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In Liechtenstein sind die Grossparteien immer noch stark – anders als in anderen Ländern. Doch wie sieht die Parteilandschaft künftig aus? (Foto: Zanghellini)
Politik
Liechtenstein|27.10.2018

«Der Wählerwille kann durchaus konservativer sein als es politische Eliten gerne hätten»

SCHAAN - Der Politikwissenschaftler Marcelo Jenny über die Zukunft von Grossparteien, liechtensteinische Eigenheiten und dem Frauenmangel in der Politik. Am Dienstag referiert er in Vaduz über «Parteien in der Mediendemokratie».

In Liechtenstein sind die Grossparteien immer noch stark – anders als in anderen Ländern. Doch wie sieht die Parteilandschaft künftig aus? (Foto: Zanghellini)

SCHAAN - Der Politikwissenschaftler Marcelo Jenny über die Zukunft von Grossparteien, liechtensteinische Eigenheiten und dem Frauenmangel in der Politik. Am Dienstag referiert er in Vaduz über «Parteien in der Mediendemokratie».

Marcelo Jenny. (Foto: ZVG)

«Volksblatt»: Herr Jenny, Sie werden nächsten Mittwoch einen Vortrag zu «Parteien in der Mediendemokratie» halten – was ist unter Mediendemokratie überhaupt zu verstehen?

Marcelo Jenny: Eine Mediendemokratie ist an und für sich die Anerkennung, dass Massenmedien in der aktuellen Demokratie eine sehr grosse Rolle spielen – grösser als in früheren Dekaden. Demokratie gibt es natürlich länger als die Medien. Während Tageszeitungen aber nicht unbedingt eine grosse Reichweite haben, haben es das Radio und Fernsehen geschafft, über 90 Prozent zu erreichen. Das Fernsehzeitalter ist also das Zeitalter der Demokratie, in der die Politik wirklich in den einzelnen Haushalt gekommen ist.

Aber selbst das Fernsehen gibt es ja nicht erst seit gestern, Medien spielen schon seit Jahrzehnten eine grosse Rolle.

Stimmt, aber dazu sind nun auch die sozialen Medien gekommen.

Was hat sich diesbezüglich in der jungen Vergangenheit geändert?

Wir befinden uns noch inmitten eines Prozesses. Die alten, etablierten Massenmedien sind relativ standardisierte Medien. Zum Beispiel der öffentlich-rechtliche Rundfunk, der mit einem relativ begrenzten Programm alle Haushalte erreichte. Als private Sender hinzukamen, gab es eine Variation im Angebot und die politische Berichterstattung war etwas weniger standardisiert. Trotzdem wurden die Menschen mit ähnlichen Informationen bedient. Im Internet hingegen geht die Entwicklung vom Passiv- zum Aktivkonsum: Der Konsument kann sich stärker aussuchen, was er rezipieren will. Damit geht eine Neigung einher, Informationen, die man nicht wissen will, auszublenden. Das ist heute technisch viel einfacher möglich.

Was bedeutet das für die Parteien?

Das hat Vor- und Nachteile für die Parteien: Der isolierende Effekt ist mitunter sehr angenehm, da die eigene Anhängerschaft nicht Botschaften ausgesetzt ist, die andere Parteien streuen. Ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk dagegen hat ein Objektivitätsgebot und holt auf eine Stellungnahme einer Partei die Gegenreaktionen der anderen ab. Auf Parteikanälen im Internet, etwa mithilfe von YouTube oder Parteiblog, und mit Kanälen, die zwar wie klassische Medien wirken, aber eigentlich in engem Kontakt zu einer Partei stehen, können Parteien ihre Botschaften wieder unverblümt und direkt verbreiten – ohne journalistischen Filter.

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