Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Während es bemalte Eier schon seit Jahrtausenden gibt, taucht der Osterhase erst zum Ende des 17. Jahrhunderts in der Überlieferung auf. Die Vorstellung über das Aussehen des Osterhasen unterscheidet sich je nach Erdteil. So ist das Fabelwesen im englischen Sprachraum zum Beispiel ein Kaninchen. (Symbolfoto: Shutterstock)
Kultur
Liechtenstein|21.04.2019

Der Osterhase, ein Fabelwesen als Träger eines christlichen Symbols

SCHAAN - Zu Ostern gehen Gross und Klein wieder auf Eiersuche. Bis heute ist unklar, woher dieser Brauch stammt und auch was es genau mit dem Osterhasen auf sich hat. Fest steht, dass die Wurzeln der Tradition einige Jahrtausende alt sind.

Während es bemalte Eier schon seit Jahrtausenden gibt, taucht der Osterhase erst zum Ende des 17. Jahrhunderts in der Überlieferung auf. Die Vorstellung über das Aussehen des Osterhasen unterscheidet sich je nach Erdteil. So ist das Fabelwesen im englischen Sprachraum zum Beispiel ein Kaninchen. (Symbolfoto: Shutterstock)

SCHAAN - Zu Ostern gehen Gross und Klein wieder auf Eiersuche. Bis heute ist unklar, woher dieser Brauch stammt und auch was es genau mit dem Osterhasen auf sich hat. Fest steht, dass die Wurzeln der Tradition einige Jahrtausende alt sind.

Bunt bemalte Eier in liebevoll dekorierten Nestern versteckt – Ostereier sind zweifellos eine der bekanntesten Traditionen zum Osterfest. Nur die Wenigsten wissen aber, dass der eigentliche Brauch um mehrere Jahrtausende älter ist, als das Osterfest selbst. Tatsächlich fanden Archäologen im südlichen Teil Afrikas Hinweise auf bemalte Strausseneier, die rund 60 000 Jahre alt seien. Und auch bei den Ägyptern und Sumerern dienten bemalte Eier vor 5000 Jahren als Grabbeigabe. Dieser Brauch findet sich teilweise auch im antiken Europa. Die ersten Christen, die sich diesem Brauch annahmen, lebten in Mesopotamien (heute Syrien und Irak). Diese färbten Eier zur Fastenzeit zum Beispiel rot, was an das Blut Jesu erinnern sollte. Die Eier bunt zu bemalen hatte aber auch einen praktischen Hintergrund: Da die Christen ab Aschermittwoch kein Fleisch und keine Eier mehr essen durften, kochten sie diese. Somit wurden die Eier haltbarer. Mit den verschiedenen Farben kennzeichneten die Menschen die jeweilige Haltbarkeit der Eier.

Bis sich der Brauch des Eierfärbens zu Ostern aber im grossen Stil durchsetzte, sollten noch mehrere Jahrhunderte vergehen. Erst im 12. Jahrhundert begann die katholische Kirche in der Fastenzeit Eier zu segnen. Diese galten in der Theologie als ein Symbol der Auferstehung. Im Verlauf des 14. Jahrhundert scheint sich die Tradition dann allmählich auch im privaten Bereich durchzusetzen. Versteckt werden die Ostereier jedoch erst seit Ende des 17. Jahrhunderts: Ein Abt aus Baden-Württemberg schreibt 1691 in seinem Tagebuch, dass Kinder die Ostereier suchen mussten.

Etwa zur selben Zeit kam auch die Legende des Osterhasen zum ersten Mal auf. Dieser verstecke die Ostereier im hohen Gras oder in Sträuchern, sodass die Kinder diese im Anschluss suchen müssen. Vor der Fabel mit dem Osterhasen galt die Vorstellung, dass die Kirchenglocken die Ostereier am Ostersonntag bei ihrer Rückkehr aus Rom mitbringen. Die Glocken sollen jeweils an Gründonnerstag nach Rom geflogen sein.

Osterhase symbolisiert Dreieinigkeit

Woher der Osterhase kommt oder wovon der Brauch abgeleitet wird, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Frühe Ostereier schmückte scheinbar oftmals ein sogenanntes «Dreihasenbild». Dieses stellt drei Hasen in einer Kreisform dar. Die Hasen sind dabei so angeordnet, dass ihre Ohren ein Dreieck formen. So haben alle drei Hasen jeweils ein Ohrenpaar, wobei eigentlich nur drei einzelne Ohren auf dem Bild zu sehen sind. Das «Dreihasenbild» wird daher auch als ein Symbol für die heilige Dreieinigkeit gedeutet.

Besonders im 19. Jahrhundert erlebte die Osterhasen-Fabel – zumindest in Europa – einen enormen Aufschwung. Tatsächlich ist die Industrialisierung dafür verantwortlich: Durch die Automatisierung konnte Rübenzucker viel günstiger hergestellt werden als früher. Dadurch gab es zum ersten Mal Schokoladenhasen und -eier für die breite Öffentlichkeit. Durch deutsche Auswanderer habe sich der Brauch dann auch ausserhalb von Europa schnell verbreitet. Im englischsprachigen Raum wurde der Osterhase schnell unter dem Namen «Easter Bunny» bekannt. Tatsächlich war dies aber eine falsche Übersetzung. Denn die wörtliche Übersetzung von «Hase» wäre «Hare» und nicht «Bunny», was für «Kaninchen» steht. Deshalb interpretieren die Menschen englischsprachiger Nationen das Fabelwesen üblicherweise als Kaninchen.

(mw)

Teile diesen Artikel mit deinen Freunden

Nächster Artikel
Kultur
Liechtenstein|gestern 09:50
«Der Eidechsenkönig» oder die Poesie von Einsamkeit und Erinnerung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung