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Um in eine Rolle zu schlüpfen, braucht es viel Vorbereitung. Dazu gehören Dialoge zu lernen, über Epochen zu recherchieren und sich auf den Charakter einzulassen. (Foto: ZVG)
Karriere
Liechtenstein|17.07.2018 (Aktualisiert am 10.08.18 17:33)

Eiden­benz: «Bin meiner inneren Stimme bis nach Hol­ly­wood gefolgt»

Als erste Liechtensteinerin und jüngste von 119 Absolventen hat Anna Eidenbenz aus Triesen Ende Mai ihr Diplom an der American Academy of Dramatic Arts in Los Angeles bekommen. Gegenüber dem «Volksblatt» erzählt sie von ihrer Faszination für das Schauspiel und ihren Zielen für die Zukunft. Ihr Vater bekennt sich zu einer Lebensprüfung und erklärt, was ihm die Kraft gab, seine Tochter nach Los Angeles ziehen zu lassen.

Um in eine Rolle zu schlüpfen, braucht es viel Vorbereitung. Dazu gehören Dialoge zu lernen, über Epochen zu recherchieren und sich auf den Charakter einzulassen. (Foto: ZVG)

Als erste Liechtensteinerin und jüngste von 119 Absolventen hat Anna Eidenbenz aus Triesen Ende Mai ihr Diplom an der American Academy of Dramatic Arts in Los Angeles bekommen. Gegenüber dem «Volksblatt» erzählt sie von ihrer Faszination für das Schauspiel und ihren Zielen für die Zukunft. Ihr Vater bekennt sich zu einer Lebensprüfung und erklärt, was ihm die Kraft gab, seine Tochter nach Los Angeles ziehen zu lassen.

Die 18-jährige Anna Katharina Eidenbenz aus Triesen wusste schon früh, dass die Schauspielerei für sie mehr als nur ein Hobby ist. Mit der Aufnahme an der ältesten Schauspielschule der Staaten und ihrem Umzug nach Los Angeles verfolgt sie ihren Traum nun unter professioneller Anleitung. 

Anna Eidenbenz bei Ihrer Diplomübergabe in Los Angeles.

«Volksblatt»: Frau Eidenbenz, was haben Sie vor der Aufnahme an die American Academy of Dramatic Arts gemacht?

Anna Eidenbenz: Ich habe meinen Realschulabschluss an der Formatio Privatschule in Triesen gemacht und dann eine Lehre im kaufmännischen Bereich angefangen. Diese habe ich jedoch nach einem Jahr abge­brochen und ging nach Brighton um meine Englischkenntnisse aufzufrischen und mit einem Cambridge ­Advanced Zertifikat zu belegen.

«Die Schauspielerei und
das Theater gehören
für mich einfach nach
Hollywood. Man taucht
komplett in eine andere
Welt ein.»

Anna Katharina Eidenbenz

Und zu welchem Zeitpunkt wurde Ihnen bewusst, dass Sie Schauspielerin werden möchten?

Es war schon als Kind mein grosser Traum Schauspielerin zu werden und auf der Bühne zu stehen. Seit ich ein junges Mädchen war spielte ich in Schulaufführungen oder in Theaterstücken. Studierte Tänze und Choreogra­fien ein und führte sie meiner Familie vor. Mein Vater sagte mir eines Tages: «Die Schauspielerei zieht sich durch dein Leben wie ein roter Faden.» Bis jetzt hat er damit auch wirklich recht behalten. Die Schauspielerei und das Dramatische machen mich schon seit ich denken kann glücklich und darum war es für mich relativ klar, dass ­dies mein Weg sein wird. 


Als Sie Ihren Wunsch Schauspielerin zu werden ausgesprochen haben, hatten Sie gleich alle auf Ihrer Seite oder mussten Sie für eine Anmeldung an der Academy kämpfen?

