Erbprinz Alois bei seiner Rede an der Geburtstagsfeier. (Foto: Eddy und Brigitt Risch / Liechtenstein Marketing)
Politik
Liechtenstein|23.01.2019 (Aktualisiert am 24.01.19 08:22)

Erbprinz: Vernetzung und Zusammenarbeit als Erfolgsfaktoren

SCHAAN - Erbprinz Alois betonte in seiner Rede, wie wichtig die Aussenpolitik für den Erfolg Liechtensteins ist. Ohne die internationale Vernetzung wäre das Land weder entstanden noch als souveräner Staat anerkannt worden. Die Rede im Wortlaut:

Erbprinz Alois bei seiner Rede an der Geburtstagsfeier. (Foto: Eddy und Brigitt Risch / Liechtenstein Marketing)

SCHAAN - Erbprinz Alois betonte in seiner Rede, wie wichtig die Aussenpolitik für den Erfolg Liechtensteins ist. Ohne die internationale Vernetzung wäre das Land weder entstanden noch als souveräner Staat anerkannt worden. Die Rede im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Bundespräsident der Bundesrepublik Österreich,

Sehr geehrter Herr Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland,

Sehr geehrter Herr Bundespräsident der Schweizerischen Eidgenossenschaft,

Sehr geehrte weitere Gäste aus dem Ausland,

Liebe Liechtensteinerinnen und Liechtensteiner

Der heutige Tag ist ein ganz besonderer Tag für das Fürstentum Liechtenstein. Vor 300 Jahren hat Kaiser Karl VI. die Herrschaft Schellenberg und die Grafschaft Vaduz zum Reichsfürstentum Liechtenstein erhoben. Damit wurde der Grundstein für unser Land gelegt. Ein solches Jubiläum ist sowohl ein Moment zu feiern und Gäste einzuladen, als auch ein Moment, um innezuhalten, auf die letzten 300 Jahre zurückzublicken und über die Zukunft nachzudenken.

Sehr geehrte Herren Bundespräsidenten

Es ist eine grosse Freude und Ehre, dass Sie am heutigen Tag mit uns feiern und damit auch ein Zeichen setzen. Die sehr positive Entwicklung Liechtensteins in den letzten Jahrzehnten wäre ohne die enge und gute Zusammenarbeit mit den von Ihnen vertretenen Staaten nicht möglich gewesen. Für die enge Verbundenheit sowie den Respekt gegenüber Liechtenstein sind wir dankbar und darauf bauen wir auch in Zukunft. Am heutigen Auftakt von einer ganzen Reihe von Jubiläumsfeierlichkeiten möchte ich daher vor allem auf Liechtensteins Aussenbeziehungen eingehen.

Liechtenstein ist es in den letzten 300 Jahren nie so gut gegangen wie heute. Vor 300 Jahren war Liechtenstein ein bitterarmes Bergbauernland, noch gezeichnet von der unsicheren Zeit der Hexenprozesse unter den Grafen von Hohenems und wirtschaftlich ein Schlusslicht in Europa. Zwar blieb die Bevölkerung mit Ausnahme von Plünderungen während der napoleonischen Zeiten in den 300  Jahren vor kriegerischen Handlungen verschont. Bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war Liechtenstein jedoch ein armes Auswanderungsland. Selbst ein beträchtlicher Teil jener, die in Liechtenstein blieben, musste ihre Arbeit ausserhalb von Liechtenstein suchen. Heute erfreuen wir uns einer grossen politischen und wirtschaftlichen Stabilität, wir verfügen über einen breit diversifizierten und hochspezialisierten Wirtschaftsstandort und unsere Unternehmen schaffen mehr Arbeitsplätze als Liechtenstein Einwohner hat.

Viele Faktoren haben zu diesem Erfolg beigetragen. Am heutigen Tag möchte ich vor allen auf die aussenpolitischen Erfolgsfaktoren näher eingehen. Zwar hatte Liechtenstein während den für die europäischen Kleinstaaten gefährlichen Zeiten das Glück, wegen seiner Armut und geographischen Randposition ein uninteressanter Staat zu sein. Ohne internationale Vernetzung und Anerkennung wäre Liechtenstein aber weder entstanden noch als souveränen Staat in den Rheinbund aufgenommen worden. Ohne internationale Vernetzung und Anerkennung hätte Liechtenstein auch nicht die Souveränität am Wiener Kongress absichern und die kritischen Jahre mit Nazideutschland als direkt angrenzenden Nachbarn überleben können.

Erfolgsentscheidend waren ausserdem die rasche Reaktion auf für uns kritische Entwicklungen und das rechtzeitige Einbringen unserer Anliegen auf internationaler Ebene. Nur so glückte die europäische Integration durch die Anpassung des EWR ‐ Vertrags auf Liechtenstein, nur so war die Neuausrichtung des Finanzplatzes möglich.

Einen Erfolgsfaktor konnten wir allerdings kaum beeinflussen: die globale Öffnung der Märkte. Ohne diese Marktöffnungen wäre die Entwicklung zu einem breit diversifizierten und hochspezialisierten Wirtschaftsstandort nicht möglich gewesen. Unsere Unternehmen hätten sich nicht auf Produkte und Dienstleistungen spezialisieren können, wenn ihnen nur der winzige Heimmarkt zur Verfügung gestanden hätte.

Schliesslich war auch die enge und gute Zusammenarbeit mit unseren Nachbarn ein Erfolgsfaktor, bei dem wir auf andere angewiesen waren. Für einen Kleinstaat ist es ineffizient, eigene Botschaften auf der ganzen Welt zu unterhalten und sämtliche staatlichen Leistungen durch eigene Einrichtungen zu erbringen. Eine enge Zusammenarbeit mit den Nachbarstaaten ist bei nur 38 000 Einwohnern notwendig, um insbesondere in Bereichen wie höherer Bildung und Gesundheit Leistungen von hohem Niveau sicherzustellen.

