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Petra Büchel mit Roman Banzer und Hansjörg Quaderer (von links) anlässlich der Buchpräsentation von «Entwürfe» im Gasometer. (Fotos: Michael Zanghellini)
Kultur
Liechtenstein|02.12.2022 (Aktualisiert am 02.12.22 12:59)

Zukunftskunst in Möglichkeitsräumen

SCHAAN - Im neuen Band «Entwürfe» der Literaturhaus-Serie «Liechtenstein erzählen» berichten Mitbürger und Amtsvertreter von ihren Zukunftsvisionen für das Land.

Petra Büchel mit Roman Banzer und Hansjörg Quaderer (von links) anlässlich der Buchpräsentation von «Entwürfe» im Gasometer. (Fotos: Michael Zanghellini)

SCHAAN - Im neuen Band «Entwürfe» der Literaturhaus-Serie «Liechtenstein erzählen» berichten Mitbürger und Amtsvertreter von ihren Zukunftsvisionen für das Land.

Auch Geschichtsschreibung ist nicht nur ein Festhalten quasi naturwissenschaftlich verbürgter Fakten, sondern im Wesentlichen eine Form des Erzählens, wie man es sonst nur der Literatur zuschreiben würde. Blickt man in alte Chroniken, in mittelalterliche oder gar antike Quellen, würde jeder sofort zustimmen, dass es sich zumeist um perspektivisch gefärbte Historiografien handelt. Ein römischer Dichter und Geschichtsschreiber berichtet von Gerüchten über germanische Stämme jenseits des Limes, lobt die Weisheit seines jetzigen Kaisers und tadelt die Unfähigkeit seines Vorgängers. Alles Trug? Nein, nur perspektivische Erzählungen und oft die einzigen überlieferten Schriftquellen für antike Ereignisse, die heutigen Geschichtsforschern zur Verfügung stehen. Mittelalterliche Chroniken zeigen ein ganz ähnliches, von keiner seinerzeitigen kritisch-medialen Öffentlichkeit korrigiertes Bild.

Geschichte ist erzählte Perspektive

Ist im 20. oder gar 21. Jahrhundert alles besser geworden? Jein. Denn auch im medialen Aufbruch vor etwas mehr als hundert Jahren (Fotografie, Tageszeitungen, Film, Radio, Kino-Wochenschau) kämpften sich noch zahllose Ideologien zwischen Demokratie, Diktatur, (absolutistischer) Monarchie, Kommunismus, Faschismus durch Kriege und Krisen quer durch Europa. Und was diese «modernen Zeiten» brachten, war letztlich nur eine Explosion ideologisch eingefärbter Geschichtsschreibungen und Narrative, je nachdem in welchem Land und in welcher Dekade Zeitereignisse geschildert wurden.

Der nun dämmernde Verdacht ist korrekt: Geschichtsschreibung war nie naturwissenschaftlich objektive Faktenbeschreibung, sie ist es heute nicht und wird es auch in Zukunft nicht sein. Geschichtsschreibung war, ist und wird sein: Geschichte(n) erzählen aus verschieden motivierten Perspektiven. Deshalb konnte das Literaturhaus Liechtenstein vor fünf Jahren auch guten Gewissens das Projekt «Liechtenstein erzählen» starten, um ein anderes Licht auf Vergangenheit und Zukunft dieses Landes zu werfen, weil «alternative Fakten» (Copyright Donald-Trump-Beraterin Kellyanne Conway im Januar 2017) in Wahrheit «alternative Erzählperspektiven» bedeutet.

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(jm)

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