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Fotos: Michael Zanghellini, Montage: VB
Politik
Liechtenstein|07.06.2018 (Aktualisiert am 08.06.18 02:15)

Risch ignoriert VU-Abgeordnete - Nimmt er die Bedenken ernst?


VADUZ – Zu später Stunde ignorierte Infrastrukturminister Daniel Risch am Mittwoch im Landtag eine unbequeme Frage der VU-Abgeordneten und Landtags-Vizepräsidentin Gunilla Marxer-Kranz. Dabei ging es um die Sicherheit im Tunnel Gnalp-Steg.


Fotos: Michael Zanghellini, Montage: VB


VADUZ – Zu später Stunde ignorierte Infrastrukturminister Daniel Risch am Mittwoch im Landtag eine unbequeme Frage der VU-Abgeordneten und Landtags-Vizepräsidentin Gunilla Marxer-Kranz. Dabei ging es um die Sicherheit im Tunnel Gnalp-Steg.


Daniel Seger (FBP).

"Mehrere, vielleicht auch alle Landtagsabgeordneten haben in den letzten Wochen Post von Xaver Jehle erhalten", sagte der Abgeordnete Daniel Seger (FBP) am Mittwochabend im Landtag. Die Abgeordneten waren gerade dabei, den Infrastrukturminister Daniel Risch zu seinem Teil des Rechenschaftsberichts zu befragen.  

Dies wohlgemerkt gegen 23.30 Uhr, kurz vor dem Ende einer wahrlichen Mammutsitzung. Und dann fällt dieser Name. Xaver Jehle.

Der erfahrene Tunnelbauer aus Schaan reichte einen Gegenvorschlag zur von der Regierung angedachten Sanierung des Tunnels Gnalp-Steg ein. Der Grund: Die Sicherheit sei nicht gewährleistet. Tatsächlich wird der Tunnel auch nach der Sanierung nicht der geltenden Verkehrsnorm entsprechen. Es werden keine Fluchtwege gebaut. Zwar gibt es SOS-Telefonnischen, doch diese wären im Falle eines Brandes eher "Todesfallen", so Jehle. Zudem wird die Fahrbahn nicht verbreitert und die Höhe nicht vergrössert. Grössere Fahrzeuge müssen daher weiterhin in der Mitte fahren. Für einen gängigen Reisebus ist der Tunnel gar zu klein, als dass dessen Fahrer guten Gewissens hindurch fahren kann.

"Ich frage mich, nimmt die Regierung bzw. das ABI diese Hinweise ernst?"

Gunilla Marxer-Kranz (VU), Landtags-Vizepräsidentin

Mit diesen und zahlreichen weiteren Bedenken lobbyiert Jehle seit geraumer Zeit bei Regierung, Amt, Landtag und Gerichten - ja sogar Zeitungsinserate hat er geschaltet. Ohne Erfolg. Mehr Sicherheit im Tunnel Gnalp-Steg ist aus Sicht der Regierung zu teuer, wie sich an einer Pressekonferenz herausstellte.

Seger und Marxer-Kranz zeigen sich besorgt

Der Abgeordnete Daniel Seger stellte am Mittwoch im Landtag schliesslich eine sachliche Frage: "Mich interessiert, was für eine neue Fahrbahn verlegt wurde und ob diese Fahrbahn brennbar ist."

Gunilla Marxer-Kranz (VU)

Doch dabei sollte es nicht bleiben: "Ich schliesse da an die Frage des Abgeordneten Daniel Seger an, bezüglich der verschiedenen Schreiben von Herrn Jehle. Dass die Sicherheitsvorkehrungen im Tunnel nach der Sanierung völlig unzureichend seien", sagte Landtags-Vizepräsidentin Gunilla Marxer-Kranz (VU) wenig später und begab sich auf die Metaebene: "Ich frage mich, nimmt die Regierung bzw. das ABI diese Hinweise ernst?"

Konkret wollte Marxer-Kranz wissen, ob die Regierung Jehles Hinweise "fachlich – das heisst von Tunnelspezialisten, von denen es in der Schweiz und Österreich sicher genügend gibt – begutachten oder überprüfen" liess. 

Risch ignoriert Marxer-Kranz

Infrastrukturminister Daniel Risch antwortete, da war es bereits 23.40 Uhr, deutlich – allerdings nur auf die Frage von Daniel Seger: Im Tunnel werde ein Asphaltbelag eingebaut, "der dem heutigen Stand der Technik entspricht und in praktisch allen ähnlichen Tunnels auch eingebaut wird".  

Der Belag bestehe aus einem Kies-Sand-Gemisch, welches von einem Bindemittel zusammengehalten wird. Brennbar sei lediglich dieses Bindemittel. Dieses würde sich jedoch bei hohen Temperaturen verflüchtigen. "Die Fahrbahn selbst ist aber nicht brennbar, also: Es kann nicht zu einem Brand kommen", sagte der Minister. 

Die Frage von Gunilla Marxer-Kranz ignorierte der Minister und liess damit einmal mehr Zweifel daran aufkommen, ob die Bedenken von Xaver Jehle auf offizieller Seite überhaupt ernst genommen werden. 

Daniel Oehry (FBP).

Kleine Anfrage pendent

Mindestens eine Gelegenheit, um zur Tunnelsanierung Stellung zu nehmen, bietet sich dem Minister am kommenden Freitag. Dann muss er die Kleine Anfrage des FBP-Fraktionssprechers Daniel Oehry beantworten.

Oehry beschäftigt ein aktueller Vorfall im San-Bernardino-Tunnel. Dieser zeige eindrücklich auf, was passieren kann, wenn ein Bus in Brand gerät, und dies nicht Aufgrund eines Unfalls. Randnotiz: Personen kamen nicht zu Schaden, weil sie sich in einen Schutzstollen retten konnten.

Das sind die Fragen dazu, auf deren Beantwortung mit Spannung gewartet werden darf:

  • Der Auslöser für den Unfall im San-Bernardino-Tunnel war nach den Medienberichten kein Unfall. Welche Auswirkungen hätte ein identischer Brand im Tunnel Gnalp-Steg?
  • Im Kanton Graubünden ist bei identischen Tunnels zum Beispiel eine Brandnotbeleuchtung vorgeschrieben, wobei diese bei uns unter die nicht zu realisierenden Standards fällt. Wie würden sich Personen bei uns orientieren, wenn in wenigen Sekunden der Tunnel - analog San-Bernardino-Unfall - mit Rauch gefüllt wäre?
(ds)

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