Vermischtes
Liechtenstein|27.11.2007

"Oberhirte ohne Bodenkontakt"

VADUZ - Die Errichtung des Erzbistums Vaduz durch Papst Johannes Paul II. am 2. Dezember 1997 hat die römisch-katholische Kirche Liechtensteins von Grund auf verändert. Erzbischof Wolfgang Haas sei nach zehn Jahren "ein Oberhirte ohne Bodenkontakt", schreibt die Schweizer Nachrichtenagentur SDA in einer Mitteilung von Dienstag.
 
Immer am 15. August liest der Erzbischof die Messe auf der Vaduzer Schlosswiese zum Liechtensteiner Staatsfeiertag. Ansonsten lebt der 59-jährige Wolfgang Haas zurückgezogen im Kreise seiner Anhänger und Priester.
In Chur war Haas von Beginn und bis zum Schluss mit Protesten heftigen konfrontiert. Im Fürstentum mit über 80 Prozent Katholikinnen und Katholiken klang der Protest im Laufe der Zeit ab. Ablehnung manifestiert sich trotzdem immer noch, etwa dadurch, dass Eltern sich weigern, ihre Kinder durch Haas firmen zu lassen.

Nichts mehr wie vorher
Der in Liechtenstein geborene Erzbischof machte nach der Amtsübernahme am 21. Dezember 1997 rasch tabula rasa. Er löste das Dekanat auf, die kirchliche Verwaltungseinheit für das Fürstentum, verbannte Laientheologen aus dem Kirchendienst oder stellte das Erscheinen des Kirchenblattes «In Christo» ein.
Das gab Zündstoff, der sich unter anderem am Religionsunterricht entlud. Schliesslich verständigten sich die Regierung und das Erzbistum auf die Trennung des Unterrichts. Fast 90 Prozent der römisch-katholischen Schülerinnen und Schüler besuchen nach der Grundschule heute das überkonfessionelle Fach «Religion und Kultur».

Hirte einer Randgruppe
«Herzbischof» wolle er sein, verkündete Haas an der Amtseinsetzung in der zur Kathedrale erhobenen Vaduzer Pfarrkirche St. Florin. «Das Herz ist mittendrin, doch das Erzbistum scheint nur für eine Randgruppe wirklich wichtig zu sein», sagt der Theologe Christoph Klein vom Verein für eine offene Kirche.
Dieser Verein, mit fast 1000 Mitgliedern einer der grössten in Liechtenstein, entwickelte sich von einer Protestbewegung zur Heimat religiös Suchender. Die Förderung religöser Vielfalt in der Kirche ist ein Hauptzweck.

Verein verrichtet Basisarbeit
«Unser Kraftzentrum ist der Gottesdienst, den wir am dritten Sonntag im Monat im Kloster St. Elisabeth in Schaan feiern», sagt Christoph Klein. Regelmässig sei die Kapelle bis auf den letzten Platz besetzt. Daneben verrichtet der Verein kirchliche Basisarbeit mit Kindern, Familien und Erwachsenen.
«Die Tür steht offen, mehr noch das Herz», heisst es auf der Internetseite des Erzbistums. Mit dem Erzbischof in Kontakt zu treten, ist indessen schwierig. Er schottet sich ab. Eine Anfrage der Nachrichtenagentur SDA für ein Interview mit dem Oberhirten lehnte Generalvikar Markus Walser ohne Begründung ab.

Kirche und Staat werden getrennt
Es ist das Geheimnis des verstorbenen Papstes Johannes Paul II., ob er mit der Bildung der Rom direkt unterstellten Erzdiözese ein Personalproblem im Bistum Chur lösen wollte oder andere Ziele verfolgte.
Überrascht waren vor zehn Jahren alle Katholiken im Churer Bistum, zu dem auch das Fürstentum über 1500 Jahre gehörte, Fürst Hans-Adam II., die Liechtensteiner Regierung, die der Amtseinsetzung fern blieb, und Wolfgang Haas selber.
Zur Ruhe kommt der Kleinstaat am Rhein nicht. Die Regierung hat eine Vorlage angekündigt zur Trennung von Kirche und Staat. Erzbischof Haas will diesen Schritt, der Landesfürst auch. Die Regierung informiert nächsten Frühling, wie die Umsetzung erfolgen soll. Die Vorlage ist brisant, es geht um Geld und Güter. (SDA)

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