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Liechtenstein|10.09.2020 (Aktualisiert am 10.09.20 14:30)

Was der «Thomas-Kreis­lauf» mit den Land­tags­wahlen zu tun hat

VADUZ - Im kommenden Februar wird der nächste Landtag gewählt. Wir Wählerinnen und Wähler sind schon gespannt darauf, zu erfahren, welche Personen sich der Wahl stellen. Das Angebot der Kandidierenden setzt schon den Rahmen für die zukünftige Zusammensetzung des Landtags. Und hier kommt der sogenannte «Thomas-Kreislauf» ins Spiel, ein Phänomen bei der Selektion von Führungspersonen in der Wirtschaft.

Eine Untersuchung der AllBright-Stiftung aus dem Jahre 2017 brachte zutage, dass Vorstände deutscher Grossunternehmen sehr homogen besetzt sind. Die Mitglieder sind zu 93 Prozent Männer, durchschnittlich 53 Jahre alt und vom Beruf her Wirtschaftswissenschaftler oder Ingenieure. Und sie heissen überdurchschnittlich häufig Thomas oder Michael.
Es gibt in den deutschen Grossunternehmen mehr Vorstandsmitglieder mit Namen Thomas und Michael als Frauen. Ein amüsanter Gedanke. Die rasche Überprüfung beim Liechtensteiner Landtag zeigt: Aktuell befinden sich dort drei Frauen und – tatsächlich – drei Abgeordnete mit Namen Thomas und einen stellvertretenden Abgeordneten namens Michael.

Der Status Quo wird reproduziert

Das Interessante an dieser Studie ist die Erkenntnis, dass Führungskräfte bei der Auswahl neuer Mitglieder in den traditionellen Abläufen und Vorstellungen gefangen sind. Sie suchen und entscheiden teilweise unbewusst nach dem immer gleichen Schema. Bei der Rekrutierung geraten daher diejenigen Personen in den Fokus, die vom Profil her den Bisherigen ähnlich sind. Anders gesagt, Thomas rekrutiert einen Thomas, und der wiederum einen mit ähnlichem Profil und Werdegang.
Die liechtensteinischen Parteien klagen, wie schwierig es ist, Frauen für die Politik zu gewinnen. Trotz vieler Anfragen würden sich nur wenige für eine Kandidatur entscheiden. Aber könnte der konstante Männerüberhang in der Politik nicht auch daran liegen, dass – vielleicht unbewusst – auf den immer gleichen Pfaden nach Personen gesucht wird, die dem typischen und männlichen Politiker-Schema entsprechen? Ist damit auch erklärbar, wieso bei der Besetzung von Kommissionen und strategischen Führungsebenen häufiger Männer zum Zug kommen?

Kreativität bei der Suche

Die Verantwortlichen der Studie empfehlen, bei der Rekrutierung kreativ zu sein und über den Tellerrand zu schauen. Qualifizierte Frauen seien nicht unbedingt da zu finden, wo «Thomas» ist. Wir von «Vielfalt in der Politik» erhoffen uns für den nächsten Landtag eine gute Mischung aus Männern und Frauen, Älteren und Jüngeren und verschiedenen Berufsgruppen. Mit unserem Wahlbarometer werden wir bis zu den Wahlen im Februar 2021 in regelmässigen Abständen aufzeigen, ob wir dazu auf gutem Weg sind. Nichts gegen Thomas, aber drei sind genug! 

Mehr dazu auf www.vielfalt.li

(pr)

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