(Archivfoto: MZ)
Wirtschaft
Liechtenstein|19.09.2019 (Aktualisiert am 19.09.19 11:10)

Gitzel: «Thomas Jordan tat gut daran, eine ruhige Hand zu bewahren»

VADUZ - Die Schweizerische Nationalbank (SNB) belässt ihren Leitzins auf -0.75 Prozent. Es kommt aber zu Entlastungen für den Bankensektor bei der Zahlung des Negativzinses, die auf Seiten der VP Bank begrüsst werden.

(Archivfoto: MZ)

VADUZ - Die Schweizerische Nationalbank (SNB) belässt ihren Leitzins auf -0.75 Prozent. Es kommt aber zu Entlastungen für den Bankensektor bei der Zahlung des Negativzinses, die auf Seiten der VP Bank begrüsst werden.

Im Vorfeld des Zinsentscheids der SNB am Donnerstag war es zu Spekulationen gekommen, ob die SNB aufgrund der Vorgaben der Europäischen Zentralbank (EZB) auch handeln würde. "Dies war aus unserer Sicht verfehlt, weil es keinen Automatismus zwischen der SNB und der EZB gibt. Im Fokus der eidgenössischen Währungshüter steht noch immer die Währungsentwicklung", wie Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank Gruppe, in einem Marktkommentar schreibt. Die SNB entlastet neu aber den Bankensektor bei der Zahlung des Negativzinses. Die Nationalbank überprüft jetzt die Berechnungsgrundlage für den Negativzins regelmässig. Wörtlich heisst es in der Medienmitteilung: «Die Negativzinsbelastung soll auf das Nötigste beschränkt werden.» Es tritt eine neue Freibetragsberechnung per 1. November in Kraft. Der Freibetragsfaktor wird von 20 auf 25 der Mindestreserve angehoben.

«Vorerst dürften keine weiteren Zinssenkungen auf der Agenda stehen.» 

Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank Gruppe
Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank Gruppe. (Foto: ZVG)

"Hinsichtlich des wirtschaftlichen Ausblicks betont die Nationalbank die gestiegenen wirtschaftlichen Risiken. Damit würde es auch zu einer Wachstumsabschwächung in der Schweiz kommen. Im laufenden Jahr werde das Wachstum nur noch zwischen 0.5 % und 1.0 % liegen. Auch die Inflationsprognosen wurden nach unten angepasst", schreibt Gitzel weiter. Da sich der Franken gegenüber dem Euro zuletzt wieder leicht verbilligte, bestand kein akuter Handlungsbedarf. "SNB-Präsident Thomas Jordan tat gut daran, eine ruhige Hand zu bewahren. In Anbetracht tief negativer Zinsen sollte die SNB ihre ohnehin begrenzte Munition für ernsthafte Krisensituationen trocken halten."

Es sei wohltuend zu sehen, dass sich die eidgenössischen Währungshüter nicht dem internationalen Reigen von Zinssenkungen anschloss. Auch die Entlastung aufseiten des Negativzinses sei zu begrüssen. Negativzinsen sollten ein Anreizsystem zur vermehrten Kreditvergabe sein. Ist die Nachfrage nach Finanzierungen aufgrund eines eingetrübten Konjunkturausblicks auf Seite der Unternehmen aber schwach, verfehlen die Negativzinsen ihren Zweck. "Damit entpuppt sich die Geldpolitik nicht als Anreizsystem, sondern nur noch als Belastungsfaktor", so Gitzel. Finanzinstitute würden geschwächt und im schlimmsten Falle passiert das Gegenteil von dem, was sich die Nationalbank eigentlich wünscht, nämlich eine steigende Kreditvergabe. "Sollte sich an der gegenwärtigen Wechselkurssituation keine signifikante Änderung ergeben, wird die SNB weiterhin an ihrem eigenschlagen Pfad festhalten. Vorerst dürften keine weiteren Zinssenkungen auf der Agenda stehen", schreibt Thomas Gitzel abschliessend.

(pd/hf)

Teile diesen Artikel mit deinen Freunden

Nächster Artikel
Wirtschaft
Liechtenstein|heute 10:35 (Aktualisiert heute 10:52)
Andi Götz ist neuer Geschäftsführer der Solargenossenschaft