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Liechtenstein|12.02.2019 (Aktualisiert am 12.02.19 17:37)

DNA-Analyse: Es war eine junge Calanda-Wölfin

STEG - Erstmals seit mehr als 200 Jahren wurde Ende letzten Jahres ein Wolf in Liechtenstein nachgewiesen. Auf der Durchreise verköstigte er sich an einem Rotwild im Saminatal. Die DNA-Analyse der Kadaverreste liegt dem Amt für Umwelt jetzt vor. Das Ergebnis: Es war ein weibliches Jungtier des Calanda-Wolfsrudels.

Symbolfoto: SSI

STEG - Erstmals seit mehr als 200 Jahren wurde Ende letzten Jahres ein Wolf in Liechtenstein nachgewiesen. Auf der Durchreise verköstigte er sich an einem Rotwild im Saminatal. Die DNA-Analyse der Kadaverreste liegt dem Amt für Umwelt jetzt vor. Das Ergebnis: Es war ein weibliches Jungtier des Calanda-Wolfsrudels.

Zwischen Weihnachten und Neujahr wurde im oberen Saminatal, nördlich von Steg, ein gerissenes Rotwild entdeckt.

Das Rissbild – also die Löcher in der Haut des Rotwildes – wiesen auf einen Wolf hin. Und tatsächlich: Am 25. Dezember war ein Wolf in eine nahegelegene Fotofalle getappt. Damit war der Nachweis des ersten Wolfes auf Liechtensteiner Boden seit mehr als 200 Jahren erbracht.

Dieses Foto ist der erste Nachweis eines Wolfes in Liechten­stein seit mehr als 200 Jahren. (Foto: ZVG)

Ein Wildhüter entnahm den gefundenen Beuteresten daraufhin eine DNA-Probe, um herauszufinden woher der Wolf stammt. Das Ergebnis liegt dem Amt für Umwelt (AU) nun vor, wie Olivier Nägele vom AU auf Anfrage bestätigt. Demnach handelt es sich bei dem "Liechtensteiner" Wolf um ein 2017 geborenes weibliches Jungtier des Calanda-Rudels.

Dank der DNA-Analyse stehe nun auch fest, dass es sich nicht um den männlichen Wolf "M93" handelt, der im Dezember 2018 mehrere Schafe in Oberriet und Muolen gerissen hatte.

Das erste Wolfsrudel der Schweiz

Bereits Mitte der 1990er-Jahre waren Wölfe aus Italien in die Schweiz eingewandert. 2012 bildeten sie schliesslich das erste Wolfsrudel am Calanda-Massiv im Grenzgebiet der Kantone Graubünden und St. Gallen.

Seit 2012 überwachen Bündner Wildhüter die Wölfe am Calanda-Massiv.

Seither hatte das Calanda-Rudel jährlich Nachwuchs. Mehrere Abwanderungen von Jungtieren sind zwischenzeitlich dokumentiert. Es wurden in der Region aber auch immer wieder Wölfe nachgewiesen, die zugewandert sind und nicht aus dem Calanda-Rudel stammen. Abwandernde Wölfe legen zum Teil sehr grosse Distanzen zurück.

Die nun in Liechtenstein nachgewiesene Jungwölfin hat das Land aber wohl bereits wieder verlassen. Das Tier mit der Bezeichnung "F30" befand sich laut Nägele vermutlich auf der Durchreise. "Mittlerweile könnte die Wölfin bereits tief in Deutschland oder Österreich sein", so Nägele.

Das Revier eines Wolfes ist fast doppelt so gross, wie die gesamte Fläche des Landes. Folglich würde ein Wolf, der sich hier niederlässt, ohnehin stetig die Grenzen überqueren.

Zu einem Aufeinandertreffen zwischen Mensch und Wolf – also einer Sichtung – kam es bislang jedenfalls noch nicht. Der letzte Hinweis auf einen Wolf findet sich in einem Brief aus dem Jahre 1812. Damals waren die Tiere ebenfalls im Saminathal unterwegs gewesen.

Bei Sichtung: Ruhe bewahren!

Liechtenstein bereitet sich seit einiger Zeit auf die Rückkehr des Wolfes vor. Im Oktober 2018 stellte die Regierung das Wolfskonzept vor, das in den kommenden Monaten erlassen werden soll. Demnach soll der Herdenschutz ausgebaut und die Bevölkerung informiert werden. «Nutztierhalter können sich beim Amt für Umwelt melden, um ihre bisherigen Herdenschutzmassnahmen überprüfen zu lassen und allenfalls zu verbessern», sagte Cathérine Frick vom AU bereits vor einigen Wochen.

Gefahr für Menschen oder Tiere bestehe momentan aber nicht. Das AU rät Berggängern, weiterhin Rücksicht auf Wildtiere zu nehmen und die Winterruhezonen zu respektieren. Hunde sollen bei Wanderungen deshalb unbedingt an die Leine genommen werden. Auch sei es wichtig, sich nur auf den festgelegten Wegen fortzubewegen. Trifft man dennoch auf einen Wolf, gelte es, Ruhe zu bewahren, Abstand zu halten und sich bemerkbar zu machen. So könne sich der Wolf selbständig entfernen.

Auf keinen Fall sollte man dem Tier zu nahe kommen, um Fotos oder Videos von ihm zu machen. Wer Wölfe in Liechtenstein sichtet, oder andere Hinweise feststellt, ist gebeten, dies dem Amt für Umwelt zu melden.

(ds)

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