Volksblatt Werbung
Nach der schwierigen letzten Saison bei YB startet Milan Gajic mit neuer Motivation in die Aufgabe in Vaduz. (Foto: MZ)
Sport
Liechtenstein|19.07.2017

FCV: Gajic hat wieder Freude an seinem Job

VADUZ - In Bern aussortiert, in Vaduz einer der Hoffnungsträger für den Wiederaufstieg: Es folgt die Geschichte von Milan Gajic, dem talentierten Fussballer, der schon gegen Real Madrid spielte, zuletzt aber nur auf den Stadiontribünen schmorte.

Nach der schwierigen letzten Saison bei YB startet Milan Gajic mit neuer Motivation in die Aufgabe in Vaduz. (Foto: MZ)

VADUZ - In Bern aussortiert, in Vaduz einer der Hoffnungsträger für den Wiederaufstieg: Es folgt die Geschichte von Milan Gajic, dem talentierten Fussballer, der schon gegen Real Madrid spielte, zuletzt aber nur auf den Stadiontribünen schmorte.

Wenn es so etwas wie ein Vaduzer Transferklassiker der letzten Jahre gibt, dann ist jener von Milan Gajic ein Paradebeispiel. Alle Kriterien dafür sind erfüllt: Er war bei seinem letzten Club (den Young Boys) zuletzt nicht mehr erste Wahl. Er kostet nichts, weil der Vertrag ausgelaufen oder aufgelöst ist. Und er möchte seine einst erfolgreiche Karriere mit dem Wechsel zu einem kleineren Verein, wie der FCV, wieder neu lancieren. Weitere Exempel gab es in den letzten Jahren zuhauf: Marco Mathys, Moreno Costanzo, Philipp Muntwiler, Stjepan Kukuruzovic, um nur ein paar zu nennen.

Von den jungen Wilden überholt

Jetzt ist also auch Milan Gajic in Vaduz. Ein guter Kicker, wie er alleine in jenen 45 Minuten unter Beweis stellte, in denen er bislang für den FCV auflief – im Hinspiel gegen den Odds BK in der Europa-League-Quali. Doch dass der 30-jährige Serbe mittlerweile im Rheinpark-Stadion aufläuft – und nicht mehr in der höchsten Schweizer Spielklasse oder gar in der Champions League, dass hängt in erster Linie mit seinem schwierigen letzten Jahr bei den Young Boys zusammen. Genau wie Namensvetter Milan Vilotic passte Gajic nicht ins (Pressing-)System von YB-Trainer Adi Hütter. Der Vorarlberger Coach hielt mehr von den jungen Wilden. Von Spielern wie Leonardo Bertone (23), Michel Aebischer (20) und dem kürzlich zu Borussia Mönchengladbach abgewanderten Denis Zakaria (20). Sie alle standen in der Hierarchie plötzlich über Gajic. Auch in Sékou Sanogos (28) Spielanlagen ortete Hütter mehr Dynamik.

Gajic, ein smarter, spielerisch starker Fussballer, wurde regelrecht überholt. Fehlende Schnelligkeit und Zweikampfstärke seien ihm womöglich zum Verhängnis geworden, werweissten Berner Experten damals. Vom Leistungsträger zur Nummer fünf im zentralen Mittelfeld: Der Fall des feinen Technikers war tief.

Hütter hatte Gajic seinen Entscheid im letzten September klipp und klar mitgeteilt, eröffnete ihm ehrlich, dass er in Zukunft nicht mehr wirklich eine Rolle im Mannschaftsgefüge spielen werde. YB musste auf Forderung des Clubbesitzers Andy Rihs sparen, setzte in diesem Zusammenhang noch mehr auf jüngere Spieler.

«Natürlich war ich enttäuscht, als ich erfuhr, dass ich nur noch auf der Tribüne sitzen werde», sagt Gajic heute. Er erklärt, er habe diesen Entscheid «halt akzeptieren müssen», doch er gibt auch zu: «In solch einer Situation kommst du nicht mehr mit der gleichen Motivation ins Training.»

Vom Milan-Tor und Youtube-Filmen

Vor seiner Degradierung war Gajic in Bern ein Schlüsselspieler. Fredy Bickel, der Vorgänger des aktuellen YB-Sportchefs Christoph Spycher, hielt grosse Stücke auf dem talentierten Ballverteiler aus Serbien. Gajic lenkte das Spiel der Schweizer Hauptstädter, wies über mehrere Saisons starke Statistiken auf. Heute darf er von sich behaupten, über 100 Mal für YB auf dem Platz gestanden zu haben (je elf Tore und Assists).

Gajic hatte schweizweit den Ruf, ein ball- und passsicherer Stratege zu sein. Diese Qualitäten hatten zuvor auch schon der FC Luzern und der FC Zürich erkannt. Mit dem FCZ erlebte Gajic die bislang erfolgreichste Zeit seiner Karriere. Er spielte in der Champions League gegen Real Madrid, Olympique Marseille und Milan. Gegen die Italiener gelang ihm gar der Treffer zum 1:1-Endresultat. Noch heute schaut er sich auf Youtube gerne Sequenzen von jenen Spielen an. «Ja, manchmal mache ich das», sagt Gajic mit einem Lachen.

So fröhlich ist er auch endlich wieder auf dem Fussballplatz. Beim FCV hat er die Freude am Job wiedergefunden, genauso wie Motivation und Ambition: Er will in der EL-Quali weiterkommen. Und zur Meisterschaft sagt er: «Wir müssen unbedingt gleich wieder aufsteigen!»

Mehr dazu lesen Sie im „Volksblatt“ vom Mittwoch (19.07.2017).

(mp)

Teile diesen Artikel mit deinen Freunden

Nächster Artikel
Sport
Liechtenstein|gestern 21:30
Puljic-Abschied: Karriereende oder «nahe an Luzern»
Volksblatt Werbung