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Kultur
Liechtenstein|06.09.2018

TAK-Saison 2018/19: «Man darf sich auf grosses Theater freuen»

SCHAAN - Nächste Woche eröffnet das TAK Theater Liechtenstein die neue Spielsaison mit der Eigenproduktion «In einem finsteren Haus». Intendant Thomas Spieckermann freut sich sehr auf die neue Saison, wie er in einem Gespräch mit dem «Volksblatt» berichtet.

SCHAAN - Nächste Woche eröffnet das TAK Theater Liechtenstein die neue Spielsaison mit der Eigenproduktion «In einem finsteren Haus». Intendant Thomas Spieckermann freut sich sehr auf die neue Saison, wie er in einem Gespräch mit dem «Volksblatt» berichtet.

«Volksblatt»: Herr Spieckermann, Sie sind seit drei Jahren im Land und starten in einer Woche die vierte Spielzeit als Intendant im TAK. Es scheint Ihnen bei uns zu gefallen.
Thomas Spieckermann:
Ja, das stimmt, das ist wirklich so. Einfach weil es ein spannendes Haus ist, in dem man viel machen kann. Und weil es unglaublich interessant ist, das Programm zu gestalten und zu sehen, wie es umgesetzt und angenommen wird. Und auch weil es eine besondere Region ist, die mir gut gefällt. Ich bin gerne hier, ich fühle mich sehr wohl hier und habe den Eindruck, es passt einfach.

Ist ein Mehrspartenhaus wie das TAK Ihr Ding?
Das ist absolut mein Ding. Ich habe Erfahrungen von unterschiedlichen Häusern, Einspartenhäusern wie Dreispartenhäusern, hierher mitgebracht. Ich habe in meiner beruflichen Vergangenheit überwiegend im Schauspiel gearbeitet, aber auch im Musik- und Tanztheater. Diese Kombination der verschiedenen Theatergenre und der unterschiedlichen Spiel- und Ausdrucksmittel fand ich immer sehr bereichernd. In ihrer Vielfalt besonders auch für’s Publikum.

Eine Sparte ist das Schauspiel. Mit «In einem finsteren Haus» wird die Saison eröffnet.
Ich glaube, das Stück funktioniert ein bisschen wie ein «Tatort». Es ist ein Psychothriller. Ein Kammerstück mit drei Figuren – zwei Brüder, beide Mitte 40, mit weiten Lebenswegen hinter sich, die aufeinandertreffen, ohne ihre frühere Familiengeschichte jemals aufgearbeitet zu haben. Ein extrem spannendes Stück, das ganz einfach anfängt und hopplahopp findet man sich in den Abgründen der menschlichen Seele wieder. Und darin ist der Autor ein Meister. Neil LaBute versucht, im Alltäglichen des Menschen in die Abgründe zu schauen und das macht das Stück unglaublich überraschend und reich.

Braucht das TAK die Eigenproduktionen?

Ich finde schon, weil das eine Möglichkeit eröffnet, mit Künstlerinnen und Künstlern, die hier im Land leben, zu arbeiten. Es gibt hier im Land in ganz unterschiedlichen Bereichen sehr spannende Künstler. Und das Theater ist ja hier im Land. Wir machen hier Theater und deshalb gehört es meiner Ansicht nach einfach dazu, auch heimische Künstler zu engagieren. Ich finde schon, dass man als Haus hier im Land auch schauen muss, was in der Region da ist, welche Künstler es hier gibt und was man zusammen machen kann. Diese Eigenproduktion ist ein Beispiel dafür, es gibt aber auch viele andere. Für Schauspieler sind Eigenproduktionen, um darauf zurückzukommen, ein Vorteil, weil sie in jeder Inszenierung mit anderen Regisseuren, anderen Ansätzen und anderen Mitspielern in Kontakt kommen. Man bereichert sich gegenseitig.

Dann gibt es eine Reihe Gastspiele. Auf was freuen Sie sich besonders?
Eigentlich ist es wie ein Festivalprogramm über das Jahr hinweg. Im Grunde freue ich mich auf jede Veranstaltung, aber eines der grossen Highlights dieser Saison ist sicher der «Jakob von Gunten» vom Schauspielhaus Zürich, eine monumental gros­se Inszenierung von Barbara Frey, der Intendantin in Zürich. Ein grosses Stück, hervorragende Schauspieler wie Michael Maertens. Dann aber auch die «Nora» vom Residenztheater München. Ich halte es für ein phänomenal gutes Spielensemble, wie es nur wenige gibt. Man darf sich also auf grosses Theater freuen.

Ein weiterer Bereich sind die Klassik-Konzerte. Was für Weltklasse kommt ins Land?

Wir haben einige grosse Topstars unter den Solisten wie Sol Gabetta, Martin Grubinger oder Krystian Zimerman. Dann Orchester wie zum Beispiel die Nationale Philharmonie Russland mit grossen Konzerten. Auf der einen Seite schaut man sicher darauf, welche weltbekannten Stars hier bei uns auftreten. Auf der anderen Seite sind auch herausragende Künstler dabei, die (noch) nicht in jedermanns Munde sind. Zum Beispiel Martin Stadtfeld, den ich für einen grossartigen Pianisten halte. Oder die Aufführung des «Don Giovanni», die als Oper zu uns kommt.