Es gab nicht wirklich viele in meinem Umfeld, die von Anfang an begeistert oder wenigstens ein bisschen dafür waren, dass ich diesen Berufszweig wählte. Es gab auch einige Zweifel aus dem Kreis meines nächsten Umfeldes, doch mein Vater (Niggi Eidenbenz) unterstützte meinen Traum von Anfang an. Dass ich mich in dieser schwierigen Situation durchsetzten konnte, zeigte mir, dass ich mein Leben aus tiefstem Herzen der Schauspielerei widmen möchte und es nicht nur eine «Phase» war. Schlussendlich macht mich diese Entscheidung jeden Tag aufs Neue glücklich.

Anna Katharina Eidenbenz und einer ihrer Schauspielkol­legen in Los Angeles.

Wie nahmen Sie die grosse Umstellung vom kleinen Liechtenstein ins grosse Los Angeles wahr?

Trotz der neuen Stadt und den vielen neuen Begegnungen, die ich in kürzester Zeit gemacht habe, hatte ich zu keinem Zeitpunkt Angst. Es war eher ein konstantes Gefühl der Freude. Natürlich geht man alles ein bisschen naiv und vielleicht ein bisschen zu hoffnungsvoll an, doch am Ende ist für mich alles gut herausgekommen. Doch es war nicht alles nur Sonnenschein. Die ersten Wochen waren hart. Man musste sich zuerst an alles gewöhnen und ich habe niemanden an der Academy oder sonst jemanden in Los Angeles gekannt. Doch meine Motivation, endlich das zu tun, was ich immer wollte und meine Liebe zu dieser Kunst haben mich durch alles hindurchgebracht.

«Man muss seiner inneren
Stimme vertrauen und
Träume verwirklichen.»

Niggi Eidenbenz, Vater von Anna Katharina Eidenbenz

Herr Eidenbenz, wie war es für Sie Ihre damals erst 16-jährige Tochter alleine nach Los Angeles gehen zu lassen?

Niggi Eidenbenz: Es war eine sehr aussergewöhnliche Situation auf die man sich nicht vorbereiten kann. Zwei Dinge waren für mich wichtig, die mir den Abschied leichter gemacht haben. Erstens musste ich mir unerwartet früh im Klaren sein, dass dies ihr eigenes Leben ist und sie so ihren Traum verwirklichen kann. Ich denke Anna ist auch ein Vorbild für viele junge Menschen, die noch nicht genau wissen, was sie in ihrer Zukunft gerne machen möchten oder momentan einen Beruf ausüben, der ihnen gar nicht gefällt. Man muss versuchen einfach auf die innere Stimme zu hören, dieser vertrauen und Träume verwirklichen. Dann spielt es auch keine Rolle, wo auf der Welt man sich befindet. Das war bei Anna so eindeutig. Die Konsequenz, dass sie also irgendwann in die Welt hinauszieht, war für mich logisch. Zweitens hat es mir sehr geholfen, dass ich Anna bei ihrer ersten Reise nach Los Angeles begleitet habe und sah, wo sie die nächsten 18 Monate untergebracht ist. So konnte ich entspannt und voller Vertrauen wieder nach Liechtenstein reisen.

Wie sah Ihr Alltag in Los Angeles in den letzten zwei Jahren aus?

Anna Eidenbenz: Um sieben Uhr morgens aufstehen, die Stimme aufwärmen, Theaterstücke proben, Übungen in der Gruppe machen, Unterrichtsblöcke besuchen usw. Man kann also sagen uns wurde nie langweilig. Neben Recherchearbeiten ­sahen wir uns auch verschiedenste Filme aus unterschiedlichen Zeitperioden an und so waren es sehr lange Tage in Los Angeles. Ich kann mich nicht an viele Tage erinnern, an denen ich vor ein Uhr in der Nacht wieder ins Bett gegangen bin.

In Los Angeles übten die Studenten Stücke am laufenden Band ein.

Lassen Sie sich komplett auf eine Rolle ein, die Sie in einem Stück spielen oder versuchen Sie ein bisschen «Anna» hineinzubringen?

