Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
DU-Chef Harry Quaderer fühlte sich zunehmend isoliert. (Archivfoto: Zanghellini)
Politik
Liechtenstein|04.09.2018 (Aktualisiert am 04.09.18 15:44)

Harrys DU-Geschichte: Er habe seinen Rücktritt angeboten

21 Tage nach dem Beginn der öffentlichen Demontage der "Unabhängigen" (DU) präsentiert DU-Chef Harry Quaderer heute im "hoi du" seine Version der Geschichte. Der Parteigründer übt darin auch Kritik an sich selbst, vor allem aber an den anderen.

DU-Chef Harry Quaderer fühlte sich zunehmend isoliert. (Archivfoto: Zanghellini)

21 Tage nach dem Beginn der öffentlichen Demontage der "Unabhängigen" (DU) präsentiert DU-Chef Harry Quaderer heute im "hoi du" seine Version der Geschichte. Der Parteigründer übt darin auch Kritik an sich selbst, vor allem aber an den anderen.

Bereits als DU 2013 das erste Mal in den Landtag eingezogen war, habe sich gezeigt, «dass es in der Mitte der Unabhängigen noch «Unabhängigere» gab, die vor allem durch politische Naivität und Eigensinn glänzten».

Als Vereinsvorsitzender und Fraktionssprecher hätte er «darauf beharren müssen», dass sich die Mitglieder auch an gewisse «Spielregeln» halten. «Dem wurde zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt», schreibt Quaderer selbstkritisch.

Trotz der Unstimmigkeiten, konnte DU bei den letzten Wahlen 2017 gar noch zulegen. Sie holten 18 Prozent der Wählerstimmen und waren damit mit fünf Abgeordneten im Parlament vertreten.

Von Verschmähten unterwandert

Eben dieser Erfolg sei es aber auch gewesen, «der an unserem Zusammenhalt zu nagen begann», beschreibt Quaderer die voranschreitende Spaltung der Partei.

Insbesondere Erich Hasler habe Quaderers Position als Fraktionssprecher «unverhohlen» untergraben. Damit meint Quaderer unter anderem die öffentlich geäusserte Forderung nach besseren Abläufen und besserer politischer Arbeit. «Kurzum, es wurde auf einmal alles, was sich in den ersten vier Jahren einigermassen bewährt hatte, kritisiert.»

Quelle: "hoi du", 04.09.2018

Offenbar versuchten DUler, die zuvor bei VU und FBP abgewiesen worden waren, die Führung der Partei zu übernehmen. Laut Quaderer wollten sie DU «strukturieren», damit man mit den Grossparteien konkurrenzieren könnte.

Der Erfolg zu Kopf gestiegen

Unter anderem seien Ortsgruppen für die Gemeinden angestrebt worden oder ein professionelles Büro, kurzum: klassische Parteistrukturen. «Für mich waren solche Ansätze eigentlich der Anfang vom Ende. Genau eine solche Partei wollte ich nicht», schreibt der DU-Chef.

Den Strukturverfechtern sei der Erfolg schlichtweg «in den Kopf gestiegen». «Sie haben vergessen, warum sie ursprünglich mal für die Unabhängigen kandidierten und auch gewählt wurden. Nämlich als Mitglieder einer Partei, die eben nicht wie eine Partei organisiert sein sollte und wollte», so Quaderer.

Quaderer bot Rücktritt an

Die von Quaderer beschriebene Spaltung der Unabhängigen machte sich dann wenig überraschend bald schon in der Kommunikation bemerkbar.

Teile der Fraktion hätten parlamentarische Vorstösse lanciert, ohne ihre Kollegen vorab zu informieren. «Wenn man als Fraktionssprecher aus den Zeitungen von einem Vorstoss eines Fraktionskollegen erfährt, dann ist das gelinde gesagt unangenehm.»

Ein DU-Abgeordneter habe schliesslich erklärt, er sei keinem Kollektiv verpflichtet. «Der Anfang vom Ende der internen Kommunikation», konstatiert Harry Quaderer

Insbesondere der DU-Chef selbst fühlte sich offenbar je länger je mehr isoliert. Das merkte er, als er nicht schaffte, die Fraktion für ein klärendes Gespräch an einen Tisch zu bekommen.

«In der Folge stellte ich mein Amt als Fraktionsprecher und damit als Vereinsvorsitzender zweimal zur Verfügung», schreibt Quaderer.

Der Putschversuch

Entgegen seiner Erwartung stürzten sich Erich Hasler und Thomas Rehak jedoch nicht auf diese Positionen.

Wohl bestanden zu diesem Zeitpunkt bereits andere Pläne: Im Juli sei Quaderer ein Email zugespielt worden, zu dessen Empfängerkreis er nicht gehörte.

Es richtete sich an den «momentanen Kern» der DUler. «Darin wurde eine Mitgliederversammlung geplant, in welcher der Verein neu organisiert würde», schreibt Quaderer.

Ganz offensichtlich, sollte der Chef und Gründer also entthront werden.

Die Bombe platzte am Staatsfeiertag

Dem kam Harry Quaderer dann aber zuvor.

Wie bereits bekannt ist, liess sich der DU-Chef im Sommer von Juristen beraten, die ihm bescheinigten, dass Mitglieder nicht statutenkonform aufgenommen worden waren.

Quelle: "hoi du", 04.09.2018

Der Zwist um die Bereinigung dieses Missstandes führte am Ende dazu, dass seit langem voranschreitende Spaltung an die Öffentlichkeit gelangte. Just zum Staatsfeiertag am 15. August traten Herbert Elkuch, Erich Hasler und Thomas Rehak aus dem Vorstand und wenig später auch aus der Partei aus – wobei Hasler sogar rausgeworfen wurde.

Gestärkt in die Zukunft?

«Im Nachhinein betrachtet, konnten wir uns wohl nie so recht darauf verständigen oder einigen, was es bedeutet ein Unabhängiger in einer Partei von Unabhängigen zu sein», schreibt Harry Quaderer heute – fast wehmütig.

Sein Experiment, das er vor sechs Jahren, nach seinem aufsehenerregenden Austritt aus der Vaterländischen Union, gestartet hatte, erleidet nun einen herben Rückschlag.

Am Ende war es doch schwieriger als es sich der DU-Chef selbst vorgestellt hat. Er wollte den Fünfer und «s Weckli»: Ein Team voller Egoisten.

Für die Zukunft rechnet sich der Chef der Unabhängigen aber immer noch Chancen aus: Die zermürbenden Konflikte seien nun Geschichte. «Nach dem Ausscheiden von drei Abgeordneten aus dem Verein ist zwar die Fraktion geschwächt, die verbleibenden Unabhängigen aber im Innern gestärkt.»

(ds)

Teile diesen Artikel mit deinen Freunden

Nächster Artikel
Politik
Liechtenstein|01.09.2018 (Aktualisiert am 02.09.18 12:30)
Ausgestossene «sprengen» DU-Mitgliederversammlung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung