Storm Störmer brachten das hässliche Gesicht der Literatur auf die Bühne im Schlösslekeller. (Foto: Paul Trummer)
Kultur
Liechtenstein|28.03.2017 (Aktualisiert am 28.03.17 13:17)

Storm Störmer: «Die Karriere dieses Buches ist echt verstörend»

VADUZ - Catherin Störmer und Andreas Storm lesen ungehäuerlich schlechte Bücher. Das liegt jedoch nicht am schlechten Geschmack, sondern ist als Dienstleistung zu verstehen. Im Schlösslekeller präsentierten sie wahrlich grauenhafte Literatur.

Storm Störmer brachten das hässliche Gesicht der Literatur auf die Bühne im Schlösslekeller. (Foto: Paul Trummer)

VADUZ - Catherin Störmer und Andreas Storm lesen ungehäuerlich schlechte Bücher. Das liegt jedoch nicht am schlechten Geschmack, sondern ist als Dienstleistung zu verstehen. Im Schlösslekeller präsentierten sie wahrlich grauenhafte Literatur.

Papier ist Geduldig oder «ein Brief errötet nicht». Das wusste schon Cicero. Bei der Lektüre der Werke, die das Duo «Storm Störmer» am Sonntag im Schlösslekeller vorstellte, würde der Philosoph diese Aussage wohl nochmals überdenken. Kaum vorzustellen, dass es bei diesen Ergüssen teils renommierter Schriftsteller nicht die Schamesröte in die Papierbögen getrieben hat, als sie damit bedruckt wurden. Angenommen haben sie die Tinte dennoch und bescheren Catherin Störmer und Andreas Storm nun bereits seit Jahren massig Stoff für ihr Programm «Worst case szenario».

Unterirdische Romane

Allen voran wohl Stefan Knapps «Die Abenteuer des Stefón Rudel», das ungeniert als literarischer Super Gau bezeichnet werden darf oder wie Andreas Storm resümierte: «Das schlechteste Buch, das je in deutscher Zunge geschrieben wurde.» Gespickt mit unsäglichen Rechtschreibfehlern und im Schreibstil eines minderbegabten Erstklässlers verfasst, wirft das «Buch» ernsthafte Zweifel auf, ob es sich dabei nicht um Satire handeln könnte. Bei all den formalen Unzulänglichkeiten ist es dem Autor nebenbei auch noch beispielhaft misslungen die effektive Handlung zu vermitteln – wenn es sie denn gibt. So hatten auch Storm Störmer erfolglos danach gesucht. Doch warum tun sich zwei gelernte Schauspieler das an und führen sich bewusst schlechte Literatur zu Gemüte? «Repräsentatives Lesen», erklärt Catherin Störmer: «Wir lesen das, damit Sie es nicht müssen!»

«Hätte ich das nur früher gewusst», wird sich jetzt wohl so mancher Leser von Anna Todds «After Passion» ärgern. Die 700 Seiten der seichten Lovestory könne sich nämlich jeder getrost sparen, warnte Storm und löste auf: «Es passiert rein gar nichts.» Ganz im Gegenteil zu «ALLES.» von Bodo und Bianca Illner. Dort geht es richtig zur Sache, nur will es keiner so genau wissen. Was ein «Enthüllungsbuch» über die Fussballbranche werden sollte, offenbart letztlich viel mehr die charakterlichen Schwächen des Ehepaars. Das zeigte sich bereits nach der Veröffentlichung, als beispielsweise Johannes B. Kerner den ehemaligen deutschen Nationaltorhüter und die wohl erste inszenierte «Spielerfrau» nicht in seiner Sendung wissen wollte, um den sogenannten «fiktiven Tatsachenroman» vorzustellen – «uninteressant», meinte Kerner schlicht. Ähnlich wäre es wohl dem SVP-Politiker Oskar Freysinger ergangen. Dieser versucht sich seit geraumer Zeit als Schriftsteller, wurde vom Schweizer Autorenverband jedoch nicht aufgenommen. Immerhin der serbische Schriftstellerverband zähle ihn zu seinen Mitgliedern, wusste Catherin Störmer. Freysingers Roman «Schachspirale» enthält, wie sich aus der Besprechung ergab, nicht nur absurde Handlungselemente, sondern entlarvt auch das Frauenbild des rechtskonservativen Politikers.

Mehr dazu lesen Sie im „Volksblatt“ vom Dienstag (28.03.2017) und in der Onlineausgabe.

(ds)

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