Sport
Liechtenstein|27.05.2021 (Aktualisiert am 27.05.21 17:32)

Stellungnahme des FC Vaduz

VADUZ - Der Vorstand und der Verwaltungsrat des FC Vaduz sieht sich gezwungen, aufgrund des in der Print-Ausgabe vom 27. Mai 2021 des «Liechtensteiner Vaterland» publizierten Gastkommentars «Ansichten» von Reinhard Walser Stellung zu nehmen.

VADUZ - Der Vorstand und der Verwaltungsrat des FC Vaduz sieht sich gezwungen, aufgrund des in der Print-Ausgabe vom 27. Mai 2021 des «Liechtensteiner Vaterland» publizierten Gastkommentars «Ansichten» von Reinhard Walser Stellung zu nehmen.

In dem Gastkommentar unter der Rubrik "Ansichten" gab der ehemalige FCV- und LFV-Präsident Reinhard Walser dem Klubverantwortlichen und dem Hauptsponsor nach der seiner Meinung nach "zutiefst traurigen Saison" ein paar gut gemeinte Tipps. Dies veranlasste den Vorstand des FC Vaduz und den Verwaltungsrat des FC Vaduz-Lie AG zu einer Stellungnahme. Nachstehend die Stellungnahme.

Grundsätzlich stehen wir klar für eine freie Meinungsäusserung. Jeder darf, ja soll seine eigene Meinung haben. Gerade auch im Sport, und insbesondere im Fussball, gehört es dazu, emotional über Geschehnisse rund um einen Club zu diskutieren. Doch leider wurde nun zum wiederholten Male versucht, den FC Vaduz mit diversen Anschuldigungen und Unwahrheiten in ein negatives Licht zu rücken. Wir sind nicht kritikresistent, sondern stellen uns gerne den Herausforderungen, allerdings auf eine andere Art und Weise.

Bereits nach dem Gastkommentar von Reinhard Walser vom 12. September 2019 im «Liechtensteiner Vaterland» boten wir einen persönlichen Austausch an, damit Kritik und Verbesserungsvorschläge in einem ordentlichen Rahmen angebracht und Unwahrheiten aus dem Weg geräumt werden können. Wir sprechen uns für einen offenen, kritischen Dialog aus und sehen uns nicht als allwissend an. Den direkten Austausch wollte man damals wie heute nicht. Man wählt den öffentlichen und unpersönlichen, vielleicht aber eben auch einfacheren Weg. Wir möchten deshalb einige Punkte richtigstellen und ausführen, werden aber in Zukunft auf weitere öffentliche Äusserungen in dieser Sache verzichten. Das Angebot zum persönlichen Austausch steht indes immer noch.

1. Es wird kein einzig gutes Wort über den FC Vaduz verloren, von einer «zutiefst traurigen Saison» ist die Rede. Die unzählig tollen Momente und die vielen positiven Rückmeldungen, sei es von den Medien, Liga-Konkurrenten, Funktionären, Sponsoren und Partner, Gönnern sowie Vereinsmitgliedern und natürlich unseren Fans werden einfach ignoriert und totgeschwiegen. Wir fragen uns deshalb schon, wie «volksnah» solche Äusserungen zu verstehen sind und in der Öffentlichkeit publiziert werden. Unzufriedene Personen gibt und wird es auch immer geben, nicht nur im Fussball. Diese Tatsache ist – gerade auch in der heutigen Zeit – sehr traurig, da es weitaus grössere Probleme als den FC Vaduz gibt.

2. Beim Beruf des «Fussballprofis» spricht man auch von sogenannten Fachkräften. Viele Liechtensteiner Betriebe sind auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen, konzentrieren sich aber bei der Rekrutierung vorerst auf den Liechtensteiner Arbeitsmarkt. Wir haben uns ganz klar dafür ausgesprochen, unsere Fachkräfte mit regionalem Fokus zu rekrutieren, wobei die Spieler neben der sportlichen Qualität vor allem auch menschlich zu den Werten des FC Vaduz passen müssen.

Nur so war und ist es möglich, mit den begrenzten Mitteln im Profisport einen solchen sportlichen Erfolg wie zuletzt zu erzielen. Wir stehen in ständigem Kontakt mit dem LFV und würden es sehr begrüssen, wenn mehr FL-Spieler den Weg in die 1. Mannschaft finden würden. Aber man muss hier einfach auch der Realität ins Auge schauen. Viele aktuelle FL-Nationalmannschaftspieler sind auch in der 1. Liga nicht Stammspieler oder finden nach ihrem Engagement beim FC Vaduz keinen Zugang mehr zum professionellen Fussball. Die erwähnten FL-Spieler Aron Sele, Jens Hofer und Maxi Göppel spielen seither in der 1. Liga classic oder tiefer.

