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Stefan Frommelt sieht im neuen Jazzfestival eine wichtige Bühne für die heimischen Jazzmusiker und hoff t auf ein grösseres Echo für Jazz . (Foto: Paul Trummer)
Kultur
Liechtenstein|20.03.2019 (Aktualisiert am 20.03.19 09:33)

«Ich freue mich auf sehr viel Jazz»

SCHAAN/ESCHEN - Dem heimischen Jazz wird mit dem 1. Liechtensteinischen Jazzfestival, das dieses Wochenende stattfindet, eine neue Bühne gegeben. Das «Volksblatt» hat sich vorab mit dem Jazzpianisten Stefan Frommelt über Jazz und mehr unterhalten.

Stefan Frommelt sieht im neuen Jazzfestival eine wichtige Bühne für die heimischen Jazzmusiker und hoff t auf ein grösseres Echo für Jazz . (Foto: Paul Trummer)

SCHAAN/ESCHEN - Dem heimischen Jazz wird mit dem 1. Liechtensteinischen Jazzfestival, das dieses Wochenende stattfindet, eine neue Bühne gegeben. Das «Volksblatt» hat sich vorab mit dem Jazzpianisten Stefan Frommelt über Jazz und mehr unterhalten.

Herr Frommelt, wann kamen Sie eigentlich erstmals mit Jazz im Land in Berührung?

Stefan Frommelt: Oha ... ich habe mit elf, zwölf Jahren die Swingplatten meines Vaters gehört, Benny Goodman, Louis Armstrong und Glen Miller, auf und ab, bis die Platten verkratzt und kaum mehr zu hören waren. Auch hatte ich Klavierunterricht bei Istvan Lork, der selbst fantastisch Jazz spielte und mir Boogie und Blues beibrachte. «Girl from Ipanema» war dann mein erster Jazzstandard und ich war total fasziniert von der Musik.

Wie war das für Sie, Jazz?

Ich habe diese Musik von Kind an geliebt. Wir hatten zu Hause immer wieder Hauskonzerte, klassische. Nach den eigentlichen Konzerten griffen die Pianisten immer wieder in die Tasten, spielten Jazz. Ich sass als Bub unter dem Flügel und spielte mit dem Tamburin mit, bis tief in die Nacht hinein. Ich habe begeistert zugehört – diese Momente haben mich musikalisch schon geprägt.

Sie haben Musik studiert. Jazz oder war es eine andere Richtung?

Innerhalb der Familie gab es anfangs Knatsch, die Eltern wollten nicht, dass ich nur Jazz mache, habenes mir nicht erlaubt. Sie wollten, dass ich Klassik spiele. Dann kam eine Sinnkrise zur Maturazeit, was soll ich machen. Ich kann ja nichts anderes als Musik, bin für anderes nicht zu gebrauchen (lacht). Aber Klassik wollte ich nicht. In Wien habe ich dann Schulmusik studiert, dort aber entdeckt, dass ich unbedingt Jazz studieren möchte. Meine heutige Frau studierte anfangs auch in ­ Wien, wechselte dann nach Bern und das war für mich der Fingerzeig, an der SwissJazzSchool neu anzufangen. Später wechselte ich nach Luzern an die Jazzschule, an der ich 2000 abschloss. So kam ich im zweiten Anlauf zum Jazz. 

Jazz in Liechtenstein – gibt es so etwas wie eine Szene hier im Land?

Eine Szene wie New York sicher nicht, aber die hat auch die Schweiz nicht wirklich. Aber was es hier gibt, sind viele hervorragende Ausbildungsstätten, die nur eine Stunde auseinander liegen – Zürich, Bern, Luzern, Basel oder Lausanne. Die bilden unter sich eine Szene, tauschen sich aus, bilden Formationen, spielen zusammen. Wir Liechtensteiner können da voll dabei sein. Auch bildet das Bündner, St. Galler, Vorarlberger und Liechtensteiner Rheintal einen regionalen Musikerpool, der immer attraktiver wird.

Jazz-Pianist Stefan From­melt spielt mit seinem Trio auch am 1. Liechten­steinischen Jazzfestival. (Foto: Paul Trum­mer)

Ich danke Benno Marxer heute noch für seine begeisternde und anhaltende Initiative, hochklassigen Big Band-Jazz immer wieder neu auf die Bühne zu bringen.

Stefan Frommelt, Jazz-Pianist

In Ihrem Trio sind keine Musiker aus dem Land – wieso?

Sorry, stimmt nicht, Marvin Studer aus Mauren, lebt in Nendeln, studiert als Master-Performance Student Jazzschlagzeug an der Hochschule für Musik in Luzern und ist ein Hammer-Drummer, der auch leise grooven kann, super soliert und komponiert! Es gibt aber auch sonst verhältnismäs­sig viele tolle Musiker in Liechtenstein, die seit Jahren intensiv Jazz spielen wie die Sandro Pallua Group oder die Big Band Liechtenstein, die heuer ihren 35. Geburtstag feiert, ich durfte mit 18 die ersten zwei Jahre am Altosax mitspielen. Das behalte ich als wunderbare Erinnerung und danke Benno Marxer heute noch für seine begeisternde und anhaltende Initiative, hochklassigen Big Band-Jazz immer wieder neu auf die Bühne zu bringen. Auch habe ich als Lehrer an der Musikschule, wo ich neben Jazz Rock Pop-Klavier und Keyboard auch Bandworkshops, Rock-, Pop- und Jazzworkshops anbiete, viele, die Jazz spielen und dranbleiben ­wollen, wie die bekannten «Schuani’s Seven». Und andere merken, dass man wirklich arbeiten, viel üben muss und der Aufwand höher wäre für den berühmten grünen Zweig, da macht nicht jeder mit.

