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Mit viel Geduld und langer Vorbereitungszeit hat Roland Blum neben Fotos vom Bodensee mehrere spannende und mit neuem Blickwinkel gesehene, abstrakte Fotoserien aus Island zur Ausstellung in die Galerie Hollabolla gebracht. (Foto: ZVG)
Kultur
Liechtenstein|18.04.2018 (Aktualisiert am 18.04.18 17:43)

«Bei meinen Bildern geht es über die übliche Landschaftsfotografie hinaus»

ESCHEN - Was den Musiker und Fotografen Roland Blum an Landschaften interessiert, sind vor allem grafische Elemente. Seine Fotos sind abstrakte Malereien mit Licht, wie seine erste Ausstellung in der Galerie Hollabolla in Eschen beweist.

Mit viel Geduld und langer Vorbereitungszeit hat Roland Blum neben Fotos vom Bodensee mehrere spannende und mit neuem Blickwinkel gesehene, abstrakte Fotoserien aus Island zur Ausstellung in die Galerie Hollabolla gebracht. (Foto: ZVG)

ESCHEN - Was den Musiker und Fotografen Roland Blum an Landschaften interessiert, sind vor allem grafische Elemente. Seine Fotos sind abstrakte Malereien mit Licht, wie seine erste Ausstellung in der Galerie Hollabolla in Eschen beweist.

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Mit viel Geduld und langer Vorberei­tungs­zeit hat Roland Blum neben Fotos vom Bodensee mehrere span­nende und mit neuem Blickwinkel gesehene, abstrakte Fotoserien aus Island zur Aus­s...

«Volksblatt»: Herr Blum, Sie kamen schon früh in Kontakt mit der Fotografie.
Roland Blum: Ja, mein Vater war ein passionierter Fotograf und hatte eine professionelle, analoge Leica-Ausrüstung. Als Zwölfjähriger habe ich ihn lange angebettelt, selbst einmal damit fotografieren zu dürfen. Schliesslich gab er mir einen Film mit zwölf Bildern und sagte: «Mehr gibt’s jetzt mal nicht.» Da muss man dann bei jedem Bild überlegen: Soll ich oder soll ich nicht. Zudem muss man bei einer analogen Kamera alles händisch einstellen: Licht, Belichtungszeit, Schärfe und Tiefenschärfe. Eine extrem komplexe Angelegenheit. Ich glaube, die ersten zwölf Bilder waren dunkler als die Nacht. Aber ein Gefühl für die Kamera zu bekommen ist Gold wert. Ich habe öfters die Kamera ausgeliehen und habe 12er-Filme bekommen, konnte meinen Vater und andere Leute technische Sachen fragen. Es war learning by doing.

Bald kam aber die Musik dazwischen.
Ich habe mich dann mit ca. 14 Jahren der Musik zugewandt und zusammen mit mit Roland Beck und Sebastian Frommelt eine Band, in der wir verschiedene Sachen ausprobiert haben und viel improvisierten. Dann besuchte ich die Jazzschule Luzern mit Hauptfach Gitarre, habe neben der Schule Stunden gegeben und in einer Bigband und einer afrikanischen Band gespielt. Mich hat an der Musik immer das Klangmalerische interessiert – das schafft vielleicht einen Bogen zur Fotografie. Meine Musik hat auch einen visuellen Aspekt. Ich habe unter anderem für einen Film über Martin Frommelts Werk «Creation», den sein Sohn Sebastian gedreht hat, die Filmmusik gemacht.

Wo hat es denn bei der Fotografie bei Ihnen «klick» gemacht?
Als ich vor etwa sieben Jahren bei einer Wanderung im Lechgebiet an einen Punkt kam, von dem aus ich in drei Täler sah. Vor mir zog ein Gewitter auf, hinter mir schien die Sonne. Und das gab einen solch einzigartigen Lichteffekt, dass es mir innerlich «klick» gemacht hat. Ich hatte nur in dem Moment keine Kamera dabei.