Am Bühnenrand erzählt Intendant Thomas Spieckermann über die kom­mende Spielsaison im TAK (Foto: Paul Trum­mer)

Nach welchen Kriterien wird diese Konzertreihe zusammengestellt?
Da kommen vier Aspekte zusammen. Das sind zuallererst natürlich die beteiligten Solisten und Orchester. Dann aber auch das gespielte Repertoire, das im Laufe einer Spielzeit die klassische Musik von der Alten Musik bis zur Moderne abbilden sollte. Dann die verschiedenen Genre, wenn man zum Beispiel eben an die Oper denkt. Und in einem machbaren finanziellen Rahmen muss sich das Ganze dann auch noch bewegen.

Sie sind ein Theatermacher. Wie ist Ihr Bezug zur Musik?

Meine Eltern und Grosseltern haben Klavier gespielt, von Kind an habe ich zu Hause das klassische Repertoire gehört, die klassische Musik des 19. Jahrhunderts war mein tägliches Musikerlebnis. In der Jugend musste dann natürlich was ganz anderes kommen. Ich habe den Bezug zur klassischen Musik für mich aber nie verloren. Ich habe auch selbst Klavier gelernt, aber nicht die Ausdauer zum täglichen Üben gehabt. Doch das Klavier hab’ ich noch. Und natürlich hat mich das klassische Repertoire später auch bei meiner Arbeit an Dreispartenhäusern beschäftigt.

Neu gibt es in Zusammenarbeit mit der Tangente das 1. Liechtensteiner Jazzfestival. Was erwartet uns da?
Das ist wirklich eine tolle Sache, finde ich. Und ich freu mich auch wirklich sehr auf die Zusammenarbeit mit Karl Gassner. Unser Gedanke war, an zwei Tagen die Jazzmusiker, die es aktiv im Land gibt, zusammenzubringen und sie auf unseren zwei Bühnen auftreten zu lassen. Das wird ein richtiges Festival, die Besucher werden von einer Bühne zur andern reisen und erleben dabei nicht nur zehn Bands, sondern auch die ganze Bandbreite des Liechtensteiner Jazz.

Wenn man das Programm 2018/19 überfliegt, findet man immer wieder Liechtensteinisches. Überzeugt die Qualität oder ist es eine Verpflichtung?
Dahinter steht wirklich schon der Qualitätsgedanke. In unserem Team kuratieren wir das gesamte Programm – egal, ob es im Kinder- und Jugendtheater, im Comedy oder in der Musik ist. Was wir dann zeigen, zeigen wir nicht aus Verpflichtung heraus, sondern weil wir denken, dass diese Vorstellungen zu uns passen und auf der Bühne gezeigt werden sollten.

TAK-Intendant Thomas Spieckermann fühlt sich wohl in "seinem" Mehrspartenhaus. (Foto: Paul Trum­mer)

«Der Vorhang fällt. Wir brechen auf.» Wohin bricht das TAK diese Saison auf?

(Lacht) Erst mal bricht das TAK auf in die neue Spielzeit. Dann bricht es auf in einen neuen erzählerischen Bogen über die Saison hinweg, der extrem reich ist an Geschichten und Figuren, die man miterleben und in denen man das Allzumenschliche nachvollziehen kann. Der Aufbruch ist dabei oft ein Schlüsselmoment. Man muss sich entscheiden, ob man den Mut aufbringt, etwas Neues anzufassen und mit Gewohntem zu brechen oder es gerade nicht zu tun. Der innere Aufbruch war sozusagen das bildnerische Motiv, das uns gereizt hat für die neue Spielzeit. Dieser Moment, dieser Impuls des sich Sammelns, Kraft nehmen und nach vorne gehen oder bewusst nicht zu gehen. Wir haben aber auch Stücke, in denen man sehen kann, was dann mit Figuren und Gesellschaften passiert, die sich jeder Veränderung verweigern. Zum Beispiel «Der Kirschgarten» vom Schauspielhaus Dortmund. Da ist eine russische Gesellschaft, die einfach erstarrt in ihren überkommenden Gewohnheiten und nicht in der Lage ist, sich zu verändern. Sie geht dann unter, wird vom Rad der Geschichte überrollt.

Und Sie selbst – wo geniessen Sie Kultur, wenn nicht im eigenen Haus, im TAK?

Ich fahre natürlich immer wieder auch herum, um mir Sachen anzuschauen für die nächsten Programme, die nächsten Jahre. Das ist eine unglaublich schöne Aufgabe, weil man dann eben immer wieder sieht, wie andere Häuser arbeiten, wo Ins­zenierungen gelingen oder misslingen. Was sind die Dinge, die einen Abend besonders machen? Aufführungen zu sehen, ist oftmals eine gehörige Quelle der Inspiration.


  • Alles über das TAK und die neue Spielsaison, die am Samstag, den 14. September eröffnet wird, online unter www.tak.li.


(eg)

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