Max Heinzer (links) und Benjamin Steffen treten im WM-Teamwettbewerb der Degenfechter mit der Schweiz als Titelverteidiger an
Sport
International|15.07.2019

Schweizer Männer-Equipe als Titelverteidiger gefordert

FECHTEN - Die Schweizer Degenfechter sind an den am Montag beginnenden Weltmeisterschaften in Budapest als Titelverteidiger im Männerteam-Wettbewerb gefordert.

Max Heinzer (links) und Benjamin Steffen treten im WM-Teamwettbewerb der Degenfechter mit der Schweiz als Titelverteidiger an

FECHTEN - Die Schweizer Degenfechter sind an den am Montag beginnenden Weltmeisterschaften in Budapest als Titelverteidiger im Männerteam-Wettbewerb gefordert.

Die Weltmeisterschaften liegen innerhalb der einjährigen Olympia-Qualifikationsphase, die bis Mai 2020 andauert, und werden mit doppelter Punktzahl vergütet. Die Top 4 der Welt plus der nachfolgend beste Europäer lösen die Olympia-Fahrkarte als Team und verfügen damit automatisch auch über drei Einzel-Startplätze.

Aktuell sind die Schweizer Männer die Nummer 2 der Welt. Die erste Weltcupveranstaltung in der laufenden Qualifikationsphase hatten die Schweizer vor zwei Monaten in Paris gewonnen, an den Europameisterschaften im Vormonat resultierte der 6. Rang. Nach den WM fallen noch vier Weltcups der nächsten Saison in die Qualifikationsphase.

Erst für die Sommerspiele 2024 realistisch ist eine Team-Qualifikation der Schweizer Frauen um die letztjährige WM-Dritte Laura Stähli, die ihre sensationell gewonnene Bronzemedaille nicht annähernd bestätigen konnte. An den EM vor einem Monat war die Baslerin im Einzel gar die schwächste Schweizerin und scheiterte bereits in der Vorrunde.

Genau wie an den EM von 2018 blieben auch die Schweizer Männer an den EM im Vormonat ohne Medaillengewinn. Mit dem ersten Team-WM-Gold vor einem Jahr in China schrieben Max Heinzer, Benjamin Steffen, Michele Niggeler und Lucas Malcotti aber Schweizer Sportgeschichte.

Gute und schlechte Omen

Im WM-Einzel sind die Schweizer Männer indes seit 2013 ohne Medaillengewinn. Damals, es war ebenfalls in Budapest der Fall, hatte Fabian Kauter WM-Bronze geholt. Als erster Schweizer überhaupt ist der nicht mehr im Nationalteam aktive Berner seither zweifacher Einzel-WM-Medaillengewinner. 2011 hatte er in Nîmes ebenfalls Bronze gewonnen.

Ebenfalls 2013 in Budapest waren die Schweizer im Teamwettbewerb mit Heinzer und Steffen zwar nicht als Welt-, aber immerhin als Europameister und Weltnummer 1 angetreten - und dann im Teamwettbewerb bereits in den Achtelfinals an Tschechien gescheitert.

Heinzer warnt heuer schon vor dem Auftaktgefecht in den Sechzehntelfinals. "Kuba wäre beispielsweise sehr unangenehm. Denn die sind in der Weltrangliste aufgrund ihrer Reisebeschränkungen deutlich unter Wert klassiert."

Um den zweiten Wettkampftag mit den Top 8 zu erreichen, muss die Schweiz in den Achtelfinals allenfalls wie 2013 wieder gegen Tschechien antreten. "Die Verteidigung des WM-Titels ist schon unser Ziel. Doch vorrangig gilt es, im Kampf um die Olympia-Qualifikation auf Kurs zu bleiben", so Heinzer gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Dafür wäre ein Viertelfinal-Vorstoss für die Schweiz notwendig. An den EM im Vormonat waren die Schweizer auf dieser Höhe an Dänemark gescheitert. Jene Niederlage in der Verlängerung nagt noch heute an Heinzer.

Der Strafpunkt zum vermeintlichen Schweizer Sieg in der Verlängerung war aus Sicht des Schwyzers von der technischen Jury zu Unrecht zurückgenommen worden. "Ein direkter Gegen-Protest von uns gegen die Korrektur des Tatsachen-Entscheids der Kampfrichterin wäre durchgekommen", ist der Schweizer Teamleader überzeugt.

Als Konsequenz wird nun jeweils der Schweizer Video-Analyst Silvio Fernandez, der einst selbst ein Fechter von Weltklasse-Format war, ins Schweizer Coaching-Team an der Bahn integriert. Bei der Video-Analyse der EM wurde indes auch dem gegen Dänemark eingebrochenen Michele Niggeler aufgezeigt, was er machen muss, um den Rhythmus eines Gegners zu brechen. "Insgesamt verhielt er sich zu brav", so Heinzer.

Heinzer angeschlagen

Heinzer, der als Nummer 15 der Welt als einziger Schweizer für die Top 64 im Einzel gesetzt ist, wird selbst nicht in Topverfassung antreten. Wie der Olympia-Vierte Benjamin Steffen, dem seit geraumer Zeit Hüftbeschwerden zu schaffen machen, ist Heinzer handicapiert.

Der Schweizer Rekord-Weltcupsieger und EM-Medaillengewinner leidet seit zwei Monaten an einer schmerzhaften Knochenprellung an der rechten Fechthand. "Ich kann im Training seither nicht die gleiche Intensität gehen und sehe mich nicht als Topfavorit." Die Einnahme von Schmerzmitteln wird für den zweifachen Olympia-Diplomgewinner von Rio unumgänglich sein.

(sda)

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