Das herbstliche Quartett um Flötist Hieronymus Schädler überzeugte mit weicher, intensiver, ausgewogener und gemütvoller Klangsprache. (Foto: Paul Trummer)
Kultur
Liechtenstein|29.09.2013 (Aktualisiert am 29.09.13 20:52)

Herbstmusik in Triesenberg: Melodiöses zum Sonntags- und Sommerausklang

TRIESENBERG -In gewohnter Manier und gemütvoller Qualität präsentierte der Verein Triesenberger Konzerte (VTK) am Sonntagabend seine diesjährige Herbstmusik 2013.

Das herbstliche Quartett um Flötist Hieronymus Schädler überzeugte mit weicher, intensiver, ausgewogener und gemütvoller Klangsprache. (Foto: Paul Trummer)

TRIESENBERG -In gewohnter Manier und gemütvoller Qualität präsentierte der Verein Triesenberger Konzerte (VTK) am Sonntagabend seine diesjährige Herbstmusik 2013.

 

Der ortsansässige Flötist Hieronymus Schädler hatte mit Nicole Hitz, Viola, Markus Hochuli, Gitarre, und Andreas Ochsner, Violoncello, wieder eine bewährte Musikertruppe um sich, als zum Auftakt des Abends Georg Philipp Telemanns (1681–1767) barock-beschwingte «Triosonate D-Dur» erklang. Die vier Sätze «Dolce», «Presto», «Pastorale» und «Vivace» zeigten einmal mehr Telemanns kompositorische Bandbreite und seine thematische Einfühlsamkeit, die am gestrigen Abend auf ebensolche Interpreten stiess. Mit ihrer luziden und weichen Klangsprache schufen die vier Musiker eine filigran verwobene Klangstruktur, in der mit selbstverständlichster Mühelosigkeit ein ausserordentlich homogener musikalischer Eindruck entstand, der sich nicht nur in die Ohren, sondern darüber hinaus auch in die Herzen der zahlreich erschienenen Zuhörerschaft zu schmeicheln verstand.

Aufwallende Vergänglichkeit

Ungewöhnlich interessant und gleichzeitig gehörfällig dann das zweite Stück des Abends, Daniel Kessners (*1946) Komposition «du temps jadis (von vergangener Zeit)», welches bereits die thematische Klammer des Abends verkörperte. Der Verein Triesenberger Konzerte wollte nämlich ein spezielles herbstliches Programm in Szene setzen, welches mit der Wahl der Werke am Ende dieses langen Sommers sanft in die erste herbstliche Kühle und beginnende Nachdenklichkeit führen sollte, die der Jahreszeit entspricht. Und als hätte der Himmel von der Planung vernommen, lagen bei der Anfahrt hinauf zum Triesenberger Gemeindezentrum tatsächlich erste milde Herbstnebel über der Strasse. Noch nicht bedrohlich unterkühlt, aber schon an den Beginn der vergänglichen Jahreszeit gemahnend.

So klang denn auch Kessners Komposition «du temps jadis». Aufwallend, flatternd, gedankenvoll und zugleich gedankenverloren, mit reicher Chromatik, wehmütig und verspielt, bei aller Neutönigkeit eines zeitgenössischen Komponisten erstaunlich gehörfällig und eingängig/mitgängig. Streckenweise enharmonisch verdichtet unterwegs steigerte sich die Komposition gegen Ende hin zu einer synkopischen Aufwallung von solcher Intensität, dass Ohr und Herz geradezu magnetisch mitfolgten und man als Zuhörer anschliessend gleichermassen mit den letzten Takten, die verlöschend, zurücksinkend, ausatmend in einem vernehmbaren Seufzer endeten, am Ende sich selbst laut seufzen zu hören vermeinte – und dennoch alles nur innerlich geschah.

Dem Thema, der Jahreszeit gerecht

So wurde «du temps jadis» seinem Titel und dem Motto des Abends mehr als gerecht. Denn in einer solchen Behandlung der «vergangenen Zeit» wurden auch im Zuhörer wehmütige Erinnerungen an vergangene Zeiten wach, an schöne und weniger schöne Erlebnisse, an Lieben und Verlassen und Verlassenwerden, an Sehnsucht, Wiederfinden, an Zweifeln und Selbstzweifeln, an Verzweiflung (man beachte die erwähnte synkopische Aufwallung), an Resignation, Vergebung, Vergehen, Vergehenlassen, an Zustimmen – zuerst gegen innere Widerstände (darum die Zerrissenheit der Passage), später dann an Zustimmen in Verzweiflung –, in beginnender Erschöpfung, in Auflösung, die gegen Ende zur Erlösung wird, in beginnender Demut, in tragischer Gelassenheit, in gelassener Gelassenheit, in schweigender Gelassenheit, in verlöschend-ruhiger Gelassenheit, in nunmehriger Gelassenheit – bis der Rest dann nur mehr Schweigen, Zustimmen, ahnungsvolles Schauen, beginnende Leere und am Ende ein seufzendes Aushauchen des letzten Widerstands wird. So ist der Herbst, so sind vergangene Zeiten, so war die Komposition, so wurde sie gespielt.

Barock und Schubert zum Ausklang

Johann Gottlieb Grauns (1703–1771) «Triosonate F-Dur» führte anschliessend nahtlos zurück ins klassische Barock, während das halbstündige Abschlusswerk, Franz Schuberts (1797–1828) Quartettbearbeitung eines Trios von Wenzeslaus Matiegka (1773–1830), die Zuhörer ein letztes Mal ins tänzerisch Verspielte und ehrlich Geradlinige des grossen Tragöden der leichten und schweren Noten entführte. Grosser Applaus.

(jm)

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