Als Musikchef von Radio L haben Sie der Musik jedenfalls nicht adieu gesagt. Aber daneben ist die Fotografie Ihre grösste Leidenschaft.
Wenn man viel mit den Ohren arbeitet, muss man sie zwischendurch auslüften. Aber meine Musik wird immer einen wichtigen Platz in meinem Leben haben. Ich bin sehr gerne in der Natur, sehe mich aber nicht als Landschaftsfotografen. Mich interessieren vor allem abstrakte Themen und Linien, nicht etwas zu fotografieren, das schon hundertemal abgelichtet wurde. Ich gehe öfter an denselben Ort und muss ihn mir zunächst innerlich erschliessen. Der erste Kontakt ist oft ohne Kamera. Ich muss mich mit den Plätzen auseinandersetzen, manchmal mache ich mit dem Handy auch eine fotografische Notiz. Wenn ich dann etwas gesehen und gefühlt habe und das in ein Bild umsetzen kann, kann sich der Betrachter darauf einlassen.

Hat sich durch die Digitaltechnik, weg von der analogen Fotografie, die Fotografie für Sie verändert?
Es ist eine ganz andere Welt. Aber zwischen meinen früheren analogen Fotografien und meinen späteren digitalen Fotos liegt auch ein grosser zeitlicher Abstand, in dem ich mich selbst verändert habe.

Die Fotografie ist Ihnen jedenfalls so wichtig, dass Sie eine kostspielige Fotoreise nach Island zu den dortigen Eislandschaften gemacht haben. Fotos davon sind auch in Ihrer Ausstellung in der Galerie Hollabolla zu sehen. Wie kamen Sie auf die Idee zu dieser Reise?

Ich kenne ein paar Leute, die mir angesichts meiner Arbeiten eine Reise nach Island empfohlen haben. Ich habe lange gespart, habe es sogar nach einem halben Jahr übers Herz gebracht, eine meiner Gitarren zu verkaufen. Und dann habe ich mich auch intensiv vorbereitet, indem ich mit der Kamera über holprige Feldwege fuhr und fotografierte. In Island wollte ich nämlich ein ebenso holpriges Kleinflugzeug mieten – holprig wegen den Winden, die dort herrschen -, um aus der Luft Fotos von Eisflächen und Flussläufen zu schiessen. Ich wusste, ich brauche gutes Licht, wenig Wind, ein Teleobjektiv und habe nur wenige Versuche. Obwohl einige sagten, mit einem Tele werden die Fotos nie was, hat es dennoch geklappt.

Und wie sind Sie zu Ihren Sujets gekommen?
Ich habe ein Jahr lang geforscht und Kontakt mit Leuten vom isländischen meteorologischen Institut aufgenommen, die mich unglaublich unterstützt haben. Sie stellten mir Satellitenbilder und Ausschnitte von Landschaften zur Verfügung. Schliesslich reiste ich nach Island mit der Einstellung: Wenns nicht regnet, hat es sich schon gelohnt. Der andere Teil der Ausstellung besteht übrigens aus Arbeiten, die über mehrere Jahre am Bodensee entstanden sind und die einen starken lichtmalerischen Aspekt haben. Die verschiedenen Lichtstimmungen am See faszinieren mich und es zieht mich immer wieder dorthin.

Gibt es irgendeine Fotounternehmung, die Sie unbedingt noch machen wollen?
Ich habe viele Ideen im Hinterkopf, muss mich aber immer zuerst intensiv mit einem Ort auseinandersetzen, bevor ich hingehe und Fotos mache. Oft denke ich mir erst beim Zurückkommen: Es hat sich gelohnt. (jm)


Fotoausstellung von Roland Blum

  • Zwischenspiel.1: «by the water – into the ice – over the land» mit Fotografien vom Bodensee und aus Island
  • Dauer: bis Sonntag, den 22. April
  • Öffnungszeiten: Donnerstag und Freitag 14 – 19 Uhr, Samstag und Sonntag 11 – 17 Uhr
  • Weitere Infos auf galerie.hollabolla.li
(eg)

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