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Nach dem Aufstieg von Real Mallorca brachen am Sonntagabend im Estadio Son Moix alle Dämme
Sport
International|25.06.2019

Rafael Nadal, Steve Nash und das grosse Comeback von Mallorca

FUSSBALL - Die grösste Sommerparty auf Mallorca findet nicht am Ballermann statt. Im Stadion Son Moix feiern die Einheimischen am Sonntag den Aufstieg von Real Mallorca in die höchste Liga Spaniens.

Nach dem Aufstieg von Real Mallorca brachen am Sonntagabend im Estadio Son Moix alle Dämme

FUSSBALL - Die grösste Sommerparty auf Mallorca findet nicht am Ballermann statt. Im Stadion Son Moix feiern die Einheimischen am Sonntag den Aufstieg von Real Mallorca in die höchste Liga Spaniens.

Es gibt viele Klischees rund um den Real Club Deportivo Mallorca. Zum Beispiel diese: Im Stadion Son Moix rund 15 km vom Ballermann entfernt wird vornehmlich deutsch gesprochen, fliessen Bier und Sangría in grossen Mengen und werden Hamburger, Curry-Wurst und Pommes-Frites haufenweise konsumiert. Stimmt so nicht. Im Stadion von Real Mallorca sind die Einheimischen meist unter sich. Sie schlürfen schwarzen Kaffee und knabbern Pistazienkerne.

Am späten Sonntagabend war das Stadion mal wieder proppenvoll und als es gegen Mitternacht zuging, war anders als sonst das Knacken der Pistazienschalen nicht mehr zu hören. Die etwas mehr als 20'000 Fans lagen sich in den Armen, und oben auf der Tribüne tanzte der König von Mallorca, nein!, nicht Jürgen Drews, sondern der Einheimische Rafael Nadal, mitten in der Menge. Eben hatte Abdon Prats kurz vor dem Ende das 3:0 erzielt, mit einem sehenswerten Linksschuss aus über 20 Metern. Mit drei wunderbaren Toren schaffte Real Mallorca gegen La Coruña die Wende nach der 0:2-Niederlage im Hinspiel der letzten Runde der Aufstiegsplayoffs.

David gegen Goliath

Deshalb kommt nun in der nächsten Saison die Fussball-Prominenz wieder berufshalber auf die Ferieninsel, erstmals seit 2013 und dem Abstieg von Real Mallorca in die Segunda Division. Lionel Messi, Eden Hazard und Antoine Griezmann. Sergio Ramos und Luis Suarez. Es werden klassische Spiele von David gegen Goliath. Real Madrid hat in den letzten Wochen rund 300 Millionen Euro für Transfers ausgegeben. Damit hätte der Rekordmeister fast drei Mal das gesamte Kader von Real Mallorca kaufen können.

Der Held vom Sonntag, Abdon Prats, wäre für ein paar hunderttausend Euro zu haben. Er ist der Liebling der Fans, weil er auf Mallorca - im Provinzstädtchen Artà ganz im Osten der Insel - aufgewachsen und im Klub gross geworden ist. Nach ein paar Jahren auf dem Festland kehrte der 26-jährige Prats vor zwei Jahren nach Mallorca zurück. Der Klub war da gerade erstmals seit 35 Jahren in die Drittklassigkeit abgestiegen. Prats kam, um zu helfen. Das wird ihm im Umfeld von Son Moix hoch angerechnet. Mit 14 Toren schoss er Mallorca zurück in die 2. Liga. Auf dieser Stufe war er dann nicht mehr erste Wahl und schoss aber doch das wichtigste Tor von Real Mallorca seit fast 20 Jahren.

Geldgeber aus den USA

Damals um die Jahrtausendwende gehörte der Klub zur erweiterten Spitze Spaniens und Europas. 1999 stand Mallorca im Final des Cup der Cupsieger. Zwei Jahre später spielte er in der Champions League. Der Publikumsliebling hiess damals nicht Prats sondern Samuel Eto'o, der mit 54 Toren noch immer der Rekordtorschütze im Verein ist. 2004 zog Eto'o weiter zum FC Barcelona, und mit Real Mallorca ging es abwärts. 2010 wurde dem Klub wegen finanzieller Unregelmässigkeiten die Teilnahme an der Europa League verweigert, dann drohte der Kollaps, der zwar finanziell vermieden wurde, nicht aber sportlich: 2013 stieg Mallorca ab.

Ruhe kehrte erst vor etwas mehr als drei Jahren ein. Eine amerikanische Investorengruppe um die Besitzer des NBA-Teams Phoenix Suns erwarb die Aktienmehrheit. Zu dieser Gruppe gehört auch die NBA-Legende Steve Nash. Er und Nadal sind übrigens dank Real Mallorca eng befreundet. Die Amerikaner sprangen auch nicht ab, als Real Mallorca 2017 in die 3. Liga relegiert wurde. Mit kleinen Schritten wollten sie zurück in die höchste Spielklasse. War die Rückkehr in die 2. Liga noch erwartet worden, war vor einem Jahr nach dem Aufstieg das Ziel, sich erst einmal auf dieser Stufe zu konsolidieren. Gegen Teams wie La Coruña, Malaga oder Sporting Gijon startete Mallorca nur als Aussenseiter. Doch nun ist der Klub früher als geplant zurück unter der Elite - und macht Son Moix zu einem neuen Hotspot auf der Insel.

(sda)

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