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DU-Chef Harry Quaderer: "Wir sind ein etwas chaotischer Verein." Das Foto stammt vom Wahlsonntag, am 5. Februar 2017. DU hatten einen Sitz dazugewonnen. (Foto: hm)
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Liechtenstein|14.06.2017 (Aktualisiert am 14.06.17 14:10)

Kommentar: Chaotischer Verein

SCHAAN - Anlässlich des Parteitages der Unabhängigen (DU) nahm Partei-Chef Harry Quaderer am Dienstag gegenüber Radio L Stellung. Insbesondere eine Aussage wollte "Volksblatt"-Chefredaktorin Doris Quaderer nicht unkommentiert stehen lassen:

DU-Chef Harry Quaderer: "Wir sind ein etwas chaotischer Verein." Das Foto stammt vom Wahlsonntag, am 5. Februar 2017. DU hatten einen Sitz dazugewonnen. (Foto: hm)

SCHAAN - Anlässlich des Parteitages der Unabhängigen (DU) nahm Partei-Chef Harry Quaderer am Dienstag gegenüber Radio L Stellung. Insbesondere eine Aussage wollte "Volksblatt"-Chefredaktorin Doris Quaderer nicht unkommentiert stehen lassen:

Kommentar von Doris Quaderer:

"Irgendwie kann ich ja verstehen, dass der DU-Chef Harry Quaderer nicht gerne Interviews gibt. Gibt er eins, dann besteht nämlich die Gefahr, dass ihm gewisse Aussagen um die Ohren fliegen. So kann man auch seine gestrigen Aussagen auf Radio L kaum unkommentiert lassen, zu steil ist die Vorlage. Harry Quaderer räumte ein, dass bei den Unabhängigen auch fünf Jahre nach der Gründung nicht alles reibungslos läuft: «Früher oder später müssen wir sicher über die Bücher. Ich muss es offen und ehrlich sagen, wir sind ein etwas chaotischer Verein, es läuft nicht alles so wie bei einem anderen Verein, wir haben auch nicht das Personal, das wir vielleicht haben sollten. Im Moment scheint alles noch zu funktionieren. Aber wir müssen offen sein für neue Ideen», sagte Quaderer wörtlich. Nun, mittlerweile sollte der Welpenschutz eigentlich vorbei sein. Es darf von einer Partei erwartet werden, dass sie sich fünf Jahre nach der Gründung und nach vier Jahren im Landtag einigermassen formiert hat. Schliesslich kassiert die Partei Fördergelder vom Staat und das nicht wenig: So erhält jede Partei pauschal 55 000 Franken vom Staat. Dazu kommt noch ein Anteil, der prozentual zum Wahlergebnis berechnet wird. Das wären dann nochmals 130 640 Franken. Zusätzlich bekommt jede Fraktion noch einen Betrag von 10 000 Franken, dazu kommen noch 5000 Franken pro Abgeordneten. Das sind dann nochmals 35 000 Franken für die Fraktion.

220 640 Franken vom Staat

In Summe kassieren also Partei und Fraktion vom Staat eine Summe von 220 640 Franken. Dazu kommen noch die Bezüge der einzelnen Abgeordneten. Jeder ordentliche Abgeordnete erhält 20 000 Franken pauschal plus Sitzungsgelder (Kommissionen usw.). Je nach «Aktivität» in Landtagssitzungen – also Häufigkeit der Teilnahme oder Übernahme von Kommissionen, kommt ein Landtagsabgeordneter im Jahr auf einen Lohn zwischen 40 000 und 45 000 Franken. Ein stellvertretender Abgeordneter bekommt eine Pauschale von 10 000 plus Sitzungsgelder. Je nach Häufigkeit des Einsatzes kommen hier zwischen 15 000 und 25 000 pro Jahr zusammen. Wenn Harry Quaderer von einem «chaotischen Verein» spricht, dann redet er nicht von einem Boccia-Club oder einem Hobby-Männerkochverein, sondern von der drittstärksten Partei des Landes. Diese wird mit Steuergeldern sehr gut ausgestattet, um ihre wichtige Aufgabe in diesem Staat wahrzunehmen. Da dürften die Steuerzahler und Wähler dann auch eine gewisse Professionalität erwarten – und zwar sowohl politisch als auch im Umgang mit den Medien. Schliesslich sind es genau die Unabhängigen, die rundherum so ziemlich allen Misswirtschaft und Steuergeldverschwendung vorwerfen. Vielleicht sollten sie den Scheinwerfer mal auf die eigenen Reihen richten? Und die anderen Parteien müssten sich fragen, was eigentlich schiefläuft, dass sie sich von einem «Chaotenverein» die Sitze abjagen lassen.

Kontaktieren Sie die Autorin des Kommentars unter dquaderer@volksblatt.li

(dq)

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