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Diese Konstruktion stach einem Spaziergänger im Schaaner Riet ins Auge. (Foto: ZVG)
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Liechtenstein|22.05.2019

Aufgehängte Krähe: Nicht mit der Würde der Tiere vereinbar

SCHAAN - Es gibt in der Landwirtschaft verschiedene Methoden, um die Saat vor Rabenkrähen zu schützen. Eine davon ist das Ausbringen von Federkreisen. Eine aufgehängte Krähe stösst jetzt jedoch auf Widerstand.

Diese Konstruktion stach einem Spaziergänger im Schaaner Riet ins Auge. (Foto: ZVG)

SCHAAN - Es gibt in der Landwirtschaft verschiedene Methoden, um die Saat vor Rabenkrähen zu schützen. Eine davon ist das Ausbringen von Federkreisen. Eine aufgehängte Krähe stösst jetzt jedoch auf Widerstand.

Kopfüber baumelt die tote Krähe an der Holzkonstruktion. Davor sind Federn in einem Kreis in den Boden gesteckt. Es ist kein schamanistisches Ritual, das sich hier im Schaaner Riet abspielt, sondern eine Massnahme zum Verscheuchen der Krähen von den Feldern. Ein durchaus bizarres Bild, das bei einem Spaziergänger, die berechtigte Frage aufwarf, ob es denn sein könne, dass heute noch Tier mit so altertümlichen Methoden verjagt werden.

Das Amt für Umwelt würde hin und wieder Meldungen diesbezüglich erhalten, wie Olivier Nägele auf Anfrage bestätigt. Grundsätzlich sei die Verwendung toter Vögel zur Abschreckung nicht verboten. Rabenkrähen dürfen gejagt werden und das Ausbringen der Federn sei eine Form der Verscheuchung und Vergrämung, die sich vor allem im Biolandbau etabliert habe. Dort darf keine chemischen Fressschutz wie gebeiztes Saatgut eingesetzt werden, weshalb die Krähen auf anderem Wege von den frisch gesäten Feldern ferngehalten werden müssen. «Je nach Anbaujahr und –frucht legen zwischen 16 und 18 Biobetriebe Federkreise aus», erklärt Nägele. Es komme aber auch vor, dass Krähen bei Einzelabschüssen auf dem Feld liegen gelassen werden. Er stellt jedoch gleichzeitig klar: «Das Aufhängen toter Krähen wird nicht empfohlen und auch kaum praktiziert.» Auch die Vereinigung Bäuerlicher Organisationen (VBO) findet klare Worte für solche Massnahmen: Auch wenn es Krähen abschrecht, lehne sie das Aufhängen toter Vögel ab. Es sei nicht mit der Achtung der Tiere vereinbar und schade auch dem Image der Landwirtschaft. Bislang seien der der VBO auch keine derartige Fälle bekannt gewesen. Der aktuelle Fall sei ihnen ebenfalls gerade erst durch einen Spaziergänger zugetragen worden.

«Das Aufhängen toter Krähen wird nicht empfohlen und auch kaum praktiziert.»

Olivier Nägele, Amt für Umwelt

Bewährte Methoden

Es gebe auch genügend bewährte Methoden, die das Aufhängen toter Krähen unnötig machen. Die Landwirte hätten laut VBO sehr gute Erfahrungen mit dem Anlegen von Federkreisen gemacht, weshalb gerade diese Abschreckungsmethode seit einigen Jahren wirkungsvoll angewendet werde. Aber auch andere Massnahmen wie angepasste Anbautechniken, Einzelabschüsse, Folienballone, akustische Spezialanlagen hätten sich bewährt. Seit 2007 arbeite das Amtes für Umwelt mit den Biobauern, der Bioberatung der VBO sowie Falkner Norman Vögeli zusammen, um die Rabenkrähen mithilfe von Falken zu bekämpfen. Früher häufig eingesetze Gasschussanlagen seien zwar effektiv, würden aber wegen der hohen Lärmbelästigung im engen Siedlungsgebiet wiederum nur in Ausnahmesituationen eingesetzt.

Kurzfristige Lösung für selbstgeschaffenes Problem

Doch ob das alles etwas bringt, ist umstritten. Das Abschrecken gerade durch tote Vögel und Federn sei wenig zielführend und bringe nur eine kurze Erholungsperiode- «Rabenvögel sind intelligent und lernen schnell», sagt Ornithologe Georg Willi. Auch die Liechtensteinische Gesellschaft für Umweltschutz (LGU) hält wenig von solch kurzfristigen Massnahmen. Vielmehr gelte es auch im Landwirtschaftsgebiet strukturreichere Landschaften zu schaffen, die Lebensraum für Raubvögel und andere natürliche Feinde der Krähenvögel bieten, und gleichzeitig die Lebensbedingungen für viele verschiedene Singvogelarten verbessern, erklärt LGU-Geschäftsführerin Monika Gstöhl. Denn das Krähen-Problem in der Landwirtschaft sei hausgemacht. «Wir bieten den Krähen ideale Lebensgrundlagen mit den offenen Ackerflächen und dem Zurückdrängen ihrer natürlichen Feinde und Konkurrenten um Nahrung und Brutplätze», so Gstöhl. Dem stimmt auch der Ornithologe zu: «Wer intensive Landwirtschaft will, muss auch mit den Folgen leben».

(sa)

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