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Lokal erzeugte Energie bringt Vorteile für die Umwelt und Wertschöpfung für die heimische Wirtschaft. Das zeigte der Vortrag des Referenten Bernhard Deutsch (links) aus der Energiemodell-Region Güssing, im Bild zusammen mit Umweltministerin Marlies Amann-Marxer und Organisator Helmut Hasler. (Foto: Paul Trummer)
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Liechtenstein|15.04.2014 (Aktualisiert am 15.04.14 18:29)

Energiereiches Vorzeigemodell

GAMPRIN - Von der ärmsten Region Österreichs zum Pionier für erneuerbare Energie - die südburgenländische Region Güssing gilt heute als Modell für Europa.

Lokal erzeugte Energie bringt Vorteile für die Umwelt und Wertschöpfung für die heimische Wirtschaft. Das zeigte der Vortrag des Referenten Bernhard Deutsch (links) aus der Energiemodell-Region Güssing, im Bild zusammen mit Umweltministerin Marlies Amann-Marxer und Organisator Helmut Hasler. (Foto: Paul Trummer)

GAMPRIN - Von der ärmsten Region Österreichs zum Pionier für erneuerbare Energie - die südburgenländische Region Güssing gilt heute als Modell für Europa.

Die Umweltkommissionen von Gamprin, Ruggell und Schellenberg waren vor zwei Jahren nicht die ersten Besucher in der Energiemodell-Region Güssing, denn inzwischen pilgert halb Europa dorthin und auch Vertreter von Übersee besichtigen vor Ort, wie es die einst ärmste Ecke Österreichs geschafft hat, zum Technologiezentrum für erneuerbare Energie zu werden. Am Montag zeigte Bernhard Deutsch vom Europäischen Zentrum für erneuerbare Energie Güssing und Bürgermeister der kleinen südburgenländischen Gemeinde Strem im Gemeindesaal Gamprin in einem Vortrag, wie das ging.

Energie-Wertschöpfung vor Ort

Eine Bestandsaufnahme Anfang der 1990er-Jahre hat laut Bernhard Deutsch gezeigt: Die Region Güssing, die bis dahin von Abwanderung, schlechter Verkehrsinfrastruktur, mangelnden Arbeitsplätzen, fehlenden Industrie- und Gewerbebetrieben und kleinteilig strukturierter Land- und Forstwirtschaft geprägt war, ist in Wahrheit nicht arm, sondern nur zu dumm, um das Geld in der Region zu behalten. Denn immerhin schaffte es der Bezirk, jährlich für 35 Millionen Euro Energie von auswärts zuzukaufen. Energie, die man mit geschickter Technologie auch vor Ort produzieren könnte, um die Wertschöpfung daheim zu behalten. Mit 45 Prozent Waldfläche verfügte die Region über ausreichend Holz als Biomasse, mit 300 Sonnentagen bestanden optimale Voraussetzungen zur Nutzung von solarem Strom und solarer Wärme und die zahlreichen brach liegenden landwirtschaftlichen Flächen liessen sich zum Grasschnitt benutzen, um damit Biogasanlagen zu beliefern.

Neue Betriebe angesiedelt

Was 1991 mit einer Vision des damaligen Güssinger Bürgermeisters zusammen mit einem Techniker und der ersten mit Hackschnitzeln betriebenen Fernwärmeanlage begann, hat der Stadt Güssing inzwischen 50 neue Betriebe und 1100 neue Arbeitsplätze beschert. Ein universitär unterstütztes und EU-gefördertes Technologiezentrum forscht nun in der Herstellung von flüssigem Treibstoff und Biogas aus Holzvergasung, an optimaler Kraft-Wärme-Kopplung für zwei neu angesiedelte Parkettwerke, die gleich auch Schleifstaub und Abfallholz für die Energiegewinnung liefern, sowie an der effizienten Nutzung von Sonnenenergie. 12000 Tonnen Gras wandern jährlich in die örtlichen Biogasanlagen und stehen nach der Verwertung als hochwertiger Dünger für die Landwirtschaft zur Verfügung. Die 39 Fernwärme- und Biomasse-Demoanlagen locken inzwischen Öko-Touristen aus allen Ländern an. Innerhalb von zwei Jahrzehnten konnte Güssing die Nächtigungszahlen von 18 000 auf beeindruckende 300 000 pro Jahr steigern.

Bio-Energie schafft bares Geld, so das beeindruckende Fazit des Referats von Bernhard Deutsch. Statt wie 1991 6,2 Millionen Euro für den Zukauf fossiler Energieträger auszugeben, schaffte es die Stadt Güssing bereits 2005 13,6 Millionen Euro aus selbst erzeugter Energie zu generieren. Der Bezirk Güssing schafft mit aktuell 60 Prozent Eigenversorgungsgrad 22 Millionen Euro Jahreswertschöpfung. Angestrebt wird eine 100-prozentige Selbstversorgung mit Energie, wodurch eine Wertschöpfung von 37 Millionen Euro pro Jahr möglich wäre.

(jm)

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