Im Gegenzug werden wir im Bericht kritisiert, zu wenige FL-Nationalspieler im Team in der Challenge oder Super League zu haben. Dies geht am Ende nicht ganz auf. Gemäss einer Studie des SFV schaffen von 15000 jungen Fussballern etwa 15 den Einstieg in den Profifussball, sprich pro 1000 Spieler je ein einziger. Bezogen auf die erwähnten «aussortierten» Nationalspieler möchten wir gerne korrekterweise anmerken, dass die Spieler Nicolas Hasler sowie Dennis Salanovic in dieser Saison nicht beim FC Vaduz unter Vertrag standen und deshalb auch nicht aussortiert werden konnten. Im Gegenteil: FL-Spieler Nicolas Hasler, der seit 1 ½ Jahren beim FC Thun spielt, hat ein Vertragsangebot für die neue Saison beim FC Vaduz abgelehnt, was es für den FC Vaduz zu akzeptieren gilt.

3. Wir beim FC Vaduz führen mit der 2. Mannschaft die letzte Ausbildungsstufe im Liechtensteiner Spitzenfussballkonstrukt, der Unterbau von der FE12 bis zur U18 wird vom LFV organisiert. Im letzten Sommer konnten wir trotz Aufstieg in die Super League drei Spieler aus der 2.-Liga-Regional-Mannschaft mit einem Profivertrag ausstatten. Dass diese Spieler nicht aus Vaduz oder Schaan, sondern aus Flums und Walenstadt kommen, ist ein Indiz dafür, dass wir sehr wohl junge, regionale Talente aus der Ausbildungsschmiede des LFVs fördern. Der der FL-Pass bedeutet keinen Frei-Pass, was auch nicht im Sinne einer gesunden sportlichen Förderung und Entwicklung junger FL-Fussballer ist. Diese Eigenschaft – vielfach auch Mentalität genannt – sollte gerade auch in Liechtenstein Gewichtung erhalten und ist für die Spieler für das spätere Durchsetzungsvermögen mitentscheidend. Die Aussage, dass «Millionen (…) in die Hosentaschen der ausländischen Spieler fliessen», ist reine Stimmungsmache.

4. Der FC Vaduz muss sich in Sachen Fanzahlen nicht mit Clubs wie St. Gallen oder YB messen, sondern mit Vereinen in der gleichen Grössenordnung. Dazu gilt es, die Rahmenbedingungen des FC Vaduz zu berücksichtigen. Als FL-Verein stossen wir durchaus auf überregionales Faninteresse. Aber es ist uns bewusst, dass wir hier als noch «junger» Profiverein (Aufstieg Nati B im Jahr 2001) Potential aufweisen und im Fanbereich arbeiten müssen. Auch möchten wir den Kontakt zu ehemaligen Spielern, Funktionären oder Gönnern/Sponsoren weiter ausbauen und haben einige Projekte in Planung, welche hoffentlich Corona-bedingt baldmöglichst durchgeführt werden können.

5. Unser Modell mit einem Geschäftsführenden Präsidenten ist nichts Neues und hat sich bislang so beim FC Vaduz sehr bewährt. Gerade auf VR- und Vorstandsebene konnten viele Synergien geschaffen werden und der konstruktive Meinungsaustausch wird gelebt. Es gibt ein klares Kompetenz- und Organisationsreglement, weshalb es die Anschuldigung einer Alleinherrschaft beim FC Vaduz klar abzuweisen gilt. Dem Teamgedanken und der klaren Aufgabenverteilung wird eine starke Beachtung geschenkt und widerspielgelt sich innerhalb des Vereins wieder.

6. Unsere Nachwuchsabteilung ist wie auch jene der anderen FL-Fussballvereine auf die Förderung im Breitenfussball ausgelegt. Der Spitzenfussball ab Stufe FE12 wird wie bereits erwähnt vom LFV übernommen. Dass die Nachwuchsabteilung beim FC Vaduz schlecht wäre aufgrund dessen, dass kein ehemaliger FC-Vaduz-Junior einen Stammplatz beim FC Vaduz hat, sehen wir als aus der Luft gegriffen an. Unser Verein leistet analog den anderen Vereinen seinen wichtigen Beitrag in der Nachwuchsförderung, nicht mehr und nicht weniger. Die gesamte Nachwuchsabteilung um Vorstandsmitglied (und Vaduzer) Lorenz Gassner arbeitet mit viel Herzblut daran, den Kindern und Jugendlichen eine tolle und sinnvolle Freizeitbeschäftigung anbieten zu können. Mit Sandro Wieser, Ferhat Saglam und Justin Ospelt stehen aktuell sogar drei ehemalige Vaduzer Junioren im Kader der 1. Mannschaft, was unter den oben erwähnten Bedingungen eine erfreuliche Tatsache darstellt, aber kein Bewertungskriterium der Nachwuchsarbeit darstellen darf.

