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Sport
Liechtenstein|20.01.2018 (Aktualisiert am 07.05.21 05:48)

«Ich habe lange Zeit einfach von meinem Talent gelebt»

Draufgänger - Der Schritt an die Spitze des Motocrosssports ist Luca Bruggmann nicht gelungen – zu gross waren die Hürden bisher. Schwerwiegende Verletzungen, fehlende finanzielle Mittel und der Gedanke, dass «Talent allein genügt», zwangen den 23-Jährigen dazu, seinen «Kindheitstraum», zu überdenken. Und trotzdem: Ganz abschreiben will er ihn noch nicht.

Draufgänger - Der Schritt an die Spitze des Motocrosssports ist Luca Bruggmann nicht gelungen – zu gross waren die Hürden bisher. Schwerwiegende Verletzungen, fehlende finanzielle Mittel und der Gedanke, dass «Talent allein genügt», zwangen den 23-Jährigen dazu, seinen «Kindheitstraum», zu überdenken. Und trotzdem: Ganz abschreiben will er ihn noch nicht.

«Der Landesmeister 2017 und Sieger des Superfinals heisst Luca Bru...», Laute Jubelschreie, Pfiffe und Applaus übertönen die Ansage im kleinen Festzelt auf der Motocrossstrecke Hälos in Triesen. Luca Brugmann hält kurz inne, geniesst den Moment, ehe er von seinem Platz aufsteht. Von hinten links, ganz in der Eckebahnt er sich den Weg nach vorn aufs Podest. Seine Augen funkeln, er lächelt, beim Vorbeigehen klatscht er die ausgestreckten Hände der jungen Athleten ab. Er wirkt entspannt, etwas müde, aber zufrieden.

In der Liechtensteiner Gemeinde Triesen ist Luca Bruggmann zu Hause. Nur ein paar Minuten von seinem Wohnhaus entfernt befindet sich die  Motocrossstrecke Hälos - es ist die Einzige im Fürstentum.


Es sind die Momente, die der 23-jährige Liechtensteiner abseits vom Wettstreit auf der Rennstrecke schätzt – «diese familiäre Atmosphä- re, das Miteinander und die vielen tollen Freundschaften, die sich mit den Jahren ergeben», schwärmt Bruggmann auch noch zwei Wochen nach seinem Triumph. Ganz entspannt sitzt er am Küchentisch bei sich zu Hause, lässt die Geschehnisse noch einmal Revue passieren. Während sein rechter Arm locker auf der Stuhllehne liegt, fährt er sich mit der linken Hand durch seinen Bart, die Haare hat er versteckt unter seiner roten Mütze.


Mit zwei Jahren das erste «Bike»

Kaum spricht er über «seinen Sport» blitzt da wieder dieses Funkeln in den Augen auf. «Schon mein Grossvater ist Motocross gefahren. Von ihm habe ich zum zweiten Geburtstag meine erste Maschine bekommen – da war aber noch ein Seitenwagen dran», erzählt «Bruggi» mit einem Schmunzeln. Neben den ersten Fahrversuchen auf dem Hofgelände, wo er damals noch wohnte, drehte er mit Vater Ralph auch immer wieder mal eine Runde beim nahegelegenen Fussballplatz. «Ich bin mit diesem Sport aufgewachsen, hatte daher eigentlich kaum eine andere Wahl.» Und dass ihm der Motorsport quasi in die «Wiege gelegt» wurde, sei schon ganz gut.

Luca Bruggmann erzählt, wie er überhaupt zum Motocrosssport gekommen ist. (Fotos: L. Bruggmann)

Sein Blick wandert umher, den Kopf leicht zur Seite gelegt, schiesst es plötzlich aus ihm heraus: «Eishockeyspieler», sagt er, «das könnte ich mir als Alternative noch gut vorstellen.» Es ist eines einer wenigen Hobbys, für die er neben dem ganzen Trubel im Motocross noch Zeit findet. Denn die etlichen Rennen auf höchster Schweizer Stufe und im internationalen Bereich, die vielen Trainingsstunden und die langen Anreisen, können fast schon als «Full-Time-Job» bezeichnet werden. «Auf diesem Niveau gehört das aber dazu», fügt Bruggmann an und lässt einen tiefen Seufzer folgen.


