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Politologe Wilfried Marxer referierte über das Verhältnis von Jung und Alt in Liechtenstein. (Foto: JM)
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Liechtenstein|17.05.2019

Eher entspanntes Verhältnis zwischen Jung und Alt

PLANKEN - In der Perspektiven-Vortragsreihe des Liechtenstein-Instituts ging Politologe Wilfried Marxer am Donnerstagabend in Planken auf das Verhältnis zwischen Jugend und Alter und auf künftige Entwicklungen ein.

Politologe Wilfried Marxer referierte über das Verhältnis von Jung und Alt in Liechtenstein. (Foto: JM)

PLANKEN - In der Perspektiven-Vortragsreihe des Liechtenstein-Instituts ging Politologe Wilfried Marxer am Donnerstagabend in Planken auf das Verhältnis zwischen Jugend und Alter und auf künftige Entwicklungen ein.

Dass es Liechtenstein heute im 300. Gründungsjahr gut geht, dass relativ breiter sozialer Ausgleich herrscht, dass trotz nach wie vor grosser Besitzunterschiede dennoch keine wirkliche Armut sichtbar wird, dass Bildungsangebote, Sozialleistungen und Altersabsicherung für eine Mehrheit zur Verfügung stehen, ist der Entwicklung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu verdanken. Das ging aus dem Vortrag des Politologen Wilfried Marxer, der sich auf die verfügbaren Studien stützte, deutlich hervor. Naturgemäss wünschte er sich als Wissenschaftler eine grössere und aktuellere Datenbasis, als sie staatlicherseits bislang in Auftrag gegeben wurde. Besonders was die Auswirkungen der Wirtschaftskrise ab 2008 auf die Vermögens- und Absicherungsverhältnisse in der Bevölkerung betrifft. Die Bereiche, in denen Wilfried Marxer indes anhand der verfügbaren Daten Verbesserungsbedarf sieht, sind das Thema Chancengleichheit durch Leistung und Bildungsbereitschaft – nach wie vor werden Chancen bzw. Nicht-Chancen auf gesellschaftlichen Status bzw. Aufstieg von den Eltern auf die Kinder weitervererbt. Der Bildungszugang für Mädchen und Frauen hat sich allerdings ab Ende der 1960er-Jahre deutlich erhöht, seit sich die zuvor männerdominierten Bildungseinrichtungen – allen voran das Gymnasium – geöffnet haben. Die Freizeitmöglichkeiten in Institutionen wie Jugendtreffs und Vereinen haben für die Jungen ebenfalls deutlich zugenommen. Mit der chancengerechten Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund scheint es indes immer noch zu hapern.

Demografische Herausforderung

Es ist nicht das erste Mal, dass an dieser Stelle über die demografischen Herausforderungen der Zukunft geschrieben wird. Auch im gestrigen Vortrag von Wilfried Marxer wurde einmal mehr deutlich, dass aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung einer stagnierenden Zahl an jungen Menschen in der Gesamtbevölkerung eine wachsende Zahl an älteren Menschen gegenübersteht. Ohne Einwanderung von erwerbsfähigen jungen Menschen aus dem Ausland wären die derzeitigen Sozialsysteme wohl kaum mehr über Umlagen aus den Steuerleistungen der Erwerbsbevölkerung zugunsten von Rentnern und sozial Bedürftigen zu finanzieren. Die Belastungen im Solidarsystem werden in den kommenden Jahrzehnten auch weiter steigen, wie die Bevölkerungserhebungen zeigen. Steigen werden auch die Anforderungen an das Pflege- und Gesundheitssystem.
Dieser Trend hat aber noch zu keinen nennenswerten Spannungen zwischen Jung und Alt geführt, wie zumindest eine Jugendstudie aus dem Jahr 2017 nahelegt. Ein Drittel der befragten Jugendlichen bezeichnet das Verhältnis zwischen der jungen und der älteren Generation als eher harmonisch, ein Viertel meint, das Verhältnis sei eher angespannt. Der grosse Rest gibt dazu keine Meinung ab oder meint weder-noch.

Nicht zurückfallen

Alles in Butter also? Ja und nein, meint der Politologe Wilfried Marxer. Was die Verbesserung von Chancengerechtigkeit in der Gesamtbevölkerung betrifft und was das Erarbeiten von Lösungsstrategien im demografischen Wandel betrifft, sieht er Bedarf. Was er aber auch sieht – und ein grosser Teil des Vortrags drehte sich darum –: Wenn man auf die vergangenen 300 Jahre im Land zurückblickt und feststellt, in welcher Armut und unter welch prekären Bedingungen frühere Generationen noch bis vor wenigen Jahrzehnten leben mussten, bleibt aus seiner Sicht nur zu hoffen, dass bewahrt wird, was sich bewährt hat, und dass verändert wird, was notwendigerweise an neue Bedingungen angepasst werden muss. 

(jm)

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