(Symbolfoto: Shutterstock)
FMA-Bericht
Liechtenstein|24.10.2019 (Aktualisiert am 24.10.19 17:04)

2018 war für Pensionskassen ein unerfreuliches Jahr

VADUZ - Die Finanzmarktaufsicht (FMA) Liechtenstein hat ihren Bericht zur Betrieblichen Personalvorsorge veröffentlicht. Wegen dem schlechten Anlagejahr 2018 lag der Deckungsgrad bei 2 der 18 Pensionskassen unter 100 Prozent. Aufgrund der positiven Entwicklung am Finanzmarkt hat sich dies bis Mitte diesen Jahres wieder ins Positive gekehrt.

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VADUZ - Die Finanzmarktaufsicht (FMA) Liechtenstein hat ihren Bericht zur Betrieblichen Personalvorsorge veröffentlicht. Wegen dem schlechten Anlagejahr 2018 lag der Deckungsgrad bei 2 der 18 Pensionskassen unter 100 Prozent. Aufgrund der positiven Entwicklung am Finanzmarkt hat sich dies bis Mitte diesen Jahres wieder ins Positive gekehrt.

Die liechtensteinischen Pensionskassen versicherten Ende 2018 42'394 Personen, davon waren 37'094 aktiv Versicherte und 5300 Rentenbezüger. Die Zahl der aktiv Versicherten und Rentner stieg damit innert Jahresfrist um 3,7 Prozent an, wie die FMA am Donnerstag mitteilte. Damit würden die Pensionskassen mehr Personen versichern, als Liechtenstein Einwohner hat. Die ausgezahlten reglementarischen Leistungen der Pensionskassen betrugen 201,4 Mio. Franken (Vorjahr: 186,7 Mio.), was rund 3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes entspricht.

Den grössten Anteil hatten die Altersrenten mit 94 Mio. Franken (Vorjahr: 86,8 Mio.). Die Kapitalleistungen bei Pensionierung betrugen 71,1 Mio. Franken (Vorjahr: 64,5 Mio.). Auf 434 Mio. Franken beliefen sich die Beitragseinnahmen der Vorsorgeeinrichtungen. Das Sparkapital der aktiv Versicherten wurde im Jahr 2018 mit durchschnittlich 1,0 Prozent (Vorjahr: 1,5 Prozent) verzinst. Die höchste Verzinsung hätte 3,0 Prozent, die tiefste 0 Prozent betragen. Der durchschnittliche Rentenumwandlungssatz der Pensionskassen lag im Jahr 2018 gegenüber dem Vorjahr unverändert bei 5,8, der tiefste bei 5,0, der höchste bei 7,0 Prozent.

"Die Pensionskassen versichern mehr Personen, als Liechtenstein Einwohner hat."

Aus dem FMA-Bericht

2018 war für Pensionskassen ein unerfreuliches Anlagejahr

Das vergangene Anlagejahr war für die Pensionskassen mit einer im Mittel erzielten Rendite von -4,2 Prozent (Vorjahr: 6,6 Prozent) ein unerfreuliches, schreibt die FMA weiter: Die Aktienmärkte verzeichneten Ende 2018 eine stärkere negative Performance, bevor sie sich Anfang 2019 wieder erholten. Die Pensionskassen würden auch mit den Auswirkungen des Tiefzinsumfeldes kämpfen. Risikoarme Anlagen wie die Bundesobligationen hätten in den letzten Jahren praktisch keinen Beitrag zum Anlageertrag geleistet. "Die ungünstigen Entwicklungen im Jahr 2018 führten zu einem Rückgang des Deckungsgrades", resümiert die FMA. "Der mittlere, gleichgewichtete Deckungsgrad (Median) lag Ende 2018 bei 104,4 Prozent (Vorjahr: 111,1 Prozent). Mit 93,1 resp. 98,6 Prozent wiesen Ende 2018 zwei Pensionskassen eine Unterdeckung auf. Aufgrund der Entwicklungen am Finanzmarkt im ersten Halbjahr 2019 haben sich die provisorischen Deckungsgrade jedoch erholt: Mitte 2019 wies keine Pensionskasse eine Unterdeckung aus."

"Im 2008 betrug die von der FMA beaufsichtigte Zahl der Pensionskassen noch 34. Ende 2018 waren es 18."

Aus dem FMA-Bericht

Rückgang bei den beaufsichtigten Pensionskassen

Die FMA beaufsichtigte laut Mitteilung per Ende des letzten Jahres 18 Pensionskassen, eine weniger als Ende 2017. Im Jahr 2008 hätte die Zahl an Pensionskassen noch 34 betragen. "Gründe für den Rückgang sind die schwierige Kapitalmarktsituation, steigende administrative Aufwände und Kosten-Nutzen-Überlegungen von betriebseigenen Stiftungen", so die FMA.

Die gesamten Aktiven der Pensionskassen beliefen sich Ende 2018 auf 6,60 Mrd Franken. Diese Summe entspricht rund 104 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, was laut FMA die hohe volkswirtschaftliche Bedeutung der betrieblichen Personalvorsorge verdeutlicht. Dazu kommt ein Betrag von 471,4 Mio. Franken, der auf Freizügigkeitskonten bei liechtensteinischen Banken gehalten wird.

Die FMA in Vaduz.

Begriffserklärungen:

• Der Rentenumwandlungssatz ist die Grösse, mit welcher das Alterskapital in eine Rente umgewandelt wird. Beispielsweise bedeutet ein Rentenumwandlungssatz von 6%, dass bei einem Alterskapital von 100 000 Franken die jährliche Rente 6000 Franken beträgt.

• Der Deckungsgrad entspricht dem Verhältnis zwischen dem Nettovermögen der Vorsorgeeinrichtung und dem gesamten Vorsorgekapital (inkl. den technischen Rückstellungen). Liegt er bei zumindest 100 Prozent, so können zum Stichtag sämtliche eingegangenen Verpflichtungen seitens der Vorsorgeeinrichtung erfüllt werden. Liegt der Deckungsgrad unter 100 Prozent, spricht man von einer Unterdeckung und es müssen Finanzierungs- bzw. Sanierungsmassnahmen eingeleitet werden.

Im heute veröffentlichten Bericht beschäftigt sich die FMA mit gewollten und ungewollten Solidaritäten in der zweiten Säule des Vorsorgesystems. Beleuchtet wird insbesondere die Thematik der Umverteilung von jüngeren Generationen zur älteren Generation. Der Bericht enthält zudem ein Interview mit Jérôme Cosandey, Directeur romand des Think Tanks Avenir Suisse. Der Bericht steht hier zum Download zur Verfügung.

(red/pd)

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