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Die Hauptverkehrsverbindung von Triesenberg nach Steg und Malbun: Der Tunnel Gnalp Steg. (Fotos: ZVG)
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Liechtenstein|02.05.2019 (Aktualisiert am 02.05.19 15:01)

Tunnelsanierung Gnalp Steg: Ingenieurbüro weist Vorwürfe zurück

VADUZ -  Nachdem der Schaaner Tunnelbauer Xaver Jehle das für die Tunnelsanierung Gnalp Steg zuständige Ingenieursbüro in einer Petition angegriffen hat, nimmt deren Geschäftsführer nun Stellung zu den Vorwürfen.

Die Hauptverkehrsverbindung von Triesenberg nach Steg und Malbun: Der Tunnel Gnalp Steg. (Fotos: ZVG)

VADUZ -  Nachdem der Schaaner Tunnelbauer Xaver Jehle das für die Tunnelsanierung Gnalp Steg zuständige Ingenieursbüro in einer Petition angegriffen hat, nimmt deren Geschäftsführer nun Stellung zu den Vorwürfen.

Bereits mehrfach ist Xaver Jehle bei der Regierung sowie beim Amt für Bau und Infrastruktur vorstellig geworden, da er mit den getroffenen Sanierungsmassnahmen zum Tunnel Gnalp Steg nicht einverstanden ist. Neuerdings hat er eine Petition im Landtag eingereicht, in welchem er das dafür zuständige Planungsbüro Sprenger & Steiner massiv angreift. So behauptet Xaver Jehle:

1. dass die Brandsicherheit im Tunnel durch die Belagssanierung verschlechtert wurde
2. dass die neu erstellten Telefonzellen Todesfallen darstellen würden
3. dass mindestens zwei Fluchtstollen notwendig wären
4. dass eine aktive Tunnelbelüftung erforderlich wäre

Eine SOS-Nische mit Notfal­lausrüstung - namentlich Notfal­ltelefon und Feuerlöscher.

Überdies führt Xaver Jehle im Schreiben aus, dass eine reale Sicherheits-Ertüchtigung nur durch die von ihm vorgeschlagenen Massnahmen erreicht würde, er aber bei der Ausführung der Sanierungsmassnahmen nicht berücksichtigt wurde. Pauschale Behauptungen, findet das Ingenieurbüro Sprenger & Steiner. Anbei die Stellungnahme von Geschäftsführer Florin Banzer im Wortlaut:

Der Geschäftsführer des Planungsbüros Sprenger & Steiner, Florin Banzer.

Grundlage für die getroffenen Tunnelsanierungsmassnahmen bildet eine sicherheitstechnische Tunnelbeurteilung, welche im Jahr 2013 durch ein für Tunnelbau spezialisiertes Schweizer Ingenieurbüro erstellt wurde. Dabei wurde der Ist-Zustand erhoben und bewertet und auf dessen Basis schliesslich ein Massnahmenplan zur Erreichung eines hinreichenden Sicherheitsniveaus erarbeitet. Nebst normativen Vorgaben wurde den speziellen Randbedingungen des Tunnels (Verkehrsregime, Lichtraumprofil, Tunnellänge, Tunnelerschliessung, etc.) speziell Rechnung getragen und so die Wirksamkeit von Massnahmen hinsichtlich Risikominderung beurteilt. In diesem Zusammenhang gilt es zu erwähnen, dass der Tunnel nur für Personenwagen im Gegenverkehr betrieben wird, Busse und Lastwagen werden im Richtungsverkehr durch den Tunnel geführt. Diese lichtsignalgesteuerte Verkehrsführung reduziert die Eintretenswahrscheinlichkeit eines Ereignisses und das Schadenspotential. Weiter wirkt sich in Bezug auf die Verkehrs- und Betriebssicherheit zudem positiv aus, dass es sich um einen kurzen und geraden Tunnel mit geringem Längsgefälle handelt und dass der Schwerverkehr (Busse und Lastwagen) eine untergeordnete Rolle spielt.

Im Vorfeld der eigentlichen Sanierungsplanung hat die Regierung und das zuständige Fachamt (Amt für Bau und Infrastruktur) auf der Grundlage dieser generellen Massnahmenplanung eine umfassende qualitative Interessensabwägung unter sicherheitstechnischen, finanziellen und politischen Aspekten vorgenommen.

Angesichts der vorerwähnten Umstände hat die Regierung im Dezember 2015 beschlossen, folgende Sanierungsmassnahmen umzusetzen:
- Fahrbahnsanierung mittels Asphaltbelag
- Neue Tunnelbeleuchtung
- Unterbrechungsfreie Stromversorgung im Tunnel
- SOS-Nischen mit Notruftelefon und Feuerlöscher alle 150 m
- Tunnelfunk
- UKW- und DAB+ Empfang im Tunnel
- Löschwasserversorgung im Tunnel
- Normgerechte Signalisationen und Markierungen

"Die Tunnelsanierung Gnalp Steg erreicht ein deutlich erhöhtes Sicherheitsniveau."