Haben diese aussenpolitischen Erfolgsfaktoren in Zukunft noch dieselbe Bedeutung? Ich bin überzeugt, dass wir diese Frage bejahen können, wenn wir einen Blick auf die aussenpolitischen Herausforderungen werfen.

Wir erleben momentan eine deutliche Änderung der Weltordnung. In den vergangenen Jahrzehnten profitierten wir als Kleinstaat von einer stabilen Weltordnung sowie einer Stärkung des Freihandels und der multilateralen Zusammenarbeit. Vielleicht hat dies bei uns zum Teil auch den trügerischen Eindruck entstehen lassen, dass wir ohne viel aussenpolitischen Aufwand erfolgreich sein können.

Heute gehen wir in Richtung einer instabileren, multipolaren Weltordnung, einer Zunahme an Protektionismus und einer Schwächung der multilateralen Zusammenarbeit. Dank unserer Mitgliedschaft in der UNO und den weiteren internationalen Organisationen ist zwar unsere Souveränität formell gut abgesichert. Wenn international aber wieder vermehrt das Recht des Stärkeren gilt, laufen wir Gefahr, dass unsere Souveränität in der Praxis Einschränkungen erfährt.

Unsere Erfahrungen rund um die internationalen Finanzdienstleistungsregulierungen in den letzten Jahren lehren uns, dass es erfolgversprechend ist, aktiv und im internationalen Dialog mit solchen Herausforderungen umzugehen. Wir sind deshalb gut beraten, weiterhin auf unsere bewährten aussenpolitischen Erfolgsfaktoren zu setzen, in dem wir die guten  Beziehungen zu unseren Nachbarn pflegen und uns die Anerkennung als wertvolles Mitglied der globalen Staatengemeinschaft sichern. Dann können wir auch weiterhin rasch auf kritische Entwicklungen reagieren und unsere Interessen international rechtzeitig einbringen.

Wenn die Selbstbestimmung– insbesondere kleiner Nationen – in Frage gestellt ist, lohnt es sich, früh darüber zu sprechen, wie wichtig diese ist. Liechtenstein kann einen glaubwürdigen Beitrag zu einer solchen Diskussion leisten. Unsere besondere Staatsform der direktdemokratischen Monarchie auf parlamentarischer Grundlage sorgt für eine bürgernahe, unbürokratische und kostengünstige Regulierung, die gleichzeitig langfristig orientiert und im Hinblick auf die Anreizwirkungen gut durchdacht ist. Auch dieses Wissen und Know‐how kann für andere Staaten wertvoll sein.

Das gilt insbesondere für die Thematik der nachhaltigen Entwicklung, die international eine grosse Bedeutung gewonnen hat. Durch kluge Schritte in Richtung einer umfassenden Nachhaltigkeit können wir nicht nur die Attraktivität des Standorts Liechtenstein erhöhen, sondern auch international Verantwortung übernehmen und zum Vorteil der Staatengemeinschaft Mehrwert schaffen.

 Unserer politischen Kultur entsprechend sollten wir in einem fruchtbaren Dialog mit der Bevölkerung intelligente Wege suchen, wie wir die langfristige Orientierung und Nachhaltigkeit unserer Politik, unserer Wirtschaft und unserer Gesellschaft verbessern können. Ich bin überzeugt davon, dass ein Prozess, der auf Eigeninitiative und breite Verankerungin der Bevölkerung setzt, uns viel weiter in Richtung einer umfassenden  wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit bringen wird als verordnete Zwangsmassnahmen.

 Liechtenstein verfügt bereits heute über etliche Nachhaltigkeitsinitiativen, die auch international auf Interesse stossen oder das Potenzial dafür haben. Wenn es uns gelingt, diesen Bereich erfolgreich weiter zu entwickeln, können wir für unsere Nachhaltigkeit einmal genauso Respekt und Anerkennung erhalten wie für die Produkte und  Dienstleistungen unserer Industrie ‐ und Finanzunternehmen.

 Liebe Liechtensteinerinnen und Liechtensteiner

 Das Fürstentum Liechtenstein kann auf insgesamtsehr glückliche 300 Jahre zurückblicken. Es gibt nur ganz wenige Staaten, die seit 300 Jahren friedlich in denselben Grenzen leben. Darauf dürfen wir stolz sein, dafür müssen wir aber auch dankbar sein. Unser Dank gilt den vielen verschiedenen Persönlichkeiten, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten unserer Geschichte in ihren jeweiligen Bereichen dazu beigetragen haben. Unser Dank gilt aber auch unseren Nachbarn, ohne deren gute und enge Zusammenarbeit die glückliche Entwicklung unseres Landes nicht möglich gewesen wäre.

 Die Zukunft ist voller Herausforderungen. Wenn wir unsere hohe Lebensqualität für uns und unseren Nachkommen erhalten wollen, dürfen wir uns nicht auf unserer glücklichen Position ausruhen. Wir müssen aktiv bleiben und die Grundlagen für die hohe Lebensqualität immer wieder von neuem sichern. Dies gilt auch für unsere Aussenpolitik. Nutzen wir die Chancen des Jubiläumsjahrs, indem wir im bewährten Miteinander von Volk und Fürstenhaus für die kommenden Jahre grundlegende Schritte setzen.

(red/pd)

Teile diesen Artikel mit deinen Freunden

Nächster Artikel
Vermischtes
Liechtenstein|23.01.2019 (Aktualisiert am 24.01.19 08:25)
Video vom Festakt: Liechtenstein feiert den 300. Geburtstag