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Beim Treffen mit dem Parlamentspräsidenten Stefantschuk im Schutzkeller des ukrainischen Parlamentes. (Fotos: ZVG/Hans Hofer/Nastya Telikova)
Politik
Liechtenstein|24.11.2022 (Aktualisiert am 24.11.22 17:43)

Bombenangriff bei Haslers Besuch in Kiew - Landespolizei gewährte Sicherheit

KIEW - Im Rahmen eines Solidaritätsbesuch von europäischen Ministerinnen ist Regierungsrätin Dominique Hasler am Mittwoch begleitet von der Landespolizei und Botschafterin Maria-Pia Kothbauer nach Kiew gereist. Dabei hat sich ein Bombenangriff ereignet, wobei die Ministerinnen im Luftschutzkeller des Parlamentsgebäudes Schutz für mehrere Stunden suchen mussten. Mittlerweile befindet sich die Liechtensteinische Delegation wieder in Polen.

Beim Treffen mit dem Parlamentspräsidenten Stefantschuk im Schutzkeller des ukrainischen Parlamentes. (Fotos: ZVG/Hans Hofer/Nastya Telikova)

KIEW - Im Rahmen eines Solidaritätsbesuch von europäischen Ministerinnen ist Regierungsrätin Dominique Hasler am Mittwoch begleitet von der Landespolizei und Botschafterin Maria-Pia Kothbauer nach Kiew gereist. Dabei hat sich ein Bombenangriff ereignet, wobei die Ministerinnen im Luftschutzkeller des Parlamentsgebäudes Schutz für mehrere Stunden suchen mussten. Mittlerweile befindet sich die Liechtensteinische Delegation wieder in Polen.

Aussemini­sterin Dominique Hasler mit First Lady Olena Selenska und den Mini­sterkol­legin­nen.

Aussenministerin Dominique Hasler war gemeinsam mit österreichischen Europaministerin Karoline Edtstadler und weiteren Amtskolleginnen aus Deutschland, Lettland, Litauen, Rumänien und Ungarn sowie der Vizepräsidentin des europäischen Parlamentes am Mittwoch nach Kiew gereist, wie das Aussenministerium am Donnerstag mitteilte. Dabei sei Dominique Hasler von liechtensteinischer Seite durch I.D. Botschafterin Maria-Pia Kothbauer und der  Landespolizei begleitet worden. Mit dem Besuch wollten die Ministerinnen ein sichtbares Zeichen der Solidarität setzen. Es war Ihnen ein Anliegen, gerade auch in Hinblick auf den bevorstehenden Winter, zum Ausdruck zu bringen, dass die europäischen Staaten die Ukraine weiterhin mit Entschiedenheit unterstützen, so die Mitteilung: Ein Schwerpunkt der Reise lag darauf, die Auswirkungen des Krieges auf Frauen und Kinder sowie weibliches Engagement in der Ukraine kenntlich zu machen.

Angespannte Sicherheitslage in Kiew

Aufgrund des erneuten massiven Raketenbeschlusses von Kiew am gestrigen Mittwoch, war die Sicherheitslage während des Besuches sehr angespannt, heisst es in der Mitteilung. Das Treffen mit dem Präsidenten des Parlaments Ruslan Stefanchuk und weiteren Vertretern des ukrainischen Parlamentes musste deshalb in deren Luftschutzkeller verlegt werden, wo die Delegationen über mehrere Stunden Schutz suchten.

Regie­rungs­rätin Dominique Hasler (rechts) im Luft­schutzkel­ler zwischen den EU-Mini­sterin­nen. (Scre­enshot: Orf.at)

"Die Sicherheit während des ganzen Besuches wurde von der Liechtensteinischen Landespolizei in Zusammenarbeit mit Sicherheitskräften vor Ort gewährleistet", heisst es. Für diesen ausserordentlichen Einsatz der Landespolizei bedankt sich Regierungsrätin Hasler laut Mitteilung ausdrücklich. Mittlerweile befinde sich die Liechtensteinische Delegation wieder in Polen.

Massive Zerstörung durch drei Raketeneinschläge im Umfeld des Besuches inmit­ten Kiews.

Regierungsrätin Hasler und ihre Amtskolleginnen seien am Mittwochmorgen früh mit dem Zug in Kiew angekommen, wo sie von der ukrainischen Vize-Premierministerin Olha Stefanishyna empfangen wurden.

Dominique Hasler und die stel­l­vertretende Mini­sterpräsidentin Olha Stefanishyna (r.).

Beim Treffen mit First Lady Olena Selenska standen die aktuelle Situation, die Folgen des Krieges und die damit verbundene Notwendigkeit der humanitären Hilfe im Zentrum des Gesprächs. "In diesem Zusammenhang wurde die grosse Hilfsbereitschaft in der Ukraine sowie ukrainischen Flüchtlingen im Ausland von der First Lady mehrfach mit Nachdruck gewürdigt und verdankt", so das Aussenministerium.

Aussenmini­sterin Hasler (l.) im Gespräch mit der First Lady Olena Selenska.

In weiteren Treffen mit der Stellvertretenden Innenministerin Meri Akopyan sowie dem Präsidenten des Parlaments Ruslan Stefanchuk und weiblichen Abgeordneten hätten sich die Ministerinnen über weitere Themenschwerpunkte wie die Reformen der Ukraine in Hinblick auf den Beitrittsprozess in die Europäische Union, die Humanitäre Zusammenarbeit und die Notwendigkeit der Strafverfolgung ausgetauscht.

