftlichen Rezession könnte sich in einer höheren Quote von notleidenden Krediten, sowohl bei Unternehmens- als auch Hypothekarkrediten, niederschlagen. «Den Versicherungssektor, und in ähnlicher Form auch die Pensionskassen, treffen die Bewegungen an den Finanzmärkten gleich doppelt: Einerseits werden durch die Kursrückgänge Verluste auf der Aktiva- Seite verzeichnet, andererseits steigen die Verbindlichkeiten, weil die (risikolosen) Zinsen weiter sinken und lange niedrig bleiben werden», schreibe die FM. Im Fondssektor könnte ein höheres Verkaufsvolumen potenziell zu Liquiditätsengpässen führen, zudem sinkt durch das niedrigere Volumen die Profitabilität von Vermögensverwaltern und Fonds-Verwaltungsgesellschaften. 

Finanzsektor widerstandsfähig

Die FMA kommt zwar zu dem Schluss, dass der Finanzsektor in Liechtenstein eine hohe Widerstandsfähigkeit aufweist und daher gut für die Turbulenzen gerüstet sei. «Die Folgen der Krise werden auch in Liechtenstein Spuren hinterlassen, jedoch zeichnet sich der Finanzplatz Liechtenstein durch eine hohe Stabilität aus», schreibt die FMA. Im Bankensektor würden eine weit überdurchschnittliche Kapitalisierung, eine günstige Finanzierungsbasis und eine stabile Aktionärsstruktur massgeblich zur langfristigen Ausrichtung und zur Stabilität des Sektors beitragen. Die Kreditportfolios der Banken seien vor allem von Lombardkrediten dominiert und daher gut abgesichert.

Der Unternehmenssektor sei in Liechtenstein nicht zuletzt aufgrund steuerlicher Anreize vergleichsweise niedrig verschuldet und daher weniger verwundbar als in anderen Ländern. Während die private Haushaltsverschuldung aufgrund des erheblichen Hypothekarvolumens vergleichsweise hoch ist, erfolgte die Kreditvergabe – auch aufgrund verschärfter Massnahmen im Immobili- enbereich – in den letzten Jahren auf einer nach- haltigen Basis. «Auch bei den Finanzintermediären ausserhalb des Bankensektors dürften die Effekte zwar deutlich spürbar sein, aber nicht zu grösseren Turbulenzen führen», so die FMA.

(hf)

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