Philipp Büchel kann den Kursentwicklungen derzeit selbst fast nicht mehr folgen, so gewaltig sei das Tempo. (Foto: Michael Zanghellini)
Wirtschaft
Liechtenstein|09.01.2018 (Aktualisiert am 18.01.18 12:31)

«Wer Bitcoin als reines Spekulationsobjekt sieht, schadet dem System»

SCHAAN - Philipp Büchel war einer der ersten Bitcoin-Schürfer des Landes und er ist nach wie vor überzeugt von der Idee hinter der Kryptowährung. Er rät allerdings davon ab, nur wegen des vermeintlich schnellen Geldes in Bitcoins zu investieren. Wer sich nicht eingehend informiere, werde nicht glücklich damit, warnt er. 

Philipp Büchel kann den Kursentwicklungen derzeit selbst fast nicht mehr folgen, so gewaltig sei das Tempo. (Foto: Michael Zanghellini)

SCHAAN - Philipp Büchel war einer der ersten Bitcoin-Schürfer des Landes und er ist nach wie vor überzeugt von der Idee hinter der Kryptowährung. Er rät allerdings davon ab, nur wegen des vermeintlich schnellen Geldes in Bitcoins zu investieren. Wer sich nicht eingehend informiere, werde nicht glücklich damit, warnt er. 

«Volksblatt»: Im April haben wir am Bitcoin-Automaten in Vaduz für 10 Franken Bitcoin gekauft, um danach vor dem damals stationierten Kiosk vor dem Kunstmuseum einen Kaffee zu trinken. Hätten wir den Kaffee nicht getrunken und die Bitcoins behalten, wären sie heute 115 Franken wert. Die Kurssteigerung ist krass – wird Ihnen da nicht etwas mulmig?

Philipp Büchel: Manchmal schon, ich hätte nie erwartet, dass das alles so schnell gehen wird. Der Markt ist wahnsinnig überhitzt und alle meine Annahmen sind viel früher eingetreten, als ich gedacht habe. Auch ich kann den Kursentwicklungen fast nicht mehr folgen, das Tempo ist schon gewaltig.

Sie waren ja einer der ersten Bitcoin-Schürfer in Liechtenstein, haben also selber mit ihrem Computer noch Bitcoins hergestellt, damals kostete ein Bitcoin wenige Dollar. Jetzt benötigt man zur Herstellung von Bitcoins derart viel Rechenleistung, dass man Fabrikhallen voller Server braucht, um zu «minen», also herzustellen. Der Kurs ist in kürzester Zeit auf 20 000 Dollar hochgeschnellt, vor Weihnachten wieder stark eingebrochen und jüngst wieder etwas angestiegen. Es mehren sich die Anzeichen, dass das alles eine riesige Blase ist, die bald platzen könnte.

Ja, das sehe ich auch so. Viele Spekulanten hoffen jetzt auf möglichst hohe Gewinne und ich bin überzeugt, dass viele enttäuscht werden. Mir geht es bei Bitcoin nicht um schnelles Geld, sondern um die Idee dahinter. Diese Unabhängigkeit von «vertrauenswürdigen» Drittparteien, das finde ich spannend.

Und die mögliche Blase, die macht Ihnen keine Sorgen?

Nun, ich habe meine ersten Bitcoins gekauft, als diese 12 Dollar wert waren und mir dann einen genauen Plan zurechtgelegt, wann ich wie viele davon verkaufe. An diesem Plan versuche ich ganz emotionslos festzuhalten. Ich will mich nicht von dem euphorischen Markt beeinflussen lassen. Ich bin seit 2012 dabei und habe schon zwei Blasen erlebt. Die erste war bei rund 250 Dollar, die zweite bei rund 1200, da sackte der Kurs zum Beispiel wieder auf 200 Dollar ab. Davon hat sich der Markt lange nicht erholt. Und jetzt sind wir offensichtlich am Anfang, in der Mitte oder vielleicht bereits am Ende einer dritten Blase. Diese wird wieder platzen. Aber solange sich an den technologischen Grundlagen nichts ändert – und das prüfe ich regelmässig – wird es weitergehen, davon bin ich überzeugt. Übrigens waren die Phasen nach dem Platzen der Blasen immer äusserst produktiv. Da wurde das System jeweils weiterentwickelt, viele Firmen im Blockchain-Umfeld gegründet und Innovation betrieben.

Würden Sie jetzt noch zu einem Kauf raten?

Ich gebe keine finanziellen Ratschläge (lacht). Es ist generell hochspekulativ in Bitcoin zu investieren. Und ich rate allen, sich vor einem Kauf eingehend zu informieren. Wer Bitcoin als reines Spekulationsobjekt sieht, schadet dem System und wird ziemlich sicher auch nicht glücklich damit.

Das grosse Interesse an Bitcoins konnte man auch an eurem Automaten beobachten, der wurde in den letzten Monaten ja überrannt.

Ja, das wurde er wirklich. Deshalb müssen wir ihn aus dem Hoi-Laden entfernen. Für die Mitarbeitenden des Geschäfts wurde dadurch zu viel Zeit absorbiert. Sie mussten rund um den Automaten zu viele Fragen beantworten und das ging mit dem Weihnachtsgeschäft nicht gut zusammen. Wir suchen daher einen alternativen Standort oder stellen ihn gar nicht mehr auf, das haben wir noch nicht entschieden.

Wie hoch war denn der Umsatz?

Den geben wir nicht bekannt. Aber je mehr der Kurs angezogen hat, desto beliebter wurde der Automat. Auch bei Leuten, die keine Ahnung von Bitcoins hatten, daher stieg auch der Erklärungsbedarf.

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