Für mich persönlich, denn es gibt so viele unterschiedliche Techniken, um in eine Rolle zu schlüpfen, ist es am besten, wenn ich mich komplett in eine Rolle hineinversetzen kann und sie trotzdem zu der meinigen mache. Jeder Schauspieler gibt in jede Rolle etwas hinein, das niemand anderes genauso tun könnte. 

Wie bereiten Sie sich auf eine Rolle in der Academy vor?

Natürlich spielt die Art der Rolle und die Art des Stückes eine grosse Rolle in meiner Vorbereitung. Spielen wir beispielsweise eine Komödie, machen wir Witze, lachen viel und probieren eine gewisse Leichtigkeit auszustrahlen. Bei tieferen Rollen ist es wichtig, in eine Sicherheit zu verfallen, um sich von der Melancholie nicht überrollen zu lassen. 

Wie gross ist die Gefahr sich zu sehr in eine Rolle hineinzusteigern und deren Gemütszustand anzunehmen?

Als ich einen Monolog vorbereiten musste, war es von der Rolle vorgegeben, dabei zu weinen. Doch unser Körper kennt den Unterschied zwischen echten und gespielten Tränen nicht und so ging es mir mental zu dieser Zeit schlecht. Darum ist es wichtig, sich selbst vor Augen zu halten, dass dies nicht echt ist und zu wissen, dass so etwas passieren kann und darf. Auf der Bühne fühle ich mich aber sicher, denn ich kenne den nächsten Schritt, den nächsten Satz und das Ende des Stückes. Dazu steht das echte Leben als kompletter Gegenpol. Man weiss nie, was dir widerfahren kann. 

«Auf der Bühne lebe ich definitiv Dinge, die mich ausmachen und schon seit meiner Kindheit begleiten.»

Anna Katharina Eidenbenz

Um einen Abschluss zu erlangen, legt man Prüfungen ab. Wie kann man sich also Tests an einer solch praxisorientierten Schule vorstellen?

Wir hatten sowohl praktische, als auch theoretische Prüfungen. Hauptsächlich haben wir Theaterstücke aufgeführt und haben nach jedem Semester sogenannte «Exam­plays» gehabt. Diese wurden von Experten bewertet und benotet. Doch wir legten auch schriftliche Prüfungen ab. Beispielsweise mussten wir das Internationale Phonetische Alphabet lernen, um Töne und Akzente singen und spielen zu können. Auch schrieben wir Biografien und gaben Theaterreportagen ab. Eine der aufwändigeren Prüfungen war eine Biografie über sich selbst zu verfassen und diese in 50 Seiten in einen Charakter zu verwandeln. Bei dieser Aufgabe lernten wir uns alle sehr gut kennen und verarbeiteten Dinge aus unserer Kindheit oder dachten uns: «Genau dieser Moment macht mich aus und formte mich zu dem Menschen, der ich heute bin.»

Was hat Ihnen in den zwei Jahren an der Academy am besten gefallen?

Es gab extrem viele Dinge, die mir geblieben sind und an die ich gerne zurückdenke. Wenn ich mich jedoch für etwas entscheiden muss, würde ich das erste Semester des zweiten Jahres auswählen. In dieser Zeit war wirklich immer etwas los und unsere Schule ist dafür bekannt, dass dieses Semester extrem stressig werden kann. Wir lernten konstant Stücke, führten diese auf, mussten Monologe lernen und Akzente perfektionieren. Dazu kamen noch alle schriftlichen Aufgaben. Für mich war es aber ein herrliches Gefühl, denn als ich es geschafft habe, wurde mir klar, dass ich jetzt alles schaffen kann.

Die Kostüme sind häufig Requisiten von vergangenen Auffüh­rungen.

Gab es eine Rolle, die Ihnen besonders gut gefallen hat?

