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Kreativer Kopf und Frontmann von The Beauty of Gemina: Michael Sele. (Foto: ZVG)
Kultur
Liechtenstein|02.09.2016 (Aktualisiert am 02.09.16 14:42)

Michael Sele: «In der Reduktion spürt man die Essenz»

SCHAAN - Der Liechtensteiner Musiker Michael Sele zog mit The Beauty of Gemina in den letzten zehn Jahren einiges an Aufmerksamkeit auf sich. Pünktlich zum 10-Jahr-Jubiläum erscheint heute, am 2. September, das siebte Studioalbum. Im Gespräch mit dem «Volksblatt» resümiert der Frontmann die letzten Jahre und gibt Einblicke in seine Arbeit.

Kreativer Kopf und Frontmann von The Beauty of Gemina: Michael Sele. (Foto: ZVG)

SCHAAN - Der Liechtensteiner Musiker Michael Sele zog mit The Beauty of Gemina in den letzten zehn Jahren einiges an Aufmerksamkeit auf sich. Pünktlich zum 10-Jahr-Jubiläum erscheint heute, am 2. September, das siebte Studioalbum. Im Gespräch mit dem «Volksblatt» resümiert der Frontmann die letzten Jahre und gibt Einblicke in seine Arbeit.

«Volksblatt»: Michael Sele, 2016 scheint ein gros­ses Jahr für The Beauty of Gemina zu sein. Wie sieht Ihr persönliches Resümee der letzten Jahre aus?


Michael Sele: Für mich ist mit diesem 10-Jahr-Jubiläum auf jeden Fall eine Etappe erreicht. Diese zehn Jahre sind verbunden mit sehr vielen Konzerten, 15 bereisten Ländern, mehr als 100 000 zurückgelegten Kilometern, sieben Alben, viel Arbeit, viel Fleiss und vor allem auch Leidenschaft. Mein persönliches Leben war natürlich auch sehr geprägt durch die letzten zehn Jahre mit The Beauty of Gemina. Dabei gebe ich aber auch gerne zu, dass ich stolz bin, immer noch auf diesem Weg zu sein und sehe das als absolutes Privileg.

Heute kommt das neue Album auf den Markt. Das Artwork erscheint im starken Kontrast zu Ihren bisherigen Veröffentlichungen: komplett in Weiss. Worauf darf man gefasst sein?


Das Artwork steht natürlich immer im Zusammenhang mit dem gesamten Konzept, das einem Album zugrunde liegt. Wenn ich komponiere, dann schreibe ich nicht einzelne Songs, sondern habe stets das Konzept eines ganzen Albums im Kopf. «Minor Sun» ist quasi das Dach über dem Ganzen und die Songs stehen in einer Beziehung zueinander. Bei der Produktion des neuen Albums habe ich auch für mich neue Wege gesucht und so die Liechtensteiner Mario Frick und Janto Lenherr von neuland.li ins Boot geholt. Zusammen haben wir am Konzept des Artworks gearbeitet, wobei sie den Vorschlag eingebracht haben, mit der belgischen Fotografin Sanne de Wilde zu arbeiten, die eine Fotoreihe über Menschen mit Albinismus veröffentlicht hat. Das hat mich von Anfang an sehr interessiert, da ich selbst ein sehr heller Hauttyp bin und somit auch meine Erfahrungen mit der Sonne gemacht habe. Entstanden sind Bilder, die mich zerbrechlich und verletzlich zeigen. Das Album heisst aber «Minor Sun», quasi die verminderte Sonne. Es ist also auch geprägt von Gegensätzen, wobei die Sonne als Symbol immer wieder auftaucht.

Wie lange hat der Aufnahmeprozess gedauert?


In meinen Arbeiten gibt es eigentlich immer drei Phasen. Zuerst arbeite ich ganz alleine in meinem eigenen Studio und schreibe die ganzen Songs. Damit habe ich in diesem Fall bereits Anfang 2015 begonnen. In der zweiten Phase bringe ich die Songs quasi in die Band, die im Moment aus Mac Vinzens am Schlagzeug und Andi Zuber am Bass besteht, und entwickle die Songs weiter. Dann kommt die Phase, bei der die anderen Musiker ihre Teile einspielen. Damit haben wir Anfang 2016 begonnen. Danach kommt noch das Mixing, das Mastering etc. dazu. Es war uns auch wichtig, zum 10-jährigen Jubiläum ein grosses Studioalbum auf den Markt zu bringen.



Eure Kompositionen sind oft ausgefeilt und durch elektronische Elemente geprägt, trotzdem funktionieren sie auch in einem akustischen Set. Andrew Stockdale (Wolfmother)hat einmal gesagt, dass ein Song dann gut ist, wenn er sich einfach mit einer Akustikgitarre spielen lässt. Würden Sie dem zustimmen?


Ich glaube, dass dies stark vom Genre abhängig ist. Es gibt Genres, insbesondere in der elektronischen Musik, die ganz bewusst etwas anderes machen wollen. Aber ich stimme dem grundsätzlich zu. In der Reduktion spürt man die Essenz. Die angesprochenen Akustikkonzerte waren daher auch eine Bestätigung für unsere Arbeit, weil man wirklich merkte, dass das Publikum die akustischen Varianten unserer Songs sehr schätzt. Dieser Erfahrungsprozess hat mich als Songwriter sehr gestärkt und mir auch Selbstbewusstsein gegeben. Gerade beim Album «Minor Sun» fliessen alle Reaktionen der letzten Jahre in die Produktion mit ein. Auch wenn ich oft mit Synthesizern etc. arbeite, geht es um die Essenz der Songs. Diese muss stark genug sein, egal wie sie verpackt ist.

Wie sieht es mit Ihrem persönlichen Musikgeschmack aus? Glauben Sie, dass sich das auf Ihre Musik auswirkt?


Ja, das glaube ich schon. Ich komme aus einer Zeit, in der das Hören und das Sammeln von Musik noch einen anderen Stellenwert hatte. In meiner Jugend war es total cool Musik zu sammeln. Wir sind nach Zürich gefahren, um neue Musik zu entdecken und haben viel Zeit in Plattenläden verbracht. Zusätzlich habe ich schon sehr früh zu musizieren begonnen. Heute verliere ich mich etwas in der riesengrossen Welt der Streamingplattformen und der Möglichkeit, zwischen Millionen von Songs auszuwählen. Ich höre aber nach wie vor Musik aus vielen verschiedenen Genres. Ich höre und spiele viel Klassische Musik, höre auch Industrial oder Jazz. Eine grosse Bandbreite also. Weniger Zugang habe ich zu reiner Popmusik und Schlager. Diese Musik sagt mir einfach nichts. Beeinflusst bin ich aber nicht nur von der Musik, die ich höre. Auch Theater, Literatur und Filme wirken sich natürlich auch auf mich aus. Jedoch glaube ich, dass es sehr schwierig ist genau auszumachen, woher die Einflüsse kommen.

(mas)

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