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Das Amt für Soziale Dienste hat nicht den Eindruck, dass es mehr Spielsüchtige im Land gibt. (Foto: SSI)
Politik
Liechtenstein|09.04.2019 (Aktualisiert am 09.04.19 18:15)

Spielsüchtige bleiben im Dunkeln

VADUZ - Die zwei Casinos in Schaanwald und Ruggell führten per Ende 2018 insgesamt 940 gesperrte Personen auf ihren Listen, davon nur ein Bruchteil aus Liechtenstein. Wie viele Einwohner aber spielsüchtig sind, dazu fehlen Zahlen. Dem Staat haben die Casinos 2018 19,7 Millionen Franken eingebracht.

Das Amt für Soziale Dienste hat nicht den Eindruck, dass es mehr Spielsüchtige im Land gibt. (Foto: SSI)

VADUZ - Die zwei Casinos in Schaanwald und Ruggell führten per Ende 2018 insgesamt 940 gesperrte Personen auf ihren Listen, davon nur ein Bruchteil aus Liechtenstein. Wie viele Einwohner aber spielsüchtig sind, dazu fehlen Zahlen. Dem Staat haben die Casinos 2018 19,7 Millionen Franken eingebracht.

Die bestehenden – und geplanten – Spielbanken im Land beschäftigen auch die Abgeordneten, wie gleich drei Kleine Anfragen im eintägigen April-Landtag zeigten. Immerhin sind diese für Liechtenstein Fluch und Segen zugleich. So brachten die zwei Casinos in Schaanwald und Ruggell dem Staat vergangenes Jahr 19,8 Millionen Franken ein, wie eine Kleine Anfrage des FBP-Abgeordneten Elfried Hasler zeigt. Umgekehrt können sie für deren Besucher zwar das grosse Glück, aber auch das grosse Pech bedeuten.

Keine Daten vorhanden

Hasler erkundigte sich daher auch, ob das Amt für Soziale Dienste (AVW) bei seinen Klienten Auffälligkeiten bezüglich Spielsucht ergebenhätten. Wie Regierungschef-Stellvertreter Daniel Risch dazu in der Beantwortung ausführte, habe das ASD seit der Eröffnung der Spielbanken in der zweiten Jahreshälfte 2017 bis zum Oktober 2018 keine Spielsüchtigen gemeldet.Dies bestätigte auch Gesellschaftsminister Mauro Pedrazzini in einer Kleinen Anfrage des FL-Abgeordneten Patrick Risch. Allerdings fehle in Liechtenstein eine systematische Datenerfassung von problematischem und pathologischem Spielverhalten. In Österreich wird davon ausgegangen, dass 0,7 Prozent der Bevölkerung ein pathologisches Spielverhalten an den Tag lege, in der Schweiz wird von 0,5 Prozent gesprochen. «Es ist davon auszugehen, dass sich der Anteil an süchtigen Spielern in Liechtenstein in einem ähnlichen Ausmass bewegen wird», so Pedrazzini. Das ASD prüfe derzeit Projekte und Massnahmen zur Prävention von Spielsucht. Unter anderem werde über eine Beteiligung an SOS-Spielsucht, einem schweizerischenPräventionsprojekt, nachgedacht.
Konkrete Zahlen gibt es dagegen zu der Anzahl Personen, die für den Besuch eines liechtensteinischen Casinos gesperrt sind: Per Ende 2018 waren dies 940 Personen, wobei 884 freiwillig und 56 Sperren angeordnet waren. 77 Betroffene wohnten in Liechtenstein.

Sperren werden ausgetauscht, aber nicht international

Wie eine Anfrage der stellvertretenden FL-Abgeordneten Helen Konzett ergab, sprechen die Casino-Mitarbeiter Spieler an, die sich auffällig verhalten. Dies kann etwa der Fall sein, wenn eine Person besonders hohe Einsätze besonders schnell verspielt oder auch besonders häufig ins Casino kommt. Einige Spieler würden sich daraufhin freiwillig sperren lassen. Auf jeden Fall zu einer Sperre kommt es, wenn die Betroffenen Einsätze riskieren, die in keinem Verhältnis zu ihrem Einkommen oder Vermögen stehen. Sobald eine Sperre ausgesprochen wird, würden die anderen Spielbanken im Inland davon erfahren, woraufhin der Betroffene auch dort keinen Zutritt mehr erhält. Art, Umfang und Grund der Sperre werden in einem System vermerkt. Allerdings werden die Daten nur im Inland ausgetauscht, nicht jedoch an Casinos im Ausland. Und davon gibt es im Umkreis von einer Stunde Fahrtzeit genug: Lindau, Bregenz, Pfäffikon, St. Gallen, Bad Ragaz und Davos.

(df)

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