Es gab eine Rolle, bei der sogar meine Lehrerin fand, dass diese wie für mich gemacht war. Das Stück «Laundry and Bourbon» spielt in den 70er-Jahren in Maynard, Texas. Die Geschichte spielt von drei Frauen, die Bourbon trinken und sich über Männer unterhalten. Elizabeth und Hattie waren Freunde, meine «Amy Lee» stiess erst gegen Ende hinzu und brachte noch zusätzlich einen hinterlistigen Charakter ins Spiel. Insgesamt war das Stück einfach extrem unterhaltsam und meine Rolle war, gelinde gesagt, das i-Tüpfelchen. Dieses Komödienhafte und doch Dramatische macht mir einfach Spass. Im ersten Jahr in Los Angeles waren meine Haare ganz blond und so spielte ich auch oft die «dümmliche» Blondine. Egal was ich tat oder sagte die Leute sahen dies als Grund an, um zu lachen.

In Hollywood tummeln sich angehende Schauspieler und warten auf den grossen Durchbruch. Wie fühlt es sich an «eine von vielen» zu sein?

Ich habe mein eigenes Ziel und fokussiere mich ganz auf mich selbst. In Los Angeles denke ich nicht wirklich daran, wie viele andere mit mir meinen Traum teilen, oder wie ich mit der Schnelllebigkeit mithalten kann. Was für mich aber gut funktioniert, ist mich mit niemanden zu vergleichen, sondern einfach das zu tun, was ich kann und möchte. Man kann nicht besser sein als alle anderen, doch man kann die beste Version von sich selbst sein. 

«Mir ist es nicht wichtig, reich oder berühmt zu werden und das war es auch noch nie.»

Anna Katharina Eidenbenz

Nach zwei Jahren an der Academy geht es für Sie nun weiter an die «Company Class».

Genau. «Company Class» ist aber keine weitere Ausbildung im herkömmlichen Sinn. Dort üben wir Theaterstücke am laufenden Band ein und führen diese dann öffentlich auf. Das Jahr dort wird in drei «Seasons» aufgeteilt, in denen wir je fünf Stücke aufführen werden. 

Wie stellen Sie sich Ihre ideale Zukunft vor?

Mir ist es nicht wichtig, reich oder berühmt zu werden und das war es auch noch nie. Ich möchte einfach schauspielern und vor einer Kamera oder auf der Bühne stehen. Und meine Gefühle in meine Kunst investieren und so meinen Lebensunterhalt verdienen. 

Dieses Jahr ist ent­scheidend für die Zukunft von Anna Katharina Eidenbenz.

Werden Sie nach dem Jahr an der «Company» in Los Angeles bleiben oder kommen Sie wieder nach Liechtenstein zurück?

Dieses Jahr wird für meine Zukunft entscheidend sein. Es gibt neben den Theaterstücken auch noch andere Dinge, die mich in meinem Beruf faszinieren. So würde ich gerne Action-Szenen oder Stunts performen. Oder auch die Maskenbildnerei interessiert mich, denn in der Academy hatten wir auch Kosmetikkurse, in denen wir lernten Wunden zu schminken. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass ich gerne in Hollywood bleiben möchte.

Ihr Vater erzählte auch, dass Sie schon Erfahrungen als «Camera Assistant» sammeln durften. Stehen Sie nun also lieber vor oder hinter der Kamera?

Mir gefällt beides sehr gut. Denn auch hinter der Kamera lernt man sehr viel. Doch vor der Kamera und auf der Bühne zu stehen ist meine grosse Leidenschaft.

Gab es zu irgendeinem Moment Zweifel, dass Sie sich eventuell falsch entschieden haben?

Nein, nicht einmal. Für mich ist es interessant zurückzublicken und zu sehen, wie sehr ich mich verändert habe. Als ich nach Los Angeles reiste, hatte ich weit weniger Selbstvertrauen und jetzt geht es mir einfach besser. Ich fühle mich wohler in meinem Körper und bin mit meiner Persönlichkeit zufrieden. Das gibt mir immer wieder die Kraft, zu sagen: «Ich bin auf dem richtigen Weg.» Die Schauspielerei hat mir schon so viel gegeben, dass ich damit nicht mehr aufhören kann.

(eo)

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