Die Bell AG übernimmt die Aktienmehrheit am Liechtensteiner Traditionsunternehmen Hilcona. (Foto: Michael Zanghellini)
Wirtschaft
Liechtenstein|19.02.2015 (Aktualisiert am 19.02.15 11:19)

Hilcona wird auch künftig "eigenständig geführt"

SCHAAN - Der Fleischverarbeiter Bell übernimmt am 1. Mai die Aktienmehrheit am Liechtensteiner Traditionsunternehmen Hilcona, teilte das Schweizer Unternehmen am Donnerstag mit. Die Hilcona betonte in einer Medienmitteilung, auch künftig eigenständig geführt zu werden.

Die Bell AG übernimmt die Aktienmehrheit am Liechtensteiner Traditionsunternehmen Hilcona. (Foto: Michael Zanghellini)

SCHAAN - Der Fleischverarbeiter Bell übernimmt am 1. Mai die Aktienmehrheit am Liechtensteiner Traditionsunternehmen Hilcona, teilte das Schweizer Unternehmen am Donnerstag mit. Die Hilcona betonte in einer Medienmitteilung, auch künftig eigenständig geführt zu werden.

Volle Konsolidierung

Der Einstieg bei der Hilcona mit 49 Prozent im Jahr 2011 beinhaltete die Option, im Jahr 2015 weitere 2 Prozent und damit die Aktienmehrheit zu erwerben (das "Volksblatt" berichtete zuletzt am 11. Februar 2015). Diese Option übt die Coop-Tochter nun aus, wird künftig 51 Prozent der Hilcona-Anteile halten und ab diesem Zeitpunkt die Gesellschaft mit einem Jahresumsatz von rund 500 Millionen Franken und 1900 Mitarbeitern voll konsolidieren.

Hilcona-VR-Präsident Jürgen Hilti hatte im Jahr 2011 betont, dass es sich bei dem Deal nicht um eine Übernahme, sondern um das Eingehen einer Partnerschaft handele. In der Medienmitteilung vom Donnerstag heisst es denn auch, dass "die Hilcona auch in Zukunft eigenständig geführt wird".

"Stark durch nur zwei Aktionäre"

Die Hilcona AG hat mit Bell also auch weiterhin nur zwei Aktionäre: Die Toni Hilti Familientreuhänderschaft bleibt mit 49 Prozent ein grosser Aktionär der Hilcona. Der Verwaltungsrat wird von beiden Unternehmen gemeinsam besetzt. Jürgen Hilti übergibt Ende April das Verwaltungsratspräsidium an Lorenz Wyss, CEO der Bell AG, und bleibt als Vize-Präsident in diesem Gremium. "Ich freue mich weiterhin, die wichtigen Entscheidungen in der Hilcona mitzutreffen und kann mich gleichzeitig mit neuen Aufgaben, die mir am Herzen liegen, beschäftigen", wird Jürgen Hilti in der Medienmitteilung zitiert. Die Hilcona hat in den vergangenen Jahren über 250 Millionen Franken in die Zukunft investiert. So wurden unter anderem die Standorte Orbe und Schaan ausgebaut und modernisiert. Die Gastro-Star AG, der Marktführer für frisch geschnittene Salate- und Gemüseprodukte in der Schweiz, wurde übernommen. Hilcona sei heute der grösste und sortimentsmässig umfassendste Anbieter von frischer Convenience in der Schweiz und ein erfolgreicher Partner des Detailhandels in Europa. Auch nach 2015 werde die Hilcona AG als Unternehmen eigenständig geführt. "Wir suchen Synergien mit der Bell-Gruppe zum Beispiel im Einkauf oder in der Bearbeitung neuer Märkte wie Polen. Es muss aber immer für die Hilcona selbst sinnvoll sein, sonst machen wir das nicht", so Lorenz Wyss, designierter Verwaltungsratspräsident. Die Zusammenarbeit habe sich bewährt, in den vergangenen vier Jahren seien viele Projekte gemeinsam lanciert worden und beide Unternehmen hätten davon profitiert. "Wir haben uns kennen und schätzen gelernt und sehen in der Zusammenarbeit für beide viele Vorteile", so Jürgen Hilti. Die Konzentration des Handels nehme in Europa und der Schweiz auch weiterhin zu und darauf habe man sich bei der Hilcona frühzeitig vorbereitet.

Höheren Gewinn erzielt

Im Geschäftsjahr 2014 hat Bell mehr verdient. Der Betriebsgewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) stieg um 6,5 Millionen auf 196 Millionen Franken. Unter dem Strich erzielte das Unternehmen einen Jahresgewinn von 87,7 Millionen Franken – ein Plus von 14,5 Prozent. Grund für die Steigerung ist den Angaben zufolge ein besseres operatives Ergebnis sowie eine «deutliche» Reduzierung der Finanzierungskosten, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Den Aktionären soll auf dieser Basis eine Dividende von 65 Franken ausgeschüttet werden. 

Den 2014er-Umsatz bezifferte Bell mit 2,60 Milliarden Franken – dieser lag somit um 0,9 Prozent unter dem Wert von 2013, währungsbereinigt betrug das Minus 0,5 Prozent. Das Absatzvolumen reduzierte sich gegenüber 2013 um 1,1 Prozent auf rund 215 600 Tonnen.

Einkaufstourismus wird zulegen

Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Bell in der zweiten Jahreshälfte mit steigenden Rohmaterialpreisen in der Schweiz und in Europa. Aufgrund der Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die SNB sei eine weitere Zunahme des Einkaufstourismus zu erwarten. Finanziell werde die Massnahme aufgrund der Berichterstattung in Schweizer Franken zu einer nominalen Eigenkapitalschmälerung und einem nominalen Umsatzrückgang führen. Die direkten Auswirkungen auf das Ergebnis würden hingegen «vernachlässigbar» bleiben, heisst es weiter.

Mehr dazu lesen Sie im „Volksblatt“ vom Freitag (20. Februar).

(le)

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