Volksblatt Werbung
(Foto: Paul Trummer)
Vermischtes
Liechtenstein|31.10.2018 (Aktualisiert am 31.10.18 10:58)

Zweifel an Scheinehe bewegten Richter zu Freispruch

VADUZ - Zumindest vor Gericht fand eine komplizierte Dreiecksbeziehung ein Happy-End: Der Richter sprach die drei Angeklagten, eine Liechtensteinerin, ihre Tochter und deren albanischer Ex-Mann, der nun mit der Mutter liiert ist, frei. Ihnen wurde vorgeworfen, dem Albaner über eine Scheinehe den rechtswidrigen Aufenthalt in Liechtenstein ermöglicht zu haben. Die Mutter soll die Tochter gemäss Anklage überredet haben, den Albaner zu heiraten.

(Foto: Paul Trummer)

VADUZ - Zumindest vor Gericht fand eine komplizierte Dreiecksbeziehung ein Happy-End: Der Richter sprach die drei Angeklagten, eine Liechtensteinerin, ihre Tochter und deren albanischer Ex-Mann, der nun mit der Mutter liiert ist, frei. Ihnen wurde vorgeworfen, dem Albaner über eine Scheinehe den rechtswidrigen Aufenthalt in Liechtenstein ermöglicht zu haben. Die Mutter soll die Tochter gemäss Anklage überredet haben, den Albaner zu heiraten.

In drei Verhandlungen wurden mehrere Zeugen zu der kuriosen Beziehungskonstellation befragt. Die Tochter und der Albaner sollen sich in Griechenland kennen und lieben gelernt haben - auch die Mutter war damals vor Ort. Kurze Zeit später, nachdem der Mann die zwei in Liechtenstein besucht hatte, folgte die Heirat mit der Tochter. Nach wenigen Monaten allerdings kam es bereits zur Scheidung. Es habe unter anderem gekriselt, weil sich die Tochter einer Hormonbehandlung unterzog und sich auf eine Geschlechtsumwandlung vorbereitete. Der Liebeskummer trieb den Albaner schliesslich in die Arme seiner Schwiegermutter, wo er während der Scheidung Trost gesucht habe. Doch schon zuvor kam es zu ungewöhnlichen Aktionen: So waren Mutter und Schwiegersohn etwa gemeinsam auf Urlaub, ohne die Tochter. Zwischen den beiden jugen Eheleuten habe es auch wenig Zärtlichkeiten gegeben. Wie die angeklagte Tochter jedoch am Mittwoch vor Gericht aussagte, sei sie einfach nicht der Typ dafür. Sie fühle sich beobachtet, wenn sie vor Fremden küsst, und tausche Zärtlichkeiten lieber ungestört im privaten Rahmen aus.

Den Standesbeamtinnen, die am Mittwoch als Zeuginnen geladen waren, kam die Geschichte jedenfalls "spanisch" vor. Auch die Schweizer Botschaft habe Hinweise auf eine Scheinehe geliefert. Dies wurde auch dem Ausländer- und Passamt gemeldet, welches aber keine Einwänder erhob. Und so bereiteten die Standesbeamtinnen die Ehe vor. Dabei hätten sie vor allem mit der Mutter Kontakt gehabt, die Tochter sei erst zur Eheverkündung erschienen. Bei der Trauung habe sie den Blickkontakt vermieden und gezittert - auch da seien keine Zärtlichkeiten zwischen den Trauleuten ausgetauscht worden. Die introvertierte Tochter begründete dies damit, dass sie ein Nervositätsproblem habe. Sie würde ihre Mutter auch beim Vereinbaren von Arzt- oder Friseurterminen darum bitten, dies für sie zu übernehmen.

In dem Fall gab es einige Indizien, die den Verdacht einer Scheinehe nähren. Und doch kamen beim Richter Zweifel auf, als er die Zeugen vernahm. So habe etwa die Ex-Partnerin der Tochter, welche beinahe eine eingetragene Partnerschaft mit der Angeklagten eingegangen wäre, ausgesagt, dass die Tochter nach der Trennung von ihrem albanischen Ehemann sehr unter Liebeskummer gelitten habe. "In dubio pro reo" - im Zweifel für den Angeklagten - bewegte den Richter schliesslich zum Freispruch der drei Angeklagten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

(df)

Teile diesen Artikel mit deinen Freunden

Nächster Artikel
Vermischtes
Liechtenstein|vor 2 Stunden
Bürgergenossenschaft Mauren: Ein Antrag sorgte für Aufregung
Volksblatt Werbung