Florin Banzer

Zu den vier von Xaver Jehle aufgeworfenen Punkten äussert sich Geschäftsführer Florin Banzer wie folgt:

Zu Punkt 1: Brandsicherheit durch Belagssanierung

Zu den geäusserten Bedenken betreffend Brandsicherheit ist anzumerken, dass die sicherheitstechnischen Anforderungen an den Oberbau (Strassenbelag) risikomässig gesamthaft zu bewerten sind und nicht nur vom Kriterium Brandbeständigkeit abhängig gemacht werden können. Die Faktoren Oberflächengriffigkeit, Lichtspiegelung und akustische Eigenschaften ist bei einem Asphaltbelag ungleich besser als bei einem Betonbelag, wie dies vor der Sanierung vorhanden war. Der Weltstrassenverband (PIARC) spricht sich aufgrund der Gesamtbeurteilung nach wie vor für die Verwendung von dichten Asphaltbelägen aus. Sowohl bei Tunnelneubauten als auch bei Tunnelsanierungen kommen aus besagten Gründen nach wie vor grossmehrheitlich Asphaltbeläge zum Einsatz.

Zu Punkt 2: Telefonzellen als Todesfallen

Zur Kritik an den Telefonzellen möchten wir festhalten, dass es sich um normgerechte SOS-Nischen mit Notfallausrüstung, namentlich Notfalltelefon und Feuerlöscher, gemäss den Europäischen Tunnelrichtlinien handelt. Die SOS-Nischen dienen den Verkehrsteilnehmern bei Er-eignissen (Fahrzeugpanne, Unfall, kleinerer Brand), der Alarmierung der Rettungskräfte und der ersten Selbsthilfe, bis die Einsatzkräfte eingetroffen sind. Die vier SOS-Nischen sind im Abstand von ca. 150 m wechselseitig der Fahrbahn angeordnet. Eine Nische ist mit einer Hydrantenan-lage kombiniert, sodass nebst den Löschposten an den Tunnelportalen neuerdings auch ein Löschwasserbezug innerhalb des Tunnels ermöglicht wird. Die Unterbringung des SOS – Telefons in einem abgeschlossenen Raum ermöglicht eine lärmgeschützte, sichere Kommunikation.

Zu Punkt 3: Fluchtstollen

Die Möglichkeit von Fluchtstollen wurde auf Stufe Vorprojekt hinsichtlich technischer Machbarkeit, Wirksamkeit und Kosten eingehend untersucht. Nach Abwägung der Verhältnismässigkeit und eines akzeptablen Kosten-/Wirksamkeitsverhältnisses hat die Regierung im Dezember 2015 beschlossen, vorläufig auf die Realisierung von Fluchtwegstollen zu verzichten.

Zu Punkt 4: Aktive Tunnelbelüftung

Die Beurteilung der Notwendigkeit einer technischen Lüftung hängt in erster Linie von der Ver-kehrsart und -menge sowie von der Tunnellänge ab. Für einen Gegenverkehrstunnel mit einer Länge von weniger als 800 m (Länge Tunnel Gnalp-Steg: 742 m) ist gemäss ASTRA-Richtlinie eine technische Lüftung nicht zwingend respektive situativ zu prüfen. Für den Tunnel Gnalp-Steg erfolgte in Abhängigkeit des Gesamtverkehrs, des Lastwagenverkehrs und der Längsneigung eine Einzelfallbeurteilung, welche zum Schluss kam, dass aufgrund der günstigen Risikocharakteristik eine natürliche Lüftung ausreichend ist, d.h auf eine sehr aufwändige technische Lüftung verzichtet werden kann.

Der Tunnel Gnalp Steg.

Abschliessend möchte Florin Banzer klar festhalten, dass mit den von der Regierung beschlossenen und bereits umgesetzten resp. sich im Abschluss befindenden Sanierungsmassnahmen ein deutlich erhöhtes Sicherheitsniveau erreicht wird. Entgegen der Behauptung von Xaver Jehle würden sämtliche umgesetzten Massnahmen die normativen Vorgaben (SIA-Normen, ASTRA-Richtlinien, europäische Richtlinien) vollends erfüllen. Selbstverständlich könne die Tunnelsicherheit mit weiteren Massnahmen und entsprechendem Aufwand weiter erhöht werden. Das Sanierungskonzept wäre im Bedarfsfall in Zukunft jederzeit erweiterbar und präjudiziert hinsichtlich einer weitergehenden Optimierung des Sicherheitsniveaus nichts. Und nicht zuletzt sei darauf hingewiesen, dass – auch wenn ein Tunnel sämtliche gesetzliche und normative Vorschriften maximal erfüllt – immer ein Restrisiko bestehen bleibt.

(hm)

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