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Liechtenstein|25.01.2018 (Aktualisiert am 27.01.18 01:34)

Jägerschaftspräsident: «Wir sind auf Kurs, doch die Her­aus­for­de­rungen bleiben gross»

SCHAAN - Die Erfüllung des Abschussplans 2017 ist ein positives Signal für die Waldverjüngung. Der Präsident der Liechtensteinischen Jägerschaft, Michael Fasel, erklärt, warum ein früher Wintereinbruch gut für die Jagd ist und weshalb sich Liechtenstein in Sachen Nachwuchsjäger glücklich schätzen kann.

SCHAAN - Die Erfüllung des Abschussplans 2017 ist ein positives Signal für die Waldverjüngung. Der Präsident der Liechtensteinischen Jägerschaft, Michael Fasel, erklärt, warum ein früher Wintereinbruch gut für die Jagd ist und weshalb sich Liechtenstein in Sachen Nachwuchsjäger glücklich schätzen kann.

«Volksblatt»: Herr Fasel, nachdem die Abschüsse 2016 beim Hirschwild nicht erfüllt werden konnten , haben die Liechtensteiner Jäger den Abschussplan 2017 grösstenteils erfüllt – ja, zum Teil sogar übertroffen. Wie kommt das?

Michael Fasel: Die geforderten Abschusszahlen sind enorm hoch und gehen über das hinaus, was man als «normale» Jagd bezeichnen würde. Der Jagderfolg steht und fällt deshalb vor allem beim Hirschwild mit dem Wintereinbruch. Je früher der Winter kommt, desto besser sind die Jagdbedingungen. Denn sobald es kalt wird, begibt sich das Wild in tiefere Lagen. Und die Tiere sind vermehrt in Bewegung. 2016 war dies nicht der Fall, 2017 schon.

Bei welcher Wildart gestaltet sich die Regulierung des Bestandes am schwierigsten?

Foto: SSI

Eindeutig beim Rotwild, denn es bewegt sich sehr weiträumig und wandert über die Landesgrenzen hinaus. Zwar sind wir auf Kurs, doch die Herausforderungen bleiben gross. Eine effektive Regulation bedingt einerseits, dass die Liechtensteiner Jäger revierübergreifend zusammenarbeiten, was auch bestens funktioniert. Andererseits müssten wir die Zuwanderung des Rotwildes aus Vorarlberg in den Griff bekommen – und das ist nicht leicht.

Warum nicht?

Das Pachtsystem in Österreich ist anders als bei uns. Die Grundbesitzer dort haben grundsätzlich ein Interesse daran, viel Rotwild im Revier zu haben, weil sie dadurch höhere Pachtzinsen erhalten. Klar, auch in Österreich gibt es Schutzwälder, die dann auch entsprechend stark bejagt werden. Ausgerechnet im Samina- und Gamperdonatal, die an Liechtenstein grenzen, ist dies jedoch kaum der Fall, weil diese schwach besiedelt sind. So ist Waldverjüngung dort weniger ein Thema und hohe Rotwildbestände sogar gewünscht. Dieser Umstand erhöht durch die Einwanderung aber auch unsere Bestände. Das zu ändern ist sehr schwierig. Für uns Jäger heisst das: Den Rotwildbestand durch intensive Bejagung in den Griff zu bekommen.

Das haben Sie 2017 geschafft. Nicht erfüllt wurde die Vorgabe beim Gamswild. Wie verhält es sich dort?

Die Vorgabe wurde leicht unterschritten, das stimmt. Hierbei ist es jedoch wichtig zu wissen, dass bei den Gämsen der Zielwildbestand von 600 Stück im Sommer eigentlich bereits erreicht ist. Anders als beim Rotwild müssen wir den Bestand also nicht reduzieren, sondern unter Kontrolle halten. Generell ist das Gamswild – wie auch das Rehwild – einfacher zu jagen. Sie besiedeln kleinere Gebiete. Die Zuwanderungsproblematik haben wir dort nicht. Unser Hauptaugenmerk liegt dabei auf denjenigen Gämsen, die sich ganzjährig im Wald aufhalten. Da wollen wir noch etwas stärker eingreifen.

Sie sind Jäger, Biologe, Tierfreund. Müssen die Tiere denn wirklich erschossen werden? Es gibt ja auch den Ansatz, das Wild im Winter zu füttern, damit es sich nicht an den jungen Bäumen gütlich tut.

Eine intensive Winterfütterung, wie sie bis 2004 praktiziert wurde, hat sich nicht bewährt. Durch die Fütterung sammelte sich viel Wild an einem Ort. Dort gab es dann extreme Schäden am Wald. Die Fütterung verhindert auch, dass die Tiere in den «Wintermodus» wechseln. Im Winter fährt das Wild den Energiebedarf nach unten, wodurch es weniger Nahrung benötigt. Das funktioniert aber nur, wenn die Wildtiere im Winter Ruhe haben und in ihrem reduzierten Stoffwechselzustand nicht gestört werden. Andernfalls schraubt sich der Energiebedarf schlagartig nach oben, die Tiere benötigen wieder mehr Energie und holen sich diese grossteils an der Waldvegetation.

Es gibt ein «Notfütterungskonzept» der Regierung. Was möchte man damit erreichen?

Die sogenannte «Notfütterung» im Berggebiet hat sich bewährt. An verschiedenen Orten werden z. B. Bergheuflächen von den Jägern wieder gemäht und in Form eines Schochens dem Wild angeboten. Die abgezäunten Heuschochen werden für das Wild geöffnet, wenn sehr strenge Winterverhältnisse eintreten. Aus-serdem hat das auch eine Auswirkung auf die gesamte Biodiversität, weil die Artenvielfalt durch das Heuen enorm gesteigert wird.

Spaziergänger, Mountainbiker, Tourenskifahrer – von ungestörtem Wild kann doch keine Rede sein.

An manchen Orten ist das effektiv ein Problem. Insbesondere dort, wo Wege durch den Wald führen. Solange der Mensch auf diesen Wegen bleibt, besteht kaum ein Problem. Sobald man von den Wegen abweicht, stört man das Wild womöglich, ohne dies selbst zu bemerken. Sehr negativ wirken sich z. B. Biker oder Jogger aus, die sich querfeldein durch den Wald bewegen oder dies in der Nacht tun. Hunde gehören in Waldnähe zudem immer an die Leine – auch ausserhalb der Jagdsaison. Wir erleben es immer wieder, dass ein «ganz braver Hund, der nichts tut», dann eben doch ein Rehkitz oder ein Hirschkalb reisst oder das Wild hetzt.

Wäre hier nicht der Gesetzgeber gefragt?

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(ds)

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