Zudem konnten wir mit der Gründung der 3. Mannschaft unter der Federführung unseres Vorstandsmitglieds (und Vaduzer) Florian Meier einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des Vereinslebens und der Vereinsbindung beitragen und für die bessere Durchlässigkeit innerhalb des Vereins sorgen.

7. In den Vereinsstatuten werden unsere Vereinsfarben Rot-Weiss aufgeführt, was sich in unserem Vereinswappen widerspiegelt. Dass unser Heimtrikot in den letzten Jahren nur einfarbig Rot war, stellt in keiner Weise ein Affront gegen unsere Wurzeln oder die Gemeinde Vaduz dar (Anmerkung: der Auftritt von Erlebe Vaduz ist einfarbig Rot). Die erwähnten «Muster-Beispiele» FC Bayern München (Vereinsfarben Rot-Weiss, Heimtrikot einfarbig Rot) oder FC Zürich (Vereinsfarben Blau-Weiss, Heimtrikot einfarbig Weiss) zeigen, wie vielfältig die Vereinsfarben in der Auswahl der Trikots wiedergegeben werden können. Vielfach ist auch auf unserem Niveau eine komplette Entscheidungsfreiheit bei der Trikotauswahl ausrüsterbedingt gar nicht gegeben. Dass der FC-Vaduz-Vorstand deshalb als «dumm und respektlos» dargestellt wird, können wir so nicht stehen lassen. Im Gegenteil: die Zusammenarbeit mit der Gemeinde sowie den Mitarbeitenden der Gemeinde erachten wir als sehr konstruktiv und kollegial.

8. Mit der MBPI AG besitzt der FC Vaduz einen langjährigen und verlässlichen Partner, ohne diesen das Thema Profifussball in Liechtenstein überhaupt nicht möglich wäre. Einem langjährigen Funktionär des FC Vaduz und des LFVs sollte klar sein, dass auch der LFV von dieser Unterstützung profitiert – somit der Slogan «Von Liechtenstein – für Liechtenstein» nicht eine «leere Worthülse» darstellt, sondern auch umgesetzt wird. Es ist in keinster Weise selbstverständlich, einen solch treuen Partner an der Seite zu haben, der sich mittlerweile komplett aus den operativen Tätigkeiten des Vereins zurückgezogen hat. Nochmals: mit unserem Konstrukt sollen weiterhin talentierte Liechtensteiner und regionale Fussballspieler einen verbesserten Zugang zum Profifussballer erhalten und sie durch das gemeinsame Talentmanagement mit dem LFV begleitet und unterstützt werden. Es gibt keinen anderen Profiverein in der Schweiz, bei welchem die Türen vom Amateur- (2. Liga regional) in den Profibereich so weit offenstehen wie beim FC Vaduz.

Der FC Vaduz gehört heuer seit genau 20 Jahren der Swiss Football League und somit dem Schweizer Profifussball an. Seither hat sich die Aussendarstellung des Vereins ständig verbessert, die Rahmenbedingungen wurden professionalisiert und die Anforderungen sind gestiegen. In dieser Saison hat der FC Vaduz im In- und Ausland für viele positive Schlagzeilen gesorgt. Daneben war der FC Vaduz mit seinem Gesamtauftritt ein toller Botschafter der Gemeinde Vaduz, von Liechtenstein sowie der gesamten Region. Auch für die Sponsoren und Partner durften wir eine tolle, wenn auch Corona-bedingt reduzierte Werbeplattform darstellen. Gerade auch die Bodenständigkeit und der eingeschlagene Weg wurden dabei ständig hervorgehoben und mit viel Sympathie begegnet. Darauf dürfen wir auch stolz sein!

Mit einem Liechtensteiner Cheftrainer, einem Liechtensteiner Sportchef und vielen Mitarbeitern aus Liechtenstein und der Region kommt der lokale Aspekt sicherlich auch nicht zu kurz. Diesen Erfolg und die äusserts positive Arbeit lassen wir uns nicht kaputt reden, auch nicht von einem verdienten, ehemaligen Verbands- und Vereinspräsidenten sowie Ehrenmitglied des FC Vaduz. Es liegt viel Arbeit vor uns und wir haben weiterhin Verbesserungspotential. Diesen Aufgaben werden wir uns auch in Zukunft mit viel Freude, Engagement und Bodenständigkeit stellen.

Der Vorstand des FC Vaduz
Der Verwaltungsrat der FC Vaduz-Lie AG

(js)

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