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Wirtschaft
Liechtenstein|13.06.2018 (Aktualisiert am 23.07.18 17:07)

Chauffeur packt aus: So konnte PostAuto in Liechtenstein überleben

VADUZ - Die PostAuto Liechtenstein Anstalt kassierte nicht nur Steuergeld aus der Schweiz – sie sparte auch bei den Mitarbeitenden. 

(Foto: Michael Zanghellini)

VADUZ - Die PostAuto Liechtenstein Anstalt kassierte nicht nur Steuergeld aus der Schweiz – sie sparte auch bei den Mitarbeitenden. 

Gegenüber ihren Mitarbeitenden gaben die PostAuto-Chefs offenbar zu, dass das Geschäft in Liechtenstein wie auch in Frankreich nur aufrechterhalten werden kann, weil Geld von der Schweizer Mutter – PostAuto Schweiz AG – floss. 

Seitens der Geschäftsleitung habe es geheissen, dass die Ausschreibung ansonsten nicht zu gewinnen sei, da PostAuto dann nicht die günstigste Eingabe machen könnte. Das erklärt PostAuto-Chauffeur Mike Negele gegenüber dem "Volksblatt".

Bei der Ausschreibung 2011 betrug der Preisunterschied der PostAuto-Offerte zum zweitplatzierten Unternehmen etwas mehr als zwei Prozent. Bei den qualitativen Kriterien war der Abstand zu den weiteren Bewerbern deutlich grösser, wie der Verkehrsbetrieb LIEmobil – dieser Vergibt den Auftrag für den Busbetrieb in Liechtenstein – gegenüber dem "Volksblatt" festhält.

Dass das Liechtenstein-Geschäft keine Goldgrube ist, bestätigte Bundesrätin Doris Leuthard im Nationalrat:  Die PostAuto Liechtenstein weise seit 2001 – mit Ausnahme der Jahre 2010, 2011, 2012 – ein ausgeglichenes bzw. positives Ergebnis auf. Wie dieses Ergebnis ohne Zuschüsse der Schweizer Mutter aussehen würde, blieb offen.

Doch warum betreibt PostAuto dieses Geschäft dann überhaupt? Das ist die grosse Frage. Chauffeur Negele meint: "Es ging darum, den Markt zu vereinnahmen und auch ums Image."

Pausen gestrichen 

Für diesen Zweck sparte PostAuto offenbar auch bei den Mitarbeitenden – und verschlechterte die Arbeitsbedingungen.

„Seit der letzten Ausschreibung (2011, Anm. d. Red) wurde uns Fahrern immer wieder vorgehalten, wir müssen ums 'Überleben der Postauto Liechtenstein Anstalt' sparen“, schreibt Mike Negele in einem Leserbrief.

Demzufolge habe man Antritts- und Austrittszeiten der Chauffeure so verkürzt, dass bei einem Fahrerwechsel bis zu 20 Minuten unbezahlte Arbeitszeit zu Lasten der Fahrer geht. 

Gleichzeitig sei in den Arbeitsverträgen die Pausenregelung gestrichen worden. „Das hat zur Folge, dass wir jetzt mehrmals täglich 'gratis' herumstehen“, schreibt Negele. Bei einem Dienst mit 9-13 Stunden Präsenzzeit komme ein Chauffeur deswegen lediglich auf 5-6 Stunden bezahlte Sollzeit. „Bei einer 6 Tage Woche von 42 Stunden Soll müssen wir Fahrer zwischen 60 bis 65 Stunden anwesend sein“, verdeutlicht der Buschauffeur.

Unterschreiben oder Abgang

Die Belegschaft habe man vor die Wahl gestellt: Zähneknirschend den neuen Vertrag unterschreiben oder das Arbeitsverhältnis beenden.

Unter diesen Bedingungen wollte Negele nicht mehr bei PostAuto arbeiten. Er hat gekündigt und packt jetzt aus: "Ich habe nichts mehr zu verlieren und kann das sagen, was sich die anderen 100 Chauffeure nicht trauen zu sagen."

Von der PostAuto Liechtenstein Anstalt gibt es bislang keine Stellungnahme zu diesen Vorwürfen. Der stellvertretende Geschäftsleiter Reinhard Leu wollte sich am Mittwoch nicht dazu äussern. Er verwies an die Medienstelle der Schweizer Post. Dort ist eine Anfrage des "Volksblatts" bereits seit Dienstagabend hängig.

Hintergrund

Durch widerrechtliche Buchhaltungstricks erschlich die PostAuto Schweiz AG zu unrecht Subventionen vom Schweizer Staat, wie bereits im Frühjahr bekannt wurde

Der Untersuchungsbericht von der Anwaltskanzlei Kellerhalsta Carrard zeigt nun, dass ungefähr 17 Millionen Franken dieser Subventionen an die 100%-Tochter PostAuto Liechtenstein Anstalt flossen, wie die NZZ berichtet. 

Dies schürt den Verdacht, dass die PostAuto Liechtenstein Anstalt ohne das Schweizer Steuergeld nicht so tiefe Preise offerieren hätte können. Mitbewerber ohne staatliche Subventionen im Rücken, konnten da natürlich nicht mithalten – auch drei Liechtensteiner Unternehmen hatten sich 2011 für den Auftrag beworben.

Zumindest ähnlich scheint es bei der französischen PostAuto-Tochter – CarPostal France – abgelaufen zu sein. Dort klagten jedoch die örtlichen Mitbewerber: CarPostal habe unter Selbstkosten offeriert und Verluste mit Subventionen ausgeglichen. 2016 sprach ein französisches Gericht 11 Mio. Schadenersatz wegen unzulässiger staatlicher Beihilfe durch die Schweizer Post. Diese reichte jedoch Beschwerde ein. Ein rechtskräftiges Urteil wird im September erwartet.

(ds)

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