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Der Kinderarzt Remo Largo sprach mit Dramaturg Jan Sellke (links) und Intendant Thomas Spieckermann (rechts) in der TAK-Lounge über Kindsein und deren Entwicklung. (Foto: Paul Trummer)
Kultur
Liechtenstein|14.11.2018

«Wir müssen die Umwelt so gestalten, dass die Kinder sich ent­wickeln können»

SCHAAN - Der bekannte Schweizer Kinderarzt Remo Largo sprach vergangenen Montag im TAK über Bildung, Entwicklung und sein letztes Buch «Das passende Leben» und ging besonders auf die Bedeutung der Individualität eines jeden Menschen ein.

Der Kinderarzt Remo Largo sprach mit Dramaturg Jan Sellke (links) und Intendant Thomas Spieckermann (rechts) in der TAK-Lounge über Kindsein und deren Entwicklung. (Foto: Paul Trummer)

SCHAAN - Der bekannte Schweizer Kinderarzt Remo Largo sprach vergangenen Montag im TAK über Bildung, Entwicklung und sein letztes Buch «Das passende Leben» und ging besonders auf die Bedeutung der Individualität eines jeden Menschen ein.

Es gibt unzählige Elternratgeber auf dem Markt. Das Besondere an denen von Remo Largo ist, dass er keine fertige Lösung präsentiert, sondern beschreibt, was mit den Kindern passiert und die Eltern diese somit besser verstehen können. «Wenn die Eltern merken, warum ein Kind beispielsweise Schlafstörungen hat, befähigt es sie, das Problem selber zu lösen», erklärt der Kinderarzt im TAK-Gespräch mit Thomas Spieckermann (Intendant) und Jan Sellke (Leitung Dramaturgie und Kommunikation). «Wir Menschen haben ein merkwürdiges Verhalten zu uns selber», erklärt er und verdeutlicht dies anhand von Tieren, die sich nur in einer bestimmten, für sie angepassten Umgebung wohlfühlen. Mit uns sollten wir genauso umgehen. «Was sind wir für Tiere? Welche Bedürfnisse haben wir?»

Variierendes Ausmass der Bedürfnisse
Hier geht Largo von sechs Grundbedürfnissen aus, die bei jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägt seien: Das Körperliche (Ernährung, Gesundheit, Sexualität, Fitness), Geborgenheit und Zuwendung, soziale Anerkennung und Akzeptanz, Selbstentfaltung und existenzielle Sicherheit. Es sei wichtig, herauszufinden, was einem selber und seinen Kindern entspreche: «Man kann nur ein erfülltes Leben führen, wenn man seine eigene Individualität lebt.» Hinzu komme, neben den eigenen Stärken seine Schwächen zu erkennen und sein Selbstwertgefühl und das des Kindes nicht von diesen abhängig zu machen. «Das Kind darf nicht das Gefühl haben, dass Mama es weniger liebt, wenn es nicht gut rechnen kann.»

«Jedes Kind will lernen»
Die Leistungsgesellschaft werde immer mehr zum Problem. «Ein Kind möchte sein Potenzial ausschöpfen», so Largo. Nur leider sei uns das allzu oft zu wenig. Noten, Drill und Strafe erreichen hier nur das Gegenteil. Man könne das eigene Potenzial nicht überstrapazieren und dennoch versuchen wir es aufgrund eigener Existenzängste immer wieder, anstatt darauf zu vertrauen, dass sich jedes Kind entwickelt, und zwar in den Bereichen, die ihm entsprechen, und nicht in denen, die wir für geeignet halten. Solch ein fremdbestimmter Druck demotiviere die Kinder nur. «Wir müssen die Umwelt so gestalten, dass die Kinder sich gut entwickeln können.» Ganz wichtig sei hier der Kontakt zu anderen Kindern. Wenn sie vor dem iPhone ­sitzen, seien nicht die Medien das Problem, sondern die Frage: «Welche Erfahrungen machen sie in dieser Zeit nicht?» Es ginge nicht darum, den Kindern Dinge beizubringen oder zu verbieten. «Man muss sie ­ihnen ermöglichen!»

Veranstaltung passend zum Vortrag-Thema

  • Was: «Jakob von Gunten» – Schauspiel nach Robert Walser vom Theaterhaus Zürich.
  • Wann: Mittwoch- und Donnerstagabend, den 14. und 15. November, jeweils 20 Uhr
  • Wo: SAL, Schaan
  • Weitere Infos: Zum Programm und Kartenvorverkauf unter www.tak.li
(eg)

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