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Foto: Michael Zanghellini
Sport
Liechtenstein|11.05.2017

Contini in der neuen, grünweissen Welt

ST. GALLEN - Rund zwei Monate nach der Trennung vom FC Vaduz hat Giorgio Contini beim FC St. Gallen eine neue Aufgabe gefunden. Und wie es der Spielplan will, feiert der neue Cheftrainer der Espen am Samstag (20 Uhr) ausgerechnet gegen Vaduz sein Heimdebüt im Kybunpark. Das «Volksblatt» traf ihn davor zum Gespräch.

Foto: Michael Zanghellini

ST. GALLEN - Rund zwei Monate nach der Trennung vom FC Vaduz hat Giorgio Contini beim FC St. Gallen eine neue Aufgabe gefunden. Und wie es der Spielplan will, feiert der neue Cheftrainer der Espen am Samstag (20 Uhr) ausgerechnet gegen Vaduz sein Heimdebüt im Kybunpark. Das «Volksblatt» traf ihn davor zum Gespräch.

«Endlich haben wir einen neuen Trainer!» Als Giorgio Contini nach dem gestrigen Training zurück in die Kabine läuft, rauscht von rechts ein Junge herbei. Er schüttelt dem neuen St. Galler Cheftrainer die Hand und wünscht «viel Glück». Es ist nicht die einzige derartige Szene, die sich auf dem Weg vom Trainingsplatz zurück in den Kybunpark ereignet. Contini kommt kaum vorwärts, überall muss er Autogramme schreiben, für Fotos posieren oder eben Hände schütteln. Grund für diesen immensen Aufmarsch an Anhängern von jung bis alt ist der CS-Schülercup, der auf der Gündenmoosanlage ausgetragen wird. Hunderte junge Kicker stehen beim Nachwuchsturnier im Einsatz. Und wenn sie gerade Pause haben, dann umsäumen sie den Platz, auf dem die Profis trainieren.

Das «Volksblatt» hat Giorgio Contini an seiner neuen Wirkungsstätte zum Interview getroffen:

«Volksblatt»: Giorgio Contini, Sie sind zurück im Rampenlicht der Super League. Wie geht es Ihnen dabei?
Giorgio Contini: Sehr gut. Ich habe die Auszeit genutzt, um ein wenig Abstand zum Fussball zu gewinnen. Ich habe das Ganze aus der Ferne betrachtet – bis vor einer Woche eine neue Herausforderung gekommen ist. Und diese ist natürlich eine ganz schöne.

Wie haben Sie diese letzten zwei Monate nach Ihrer Trennung vom FC Vaduz erlebt?
Ich habe es geschätzt, Zeit für die Kinder, die Familie und Freunde zu haben. All dies kommt im Fussballerleben meist zu kurz, weil die Wochenenden immer besetzt sind. Und ich habe mich viel mit meinen Trainerkollegen im In- und Ausland ausgetauscht. Auch die eine oder andere Reise war geplant, was jetzt natürlich nicht mehr möglich ist.

Hätten Sie in der Zwischenzeit auch andere Angebote annehmen können?
Ja, es ist sicher so, dass ich bei der einen oder anderen Anfrage abgesagt habe, weil mir der Zeitpunkt nicht richtig erschien. Man muss in solchen Phasen auch immer den Markt ein bisschen evaluieren. Als dann der FC St. Gallen auf mich zukam, hat es für mich gepasst.

Vaduz hatte zuletzt einige herbe Rückschläge zu verkraften: Da war viel Pech dabei, viel Unvermögen vor dem Tor – und es gab auch einige umstrittene Schiedsrichterentscheide. Sind Ihnen diese aufwühlenden Spiele auch nahegegangen?
Natürlich sind sie mir nahe gegangen! Ich war bis zum Schluss meiner Tätigkeit in Vaduz davon überzeugt, dass diese Mannschaft die Qualität hat, um in der Super League zu bleiben. Dass man in Liechtenstein immer wieder mal mit schwierigen Schiedsrichterentscheidungen leben muss, dass kennen wir ja schon aus den letzten Jahren. Auch ich hatte es immer wieder mal thematisiert. Ich erinnere mich etwa noch an ein Spiel in Basel, als Verteidiger Pavel Pergl einen Penalty verursachte, obwohl er etwa zwei Meter ausserhalb des Strafraums stand. Es ist sicher so, dass es im Abstiegskampf, wenn man eigentlich gut spielt und Punkte bräuchte, extrem ärgerlich ist.

