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Militärnotfallkrankenhaus während der Spanischen Grippe in Kansas (USA), 1918 oder 1919. (Foto: ZVG/National Museum of Health and Medicine, Armed Forces Institute of Pathology, Washington, D.C., USA)
Spanische Grippe
Liechtenstein|13.04.2020

«In meiner Strasse sah man aus dem Fenster ein Meer von Leichen»

 «Im Zusammenhang mit der Coronapandemie werden gerne historische Vergleiche gezogen, insbesondere zur Spanischen Grippe von 1918. Der Berner Epidemiologe Christian Althaus etwa schätzt das neue Coronavirus hinsichtlich seiner Gefährlichkeit als ‹sehr ähnlich› mit der pande-
mischen Influenza von 1918 ein. Effektiv gibt es auffällige Parallelen, aber auch wesentliche Unterschiede»: Gastbeitrag von Fabian Frommelt.

Militärnotfallkrankenhaus während der Spanischen Grippe in Kansas (USA), 1918 oder 1919. (Foto: ZVG/National Museum of Health and Medicine, Armed Forces Institute of Pathology, Washington, D.C., USA)

 «Im Zusammenhang mit der Coronapandemie werden gerne historische Vergleiche gezogen, insbesondere zur Spanischen Grippe von 1918. Der Berner Epidemiologe Christian Althaus etwa schätzt das neue Coronavirus hinsichtlich seiner Gefährlichkeit als ‹sehr ähnlich› mit der pande-
mischen Influenza von 1918 ein. Effektiv gibt es auffällige Parallelen, aber auch wesentliche Unterschiede»: Gastbeitrag von Fabian Frommelt.

Erstes Kapitel: Die Welt im Griff der Grippe

Anfang März 1918, im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs, erkrankten Soldaten im US-Militärcamp Funston in Kansas an einem neuartigen Grippevirus. Schnell verbreitete sich die hochansteckende Krankheit in den USA, und im April gelangte sie mit US-Truppen nach Frankreich. Noch im April war das Virus in Italien, im Mai in Spanien, England und Russland, im Juni in Deutschland und Skandinavien, im Juli in der Schweiz. Schon im Sommer waren auch Asien, Australien, Südafrika und Südamerika betroffen. Wie heute die Globalisierung, waren es 1918 der Erste Weltkrieg und der Kolonialismus, die die Epidemie rasch zur Pandemie werden liessen.

Während Nachrichten über die Seuche in den meisten kriegführenden Ländern von der Zensur unterdrückt wurden, berichteten die Zeitungen im neutralen Spanien offen darüber. So wurde der Ursprung der Krankheit fälschlicherweise mit Spanien in Verbindung gebracht – und der Name «Spanische Grippe»blieb zu Unrecht an dem Land hängen.

Nach kurzem Abflauen fegte ab August eine zweite, aggressivere und tödlichere Grippe-Welle um den Globus. In Europa und in den USA erreichte sie im Oktober und November 1918 ihren Höhepunkt. Dort fielen der Influenza insgesamt 2,3 Millionen respektive 670 000 Menschen zum Opfer. Von dieser zweiten sowie einer dritten, sich von 1919 bis 1920 hinziehenden Welle viel stärker betroffen waren jedoch Asien, Südamerika und Afrika, ebenfalls Kanada; Australien blieb von der zweiten Welle verschont, nicht aber von der dritten. Am schlimmsten traf es Angehörige indigener Völker, die über schwache Abwehrkräfte verfügten. 

Weltweit gab es rund 500 Millionen Infizierte – über ein Viertel der Weltbevölkerung. Forderte in Europa der Krieg mehr Opfer als die Grippe, war es in den anderen Weltteilen umgekehrt, sodass die globale Opferzahl mit 25 bis 50 Millionen Toten jene des Ersten Weltkriegs (17 Millionen) weit übertraf. Neueste Forschungen gehen sogar von 50–100 Millionen Grippe-Toten aus, was etwa 2,5 bis 5 Prozent der damaligen Weltbevölkerung entspricht.

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(red)

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