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Gesundheitsminister Mauro Pedrazzini: «Eine Akutgeriatrie ohne eine funktionierende Chirurgie und Innere Medizin zu betreiben, wäre nichts anderes als ein teures Altersheim.» (Foto: Michael Zanghellini)
Politik
Liechtenstein|16.06.2018

«Es ist sehr gut möglich, ein kleines Spital mit hoher Qualität zu betreiben»

VADUZ - Knapp fünf Stunden lang musste Gesellschaftsminister Mauro Pedrazzini letzte Woche dem Landtag in Sachen Spitalstrategie Rede und Antwort stehen. Was für Schlüsse er aus der Debatte zieht und warum er am eigenen Spital festhalten will, erklärt er im Interview.

Gesundheitsminister Mauro Pedrazzini: «Eine Akutgeriatrie ohne eine funktionierende Chirurgie und Innere Medizin zu betreiben, wäre nichts anderes als ein teures Altersheim.» (Foto: Michael Zanghellini)

VADUZ - Knapp fünf Stunden lang musste Gesellschaftsminister Mauro Pedrazzini letzte Woche dem Landtag in Sachen Spitalstrategie Rede und Antwort stehen. Was für Schlüsse er aus der Debatte zieht und warum er am eigenen Spital festhalten will, erklärt er im Interview.

«Volksblatt»: Der Landtag hat sich letzte Woche mit der Spitalstrategie befasst. Welche Erkenntnisse aus der Landtagsdebatte nehmen Sie mit?

Mauro Pedrazzini: Die Meinungen im Landtag waren zum Teil sehr unterschiedlich. Ein Grossteil der Abgeordneten war der Ansicht, dass für einen Entscheid mehr Informationen nötig seien. Das habe ich erwartet. Die vorgelegte Interpellationsbeantwortung war zwar sehr umfangreich, es konnte aber noch nicht beziffert werden, was die möglichen Optionen kosten. Die Debatte war für mich ein erster Schritt in einem demokratischen Prozess der Willensbekundung und Entscheidung. Weitere Schritte müssen jetzt folgen.

Und wie sehen diese konkret aus?

Wir werden detailliert aufzeigen, was die verschiedenen Spitalvarianten kosten würden. Sprich, was kostet eine umfassende Renovation des bestehenden Gebäudes in Vaduz? Was kostet ein gegenüber dem an der Volksabstimmung gescheiterten Projekt von 2011 deutlich reduzierter Neubau am bestehenden Standort? Und schliesslich: Was steht auf dem «Preisschild» der Medicnova?

Was könnte auf diesem Preisschild stehen?

Der Preis für eine Variante «Medicnova» wird aus drei Komponenten bestehen: Zu berücksichtigen sind die Betreibergesellschaft, die Immobilie und die Umbaukosten. Mit der Betreibergesellschaft sind wir im Gespräch. Die Immobilie wird derzeit von Fachleuten überprüft. Dabei geht es nicht nur um die Frage des Wertes, sondern auch darum, was aus- oder umgebaut werden müsste. Neben dem Ausbau des noch leeren dritten Stockwerkes bräuchte es beispielsweise eine Notfallstation mit Notfallkojen und eine Zufahrt für den Rettungswagen. Das Bauliche muss in allen Varianten aber so gestaltet werden, dass die Leistungen eines Grundversorgungsspitals effizient erbracht werden können.

Werden auch Kosten und Nutzen einer stärkeren Kooperation mit Grabs aufgezeigt? Schliesslich gibt es auch Argumente, die für diese Variante sprechen würden.

Wenn es der Wille des Landtages oder des Volkes wäre, in Liechtenstein kein Spital mit stationären Betten mehr zu betreiben, dann könnten wir unsere stationäre Abteilung in Vaduz einfach schliessen und das Spital zu einem Ambulatorium umbauen oder auch ganz schliessen. Dazu brauchen wir keine zusätzliche Kooperation mit Grabs. Wir haben schon Spitalverträge mit Schweizer Spitälern, in denen Tarife und Konditionen festgelegt sind. In der Schweiz würden die stationären Patienten aus Liechtenstein mit offenen Armen empfangen.

Aber mal angenommen, alle unsere stationären Fälle gingen in die Schweiz – wir reden da immerhin von rund 6500 im Jahr – dann könnten wir doch im Gegenzug gewisse Forderungen stellen. Beispielsweise ein Mitspracherecht erwirken oder wir könnten St. Gallen anbieten, ihre Fälle in einem speziellen Bereich zu übernehmen und uns auf diese Nische zu konzentrieren.

Was für ein Interesse sollte die Schweiz haben, gewisse Bereiche an uns auszulagern? Sie hat selbst Überkapazitäten. Die Schweiz kennt zudem ein striktes Territorialitätsprinzip im Bereich der stationären Behandlungen. Es gibt ein paar wenige Ausnahmen in den Grenzregionen, aber das sind mehr Testballons, die in den letzten Jahren nur wenige Patienten ans Landesspital brachten.

Aber ein gewisses Mitspracherecht könnte man sich bei einer Kooperation erwirken.

Gut, da kann man sich aber fragen: Was bringt es uns, wenn wir in der Spitalregion Rheintal-Werdenberg-Sargans mitreden könnten? Wir wären dort immer der Junior-Partner und hätten nur geringen Einfluss auf Entscheide. Wir haben solche Szenarien bereits mehrfach abgeklärt und nie eine Lösung gefunden, die im Interesse des Landes wäre. Wir sind gute Kunden von Schweizer Spitälern und bekommen durch vertragliche Abmachungen hochstehende Leistungen zu einem fairen Preis. Mehr kann man realistischerweise nicht erwarten.

Aber vielleicht gäbe es Lösungen im Interesse der Patienten. In einem «Tagblatt»-Interview, das auch im «Vaterland» publiziert wurde, sagte Gesundheitsökonom Tilman Slembeck: «Die Fallzahlen sind ein guter Indikator für die Qualität medizinischer Leistungen. Sie sind gerade bei kleinen Spitälern oft ungenügend und können durch Konzentration des Leistungsangebots an wenigen Standorten gesteigert werden.» Kann ein Grundversorgungsspital in Vaduz überhaupt mit ausreichend guter Qualität betrieben werden?

Ich glaube, es ist sehr gut möglich, ein kleines Spital mit hoher Qualität zu betreiben. Das Landesspital fokussiert sich auf die einfachen und häufigen Fälle. Die Qualität hat nicht nur mit Fallzahlen zu tun, sondern mit Faktoren wie Hygiene, Qualität der Pflege oder ganz allgemein der Qualitätsorientierung eines Hauses. Diese Faktoren hängen nicht von der Grös­se ab, sondern können vielleicht gerade in einem kleinen Spital besser gewährleistet werden. Aber ich stimme insofern zu: Für die medizinische Qualität von komplexen Operationen braucht es ganz klar gewisse Fallzahlen. Aber in dieser Liga spielen wir gar nicht. Bei gängigen Operationen sind die geforderten Mindestfallzahlen nach dem «Zürcher Modell» übrigens nicht so exorbitant hoch, die können wir erreichen.

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