Letzte Woche hatte Ihre Pause vom Fussballgeschäft ein Ende, Sie wurden am Donnerstag als neuer Trainer vorgestellt. Wie kam der Job beim FCSG zustande?
Sportchef Christian Stübi und Präsident Dölf Früh hatten mich am Dienstag angerufen und mich gefragt, ob wir nicht einmal zusammensitzen könnten, um ein paar Ideen auszutauschen. Sie wollten wissen, wie ich die Situation beurteile und was ich mit meiner Philosophie und bewegen könnte. Daraufhin haben wir uns ziemlich intensiv damit auseinandergesetzt, auch was das Vertragliche anbelangt. Wir hatten dann den ganzen Mittwoch, um uns zu finden. Am Abend war dann alles geklärt.

Das ging sehr schnell. Da muss Vieles gleich gestimmt haben.
Ja. Wir kannten ja die Ausgangslage. Weil ich aus der Region bin und früher für diesen Club gespielt habe, war es klar, dass mir der FC St. Gallen sehr nahe ist. Der Verein ist mir immer in guter Erinnerung geblieben. Dass ich nun die Chance habe, ihn mitzuprägen, freut mich riesig.

In Vaduz hatten Sie über Jahre hinweg schöne Erfolge gefeiert. Was hat am Schluss doch nicht mehr gepasst?
Gut, es ist wohl zu lange her, um noch einmal alles aufzurollen. Es war sicher so, dass wir im Guten auseinander gegangen sind. Es war ein guter Moment, um sich zu trennen. Man hat sich gegenseitig keine Vorwürfe gemacht, es gab keinerlei Streitereien. Im Gegenteil: Da war bis zum Schluss viel Respekt. Wir wussten, dass wir zusammen eine sehr erfolgreiche Vereinsgeschichte geschrieben hatten, die wohl so schnell nicht wiederholt wird. Wir haben die Situation dann trotzdem angesprochen und haben uns daraufhin getrennt. Es war der Zeitpunkt gekommen, für den Verein und für die Mannschaft, um neue Impulse zu setzen. Damit man einen Trainer holen kann, der auch über die Saison hinaus seine Ideen einbringt. Rückblickend hat der Zeitpunkt gepasst – und zwar für alle Parteien, wie ich glaube. Es ist niemand nachtragend.

Sie kennen den FCV aus Ihrer Vergangenheit bestens. Jetzt erhalten Sie Einblick in den FC St. Gallen. Die beiden Teams im Vergleich: Ist der FCSG momentan besser als Vaduz?
(Überlegt) Gemessen an den Leistungen, ist das schwierig zu beurteilen. Die Gegebenheiten in Vaduz kenne ich natürlich aus den letzten Jahren in- und auswendig. Ich weiss, wie die Jungs ticken und wie sie spielen. Meine Arbeit hat sich dort über lange Zeit erstreckt, was nun in St. Gallen natürlich noch nicht der Fall ist. Beim FCSG ist mit Sicherheit viel Potenzial da. Diese Mannschaft kann Fussball spielen, hat viel individuelle Qualität. Es ist einfach ein ganz grosser Apparat, mit vielen Einflüssen, vielen Fans und vielen Strömungen. Das ist der grosse Unterschied.

Dass die Kinder während den Trainings Ihren Namen rufen: Freut Sie das? Und bestätigen diese neue Erfahrungen Sie auch ein wenig in Ihrem nächsten Karriereschritt?
Ja, klar. Wir sind hier in einer fussballverrückten Region. Dieser Sport ist das A und O, viele denken in Grünweiss. Ich habe zahlreiche Nachrichten erhalten. Es ist eine gewisse Identifikation mit mir vorhanden, das freut mich natürlich. Deshalb versuche ich auch, authentisch und nahbar zu sein. Zu sehr auf Distanz zu gehen, liegt mir nicht. Ich begegne den Leuten lieber auf Augenhöhe.

Wie sehen Sie dem Druck entgegen, der mit dem Job als Trainer des FC St. Gallen immer einhergeht?
Wenn es so ist, wie jetzt – wenn alle sich freuen, dann ist alles natürlich einfacher. Aber ich kenne die Mentalität hier, es geht letztlich immer nur um die Sache und nicht um Personen. Man kann verlieren mit St. Gallen. Aber entscheidend ist, wie die Mannschaft auftritt, wie sie für diese Region spielt.

Zum Abschluss: Eine Serie wird am Samstag (20 Uhr) weitergehen. Entweder Sie als Trainer werden in dieser Affiche ungeschlagen bleiben – oder der FC Vaduz. Welche wird es sein?
(Schmunzelt) Das werden wir nach 90 Minuten wissen. Klar, ich werde alles dafür tun, dass sich die St. Galler Negativserie zum Guten wendet und dementsprechend meine persönliche weitergeht. Aber es wird keineswegs ein Selbstläufer werden, denn wir haben die letzten Auftritte des FC Vaduz und die Art und Weise, wie er unter dem neuen Trainer aufgetreten ist, natürlich registriert.

Das vollständige Interview lesen Sie im „Volksblatt“ vom Donnerstag (11.05.2017).

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Foto: Michael Zanghel­lini
(mp)

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