Besonderes Augenmerk der Ministerinnen auf Betroffenheit von Frauen und Kindern

Die acht europäischen Politikerinnen setzten in ihrem Programm laut Mitteilung bewusst auch einen Schwerpunkt auf die Auswirkungen des russischen Angriffskriegs auf Kinder und Frauen.

"Frauen und Kinder sind durch den russischen Angriffskrieg enormen Gefahren und grossem Leid ausgesetzt. Sie werden tagtäglich mit den Gräueln des Kriegs konfrontiert und sind von der zunehmenden Armut besonders betroffen", heisst es in der Mitteilung. "Rund 6.9 Millionen Kinder und Frauen mussten aus der Ukraine fliehen. Auch bei den mehr als 6 Millionen Binnenvertriebenen in der Ukraine handelt es sich mehrheitlich um Kinder und Frauen."

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Aussenmini­sterin Hasler im Gespräch mit dem Ein­satzleiter vor Ort.

Seite an Seite würden sich Frauen und Männer den hohen Risiken der militärischen Verteidigung ihres Landes aussetzen. "Abseits der Front übernehmen die Frauen eine führende Rolle bei der Pflege von alten, kranken und verletzten Menschen und tragen oft die alleinige Fürsorge der Kinder", so die Mitteilung. "Besondere Grausamkeiten der Kriegsführung stellen der Menschenhandel und die sexuelle Gewalt an Frauen dar."

Information über humanitäre Aktivitäten des Roten Kreuzes und des Entwicklungsprogramms der UNO und Besuch eines Projekts

Im Hinblick auf die kommenden Wintermonate sei die gezielte Beschädigung und Zerstörung der kritischen Infrastruktur, insbesondere der Energie- und Wasserversorgung, durch russische Angriffe sehr einschneidend für die Zivilbevölkerung. "Die Arbeit von humanitären Organisationen in der Ukraine ist daher von zentraler Bedeutung", so die Mitteilung. Die Ministerinnen nutzten ihren Aufenthalt in der Ukraine für einen Austausch mit dem Roten Kreuz und dem Entwicklungsprogramm der UNO (UNDP). Das Rote Kreuz versorgte bisher 5 Millionen Menschen mit grundlegenden Gütern und 8 Millionen Menschen mit Trinkwasser. Zudem ermöglichte es mehr als 700'000 Menschen eine medizinische Behandlung. Ein Besuch in einem Zentrum für humanitäre Hilfe hätte diese grossen humanitären Hilfeleistungen veranschaulicht. "UNDP erbringt zudem wichtige Dienstleistungen zur Aufrechterhaltung öffentlicher Dienstleistungen und leistet u.a. kurzfristige Wiederaufbauhilfen bei der kritischen Infrastruktur", so das Aussenministerium. Beide Organisationen würden von Liechtenstein finanziell im Rahmen der Nothilfe unterstützt.

Beim Hilfszentrum für Kriegsopfer.

Die Ministerinnen seien auch in ein Hilfszentrum für Kriegsopfer geführt worden. Die Zentren würden sicherstellen, dass die traumatisierten Opfer Zugang zu umfassender spezialisierter Betreuung haben, insbesondere im Falle von kriegsbedingter Gewalt.

Dialog mit Studentin­nen an der Uni­versität Taras Sehvchenko.

Teil des Aufenthaltes in Kiew war auch ein eingehender Austausch mit Studentinnen der Taras Shevchenko Universität. Dabei berichteten die Studentinnen laut Mitteilung über ihre aktuelle Ausbildungssituation und die damit verbundenen Herausforderungen. Die Ministerinnen gingen im Dialog auf Fragen und Anliegen der Studentinnen ein. Zum Schluss wurden auf eindrückliche Weise von der jungen Generation ihre Hoffnungen für die Zukunft dargelegt.

Solidarität und Verbundenheit

Wie es in der Mitteilung weiter heisst, ist der Aggressionskrieg gegen die Ukraine eines der einschneidendsten Ereignisse für Europa seit dem zweiten Weltkrieg. "Um die Ukraine weiterhin gezielt unterstützen zu können, war es der Liechtensteinischen Aussenministerin wichtig, sich vor Ort zu informieren und auch Anteil zu nehmen", so das Aussenministerium. "Mit ihrem Besuch in Kiew setzt Regierungsrätin Dominique Halser ein sichtbares Zeichen, dass die Solidarität Liechtensteins nicht nachlassen wird und dass Liechtenstein Teil der europäischen Antwort auf den Krieg in der Ukraine ist."

"Es war tief berührend, wie zusätzlich zur materiellen Hilfe, der Besuch vor Ort als Zeichen der tiefen Verbundenheit zwischen der Ukraine und Liechtenstein aufgenommen wird."

Dominique Hasler

"Es war tief berührend, wie zusätzlich zur materiellen Hilfe, der Besuch vor Ort als Zeichen der tiefen Verbundenheit zwischen der Ukraine und Liechtenstein aufgenommen wird," wird Regierungsrätin Hasler zitiert.

Auch I.D. Botschafterin Maria-Pia Kothbauer zeigte sich laut Mitteilung tief beeindruckt "von der Disziplin und der Entschlossenheit der Ukrainer und ihrer nachdrücklichen Bitte, den schwierigen Weg gemeinsam zu gehen".

Im Rahmen der Internationalen Humanitären Zusammenarbeit und Entwicklung (IHZE) würden weitere Hilfeleistungen für das ukrainische Volk erfolgen. So wurde ein Beitrag in Höhe von 250'000 Franken an die "Olena Zelenska Foundation" sowie ein Beitrag von 250'000 Franken für Projekte zur Unterstützung der Dokumentation von Kriegsverbrechen in der Ukraine in Aussicht gestellt, wie es in der Mitteilung zum Schluss heisst.

(ikr/red)

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