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Politik
Liechtenstein|11.07.2019 (Aktualisiert am 11.07.19 10:35)

Lohnunterschied Mann-Frau: 42 Prozent nicht auf objektive Faktoren zurückzuführen

VADUZ - Das Amt für Statistik hat den liechtensteinischen Lohnrechner Version 1.0, eine Sonderpublikation zur Lohnstatistik 2016 sowie eine Studie zu den Löhnen von Frauen und Männern in Liechtenstein veröffentlicht. Dies teilten es heute an einer Pressekonferenz mit.

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VADUZ - Das Amt für Statistik hat den liechtensteinischen Lohnrechner Version 1.0, eine Sonderpublikation zur Lohnstatistik 2016 sowie eine Studie zu den Löhnen von Frauen und Männern in Liechtenstein veröffentlicht. Dies teilten es heute an einer Pressekonferenz mit.

Der Lohnrechner des Amtes für Statistik ermögliche es aufgrund von Eigenschaften der Person (z.B. ausgeübter Beruf, Bildungsniveau) und des Unternehmens (z.B. Grösse, Wirtschaftszweig) in dem sie beschäftigt ist, einen mittleren Lohn zu schätzen. Die Berechnungen des Lohnrechners würden dabei auf einem statistischen Modell basieren, das anhand von verschiedenen erklärenden Variablen einen Schätzwert für den Medianlohn sowie für die Quartile liefere.

Bei den angegebenen Löhnen handelte es sich um Schätzungen und nicht um Lohnempfehlungen. Die Schätzung würden einen Gruppenmittelwert darstellen, und obwohl die Gruppenmitglieder gewisse Gemeinsamkeiten aufweisen, könnten sie sich jedoch in anderen, nicht vom Modell erfassten Eigenschaften unterscheiden. Dabei spielen laut Amt Faktoren wie Weiterbildungen und individuelle Karriereverläufe genauso eine Rolle wie die Lohnpolitik des Unternehmens oder das Verhandlungsgeschick in Lohnverhandlungen.

Sonderpublikation soll neue Einblicke geben

Der mittlere Bruttomonatslohn (Medianlohn) der in Liechtenstein beschäftigten Einwohnerinnen und Einwohner lag im Jahr 2016 bei 6 534 Franken. Die Betrachtung nach Berufsgruppen zeige dabei beträchtliche Unterschiede zwischen den einzelnen Gruppen. Während Beschäftigte in Handwerksberufen im Mittel mit einem Lohn von 5 899 Franken rechnen könnten, seien es bei den Bürokräften 6 639 Franken und bei den akademischen Berufen 9 015 Franken gewesen. Grosse Unterschiede habe es aber auch innerhalb der Berufsgruppen gegeben. So verdienten laut Amt beispielsweise die mittleren 50 Prozent der Beschäftigten in akademischen Berufen zwischen 6 887 Franken und 11 870 Franken. Im monatlichen Bruttolohn enthalten seien auch ein Zwölftel des 13. Monatslohns und anderer Zulagen.

Der mittlere Monatslohn der erwerbstätigen Bevölkerung steigt mit zunehmendem Bildungsniveau. Während Personen mit einem obligatorischen Bildungsabschluss 2016 im Mittel CHF 5 231 verdienten, lag der mittlere Bruttomonatslohn bei den Beschäftigten mit einer beruflichen Grundbildung bei CHF 6 294. Personen mit einem Abschluss der höheren Fachschulen kamen im Mittel auf CHF 9 806. Ähnlich ergiebig waren ein Bachelor- oder Masterabschluss mit CHF 9 782.

Die Sonderpublikation zur Lohnstatistik enthalte nebst Angaben zum Medianlohn nach Beruf und Ausbildung auch Informationen zum Lohn nach beruflicher Stellung und sozioprofessioneller Kategorie. Die einzelnen Merkmale würden dabei nach Geschlecht, Staatsbürgerschaft und Beschäftigungsgrad dargestellt. Nebst den Angaben zum Medianlohn enthaltedie Publikation auch Informationen zu den Quartilen.

42 Prozent des Lohnunterschiedes zwischen Männern und Frauen bleiben unerklärt

Die Resultate einer Analyse der Löhne von Frauen und Männern deuten laut Amt darauf hin, dass rund 58 Prozent des Lohnunterschieds zwischen Frauen und Männern auf objektive Faktoren wie z.B. ein unterschiedlicher Beruf oder ein anderes Bildungsniveau zurückzuführen sind. Die restlichen 42 Prozent können demnach nicht durch diese objektiven Faktoren erklärt werden. Die Analyse basiere auf einem statistischen Modell, das anhand von verschiedenen Variablen eine Unterteilung der Lohndifferenz zwischen Männern und Frauen in einen erklärbaren Anteil und einen unerklärbaren Anteil ermöglicht. Da das Modell jedoch nicht alle für die Erklärung der Lohnunterschiede relevanten Faktoren aufweise, könne der Unterschied nicht als direktes Mass für die Lohndiskriminierung interpretiert werden.

Neue Erkenntnisse durch Verknüpfung von Daten

Das Amt für Statistik führt seit 2006 alle zwei Jahre eine Erhebung der Lohndaten durch und publiziert die Ergebnisse in der Lohnstatistik. Seit längerem seien dabei von den Nutzerinnen und Nutzern der Wunsch nach zusätzlichen Informationen geäussert worden. Da die Erhebung jedoch auf Verwaltungsdaten der Steuerverwaltung basiert, fehlen wichtige Informationen zu verschiedenen Faktoren, welche sich auf das Lohnniveau auswirken (z.B. berufliche Stellung, Bildungsniveau, etc.), aber nicht in den amtlichen Registern erfasst werden. Die Verknüpfung der anonymisierten Daten aus Lohnstatistik und Volkszählung erlaubt es nun dem Amt für Statistik den Nutzerinnen und Nutzern erstmals einen vertieften Einblick in die Struktur der Löhne der in Liechtenstein erwerbstätigen Bevölkerung zu bieten.

(ikr/red)

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