Kann man als Jazzer von der Musik leben?

Alle, die am Jazzfestival auftreten, arbeiten und spielen intensiv Jazz. Im Studium aber verfolgen fast alle nicht nur die Performance, sondern auch das Pädagogikdiplom, um an einer Musikschule unterrichten zu können. Aber den meisten gelingt es, mindestens sich selbst finanziell mit den Konzertgagen, als Produzent von Gebrauchsmusik, als Begleiter, als Sideman in rentablen Formationen oder als Instrumental- und Gesangslehrer an privaten und öffentlichen Musikschulen den Lebensunterhalt zu sichern. Es gilt dann, die richtige Work/Life-Balance finden. 

Für die heimische Jazzszene öffnet sich am Wochenende eine neue Bühne. Was soll es bringen?

Aus der Sicht des Musikers ist es spannend, zu sehen und zu hören, was Kollegen, die man sonst nicht so trifft, musikalisch machen. Sie leben irgendwo verteilt und so ist es schwieriger, ihre Projekte zu verfolgen. Um so mehr freut mich diese geballte Ladung an liechtensteinischem Jazz im TAK und in der Tangen­te, spannend und konzentriert an einem Wochenende. Es ist die Gelegenheit für Leute, die sonst wenig Jazz hören, Berührungsängste abzulegen und ein Ohr den vielen tollen Musikerinnen und Musikern mit ihrer spannenden Musik zu leihen. Wir hören die beiden Tage sicher nicht nur Standards, sondern freuen uns auf viele eigene Musikschöpfungen dieser Formationen liechtensteinischer Jazzmusiker. Beim Glas danach erfährt man dann sicher einige Hintergrundinfos, wie musikalische oder familiäre Wurzeln.

 Das Jazzfestival. Wahnsinnig, genial! Was für ein Lebenszeichen für den Jazz im Land das doch ist.

Stefan Frommelt, Jazz-Pianist

Was erwarten Sie vom Festival?

Ich erhoffe mir ein grösseres Echo für den Jazz in Liechtenstein und der Region. Ich habe den Vorarlberger Jazzpreis verfolgt, wünschte mir auch so eine Plattform, die ich dann mit Karl Gassner von der Tangente ansprach. Ein paar Wochen später präsentierte er mit Thomas Spieckermann vom TAK die Idee des Jazzfestivals. Wahnsinnig, genial! Was für ein Lebenszeichen für den Jazz im Land das doch ist. Zugleich ist es auch eine Plattform für uns Musiker, uns zu zeigen. Darüber hinaus kann man uns engagieren für weitere Konzerte, zum Teil auch für private Feiern oder Firmenanlässe, wir können Jingles und Filmmusik produzieren und noch viel mehr. Von Hand gemachte, leidenschaftliche Musik, nicht am PC zu Tode frisiert. Der Jazz lebt davon, dass wir uns gegenseitig animieren, um die vielen Melodie- und Rhythmusideen in unserem Kopf direkt jetzt im Kontext des Stückes spielen zu können. So wollen wir authentisch, aus tiefster Hingabe zur Musik im Augenblick improvisieren. Dafür leben wir. 

Stefan From­melt erhofft sich durch das neue Liechten­steinische Jazzfestival auch ein grös­seres Echo für den Jazz im Land und der Region. (Foto: Paul Trum­mer)

Bringt das Stefan Frommelt Trio etwas Spezielles mit auf die Bühne?

Das Trio hat sich auch neu formiert, und mit Florian King am Bass ist ein unglaublich toller und bereichernder Musiker zu Marvin (Studer, drums) und mir gestossen. Wir spielen ein neues Programm mit lauter Kompositionen von uns Dreien, einen gewichtigen Anteil dabei bilden Florians tolle Stücke.

Gibt es ein Konzert, auf das Sie sich speziell freuen?

Natürlich neben dem, dass wir spielen können, freue ich mich zu hören, was andere machen. Karin Ospelt, Werner Hasler oder Gregor Hilbe. Und Manuel Büchels Hypervitaminose, das ist immer faszinierend, wie er durchkomponierte span­nende Minimalmusic mit seiner humorvollen Art rüberbringt. Spannend sicher auch das Amik Guerra Quintett. Je mehr Jazzmusik, um so besser, ich freue mich drauf.

Was für ein Publikum darf sich das 1. Liechtensteiner Jazzfestival auf keinen Fall entgehen lassen?

Ich finde, Jazz ist eine Musik, die man live geniessen soll. Jedes offene Publikum kann sich einlassen und einfach geniessen, wie jetzt im Moment des Konzertes, mit spannenden Kompositionen und Improvisationen auf hohem Niveau Musik kreiert wird. Jeder ist dann ein Teil dieser kreativen Schöpfung des Augenblicks. Das können Retortenmusik und abgespielter Sound nie leisten. Hier ist man dabei bei etwas, das jetzt im Augenblick entsteht und das es vorher nicht gegeben hat.

Und Ihr Jazz-Wunsch für die Zukunft?

Ich will dranbleiben können, mit meinem Trio viel spielen, sodass die Band in eine Routineform kommt, sich blind vertrauen kann. Dass jeden Abend etwas Spannendes, Neues entsteht.

(eg)

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