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Liechtenstein|14.11.2018 (Aktualisiert am 15.11.18 17:28)

Eigene Gelder in Sicherheit gebracht

VADUZ - Vor dem Landgericht spielte sich ein weiteres Kapitel der neun Jahre dauernden Prozesskette rund um den Anlagebetrug und Konkurs der ISB Finanz- und Versicherungmakler AG und deren Holding ab. Ein Treuhänder und dessen Frau mussten sich wegen betrügerischem Konkurs verantworten.

VADUZ - Vor dem Landgericht spielte sich ein weiteres Kapitel der neun Jahre dauernden Prozesskette rund um den Anlagebetrug und Konkurs der ISB Finanz- und Versicherungmakler AG und deren Holding ab. Ein Treuhänder und dessen Frau mussten sich wegen betrügerischem Konkurs verantworten.

Rund 200 Gläubiger, gesammelte Ansprüche im zweistelligen Millionenbereich: Der Anlagebetrug und der darauffolgende Konkurs des Finanzunternehmens ISB AG sowie der ISB Holding in Vorarlberg und Liechtenstein zieht seit nun schon neun Jahren eine lange Kette an Verfahren in allen Instanzen hinter sich her – darunter über Hundert Zivilprozesse. Seit Mittwoch reiht sich ein neuer Strafprozess in die Liste ein.

Vor dem Landgericht stand am Mittwoch der zweite Verwaltungsrat der ISB – ein 68-jähriger liechtensteinischer Treuhänder, dessen Frau sowie die Stiftung der Familie. Die Anklage: Betrügerischer Konkurs und Geldwäsche. Der Treuhänder solle im Herbst 2009 sein gesamtes Vermögen von rund drei Millionen Franken – darunter Treuhandfirmen und Grundstücke – an die damals gegründete Familienstiftung übertragen haben. Damit habe er sein Vermögen dem Zugriff entzogen und bewusst in Kauf genommen, dass die Gläubiger zu Schaden kommen. Dass er am Schneeballsystem seines Partners bei der ISB, dessen Suizid im September 2009 die Lawine ins Rollen brachte, nicht beteiligt war, hatten schon vorherige Prozesse bestätigt. Seine Frau hatte dort sogar selbst Geld investiert und auch verloren. Angesichts dessen sollte die ganztägige Verhandlung am Mittwoch im Kern eine Frage klären: Hatten der Angeklagte und seine Gattin im September 2009 damit gerechnet, dass gegen ihn persönlich Gläubigeransprüche gestellt würden?

Zufälliges Zusammentreffen

Nein, betonte die Verteidigung. Dass der Konkurs der ISB mit der Gründung der Stiftung zusammenfiel, sei Zufall gewesen. Der Treuhänder habe auch Monate danach noch nicht damit rechnen können, dass er mit seinem Privatvermögen zum Handkuss komme, da gegen ihn direkt keine Ansprüche gestellt worden waren. Somit habe er in dem Glauben gehandelt, über sein Vermögen frei verfügen zu können. Die Familienstiftung sei auch nicht zu diesem Zweck ins Leben gerufen worden. Nachdem sich der Gesundheitszustand des 68-Jährigen seit 2005 konstant verschlechtert hat, wollte er seinen Nachlass mit einer Familienstiftung sichern, so seine Aussage. Im Frühjahr 2009 habe der Angeklagte schliesslich die Gründung der Stiftung in die Wege geleitet und im August die Unterlagen unterschrieben. Begünstigt sollten seine Frau und der Sohn aus erster Ehe sein.

Anfang September ereilte ihn die Nachricht vom Suizid seines Geschäftspartners – inklusive des Abschiedsbriefes, in dem dieser seine Taten eingestand. Bereits in den darauffolgenden Tagen hätten ihn dessen Mitarbeiter besucht, die ihm lange Listen mit Gläubigern vorlegten. «Er sei vom Umfang geschockt gewesen und aus allen Wolken gefallen», so der Verwaltungsrat. Am 15. und 16. September 2009 meldete er schliesslich den Konkurs der hochverschuldeten ISB an. Am 17. September wurde die Gründung der Stiftung rechtskräftig und der 68-jährige Erstangeklagte begann damit, sein Vermögen zu übertragen.

Eilige Geldverschiebungen

Genau an diesen Zufall glaubt die Staatsanwaltschaft aber nicht. Für sie ist klar, dass der Treuhänder bereits zu diesem Zeitpunkt von möglichen Ansprüchen gegen sein Vermögen wusste. Dafür spreche auch die Geschwindigkeit, mit der das Vermögen in Sicherheit gebracht wurden – Rechtstricks inklusive: So seien Grundstücke mit Kaufverträgen anstelle einer Schenkung an die Gattin übertragen oder ihrerseits in die Stiftung eingebracht worden, was der Frau auch die Anklage als Beteiligte einbrachte. Weiter war für den Staatsanwalt klar: Als der Partner im Abschiedsbrief erwähnte, dass er «Stress» zu erwarten habe und als am 8. September seine vom ISB-Betrug Betroffene bei ihm im Büro aufgetaucht sei, müsse ihm seine Situation bewusst gewesen sein. Beide Angeklagten bestritten jedoch, dass dieses Treffen überhaupt stattgefunden habe.

Bewusstes Handeln

Als der Senat schliesslich nach längerer Beratung um 19.30 Uhr das Urteil verkündete, war die Sache klar: Ja, der Erstangeklagte habe als Treuhänder mit 30-jähriger Erfahrung sehr wohl gewusst, was auf ihn zukomme. Spätestens nach dem Suizid sei es dem Angeklagten «wie Schuppen von den Augen gefallen» und er habe gewusst, dass auch er jetzt drankomme. Dafür sprächen die beschleunigte Geldverschiebung und die teils komplizierten Pfade, die dafür in Kauf genommen wurden. Mit dem Schuldspruch kommt auf den Angeklagten eine Haftstrafe von drei Jahren zu, zwei davon bedingt. Seine Ehefrau wurde jedoch wegen begründeter Zweifel von der Beteiligung freigesprochen. Sie habe nicht gewusst, was genau vorging. Gegen die Stiftung wurde wiederum eine bedingte Verbandsstrafe von 10'000 Franken wegen Geldwäsche in den Jahren 2011 und 2012 verhängt. Zudem wurde das Vermögen der Stiftung sowie ihre Erträge (Mieten etc.) als verfallen erklärt, sprich vom Staat einkassiert.
Etwas in die Röhre schaute das halbe Dutzend Anwälte im Gerichtssaal, die insgesamt 105 Privatbeteiligte vertraten. Diese wurden bis auf vier Teilansprüche mit ihren Forderungen gegen die beiden Angeklagten und die Stiftung auf den Zivilrechtsweg verwiesen. Die Prozesskette rund um den Konkurs des Finanzunternehmens ist somit noch nicht abgeschlossen.

(sa)

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