Immer dabei: Eltern und Freunde

Ein paar Wochen bleiben ihm nach dem letzten Rennen, um ganz abschalten zu können. Danach startet die Vorbereitung. «Ab dem Saisonstart im April gibt es nur wenige Pausen.» Auch an rennfreien Wochenenden werde trainiert. «Es ist wirklich ein grosser Aufwand», der sich aber lohne. «Wenn ich auf der Strecke bin, wird mir bewusst, dass ich trotz der Mühen nichts anderes will.» Und da ist es schon wieder, das Funkeln. Er beginnt in einem Stapel von Fotos zu kramen, zieht eines heraus. «Hier», sagt er und zeigt mit dem Finger auf den kleinen Jungen mit Startnummer 4, «das war mein erstes ‹offizielles› Rennen.»

Das erste Rennen von Brug­gmann (Startnum­mer 4). (Foto: ZVG)

Ganz schön lange ist das schon her – seit 1999 mischt er nun im «Motocrossrennzirkus» mit. Und zwei ganz «wichtige Personen», wie er sagt, begleiteten ihn seither zu praktisch jedem Rennen. Es sind seine Eltern Miriam und Ralph Bruggmann, die treusten Fans wenn man so will. Zum erweiterten Kreis davon gehören auch seine beiden älteren Geschwister Nico und Amara, sowie Grossvater Thenny Negele und Freundin Mara.

«Motocross ist ein Familiensport. Das mag im ersten Moment zwar komisch klingen, da ich im Rennen ja ein Einzelkämpfer bin. Aber die ganze Motocrossszene ist quasi eine grosse Familie».

Luca Bruggmann

Neben den Eltern sind auch Freundin und Freunde an den Rennen dabei. «Mein ganzer Freundeskreis hat quasi etwas mit Motocross am Hut», erklärt er. Und als kurz darauf seine Eltern nach Hause kommen, folgt auch gleich das Exempel dafür, wie wohl sich Bruggmann im familiären Kreise fühlt. Es ist ein lockeres Verhältnis, freundschaftlich und irgendwie ist die starke Bindung, die über die ganzen Jahre entstanden sein muss, spürbar. «Ohne die Unterstützung meiner Eltern wäre ich definitiv aufgeschmissen – früher, aber auch heute», gesteht Bruggmann

Nach einer kurzen Pause nach der Saison geht es für Luca Bruggmann dann auch gleich in die Vorbereitung. Wie das genau aussieht, erklärt der 23-Jährige.


Ohne sie hätte Bruggmann seinen Traum womöglich schon viel früher begraben müssen, hätte keine Erfolge feiern können, sich niemals mit internationalen Topfahrern messen können... Wobei: So lange ist die Liste seiner Errungenschaften bisher noch gar nicht, oder wie Bruggmann meint: «So viel ‹Grosses› habe ich noch nicht wirklich gewonnen.» Stolz ist er auf das, was er bisher erreicht hat aber trotzdem.

Schweizer Meister 2009 in der Kategorie 85 ccm, oder, drei Jahre später, Schweizer Meister bei den Junioren in der Kategorie Viertakter – «eine Zwischenstufe.» Und nicht zu vergessen der Vizemeistertitel in diesem Jahr in der Schweizer Meisterschaft (FMS) der Klasse MX2. Er lehnt sich zurück, richtet seine Mütze, beginnt zu lächeln. «Schöne Erinnerungen», meint er fast schon etwas beiläufig und trotzdem merkt man, wie viel ihm diese Erfolge bedeuten.

Eine Saison hat natürlich immer auch Höhen und Tiefen - hier spricht Luca Bruggmann über seine bisherigen Erfolge und hebt dabei vor allem ein Rennen hervor.





Daneben ist vor auch die alljährliche Landesmeisterschaft ein fixer Bestandteil in Bruggmanns Rennkalender. Was die Strecke in ihm auslöst und was er von der Strecke Hälos in Triesen hält ... (Musik: terrasound.de)

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(mm)

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