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Prinz Michael von Liechtenstein: «Ein Treuhänder darf keine Stiftungen an sich binden, nur weil er damit gutes Geld verdient. Es gibt Gründe, bei denen ein Wechsel gerechtfertigt ist und daran arbeiten wir. (Foto: Michael Zanghellini)
Politik
Liechtenstein|29.03.2018

Prinz Michael: «Das ist nicht ‹Geiselhaft›, sondern Ausübung einer Pflicht»

VADUZ - «Liechtenstein hat sich vom Schwarzgeld verabschiedet. Dafür schaden jetzt die Treuhänder der Reputation.» Das waren die ersten zwei Sätze eines Artikels in der «Basler Zeitung», der im Januar in der Branche hohe Wellen warf. Im Interview erklärt Prinz Michael, Vorstandsmitglied der Treuhandkammer, seine Sicht der Dinge und übt auch Selbstkritik.

Prinz Michael von Liechtenstein: «Ein Treuhänder darf keine Stiftungen an sich binden, nur weil er damit gutes Geld verdient. Es gibt Gründe, bei denen ein Wechsel gerechtfertigt ist und daran arbeiten wir. (Foto: Michael Zanghellini)

VADUZ - «Liechtenstein hat sich vom Schwarzgeld verabschiedet. Dafür schaden jetzt die Treuhänder der Reputation.» Das waren die ersten zwei Sätze eines Artikels in der «Basler Zeitung», der im Januar in der Branche hohe Wellen warf. Im Interview erklärt Prinz Michael, Vorstandsmitglied der Treuhandkammer, seine Sicht der Dinge und übt auch Selbstkritik.

«Volksblatt»: Fast 40 Prozent der Teilnehmer am «Finance Forum» gaben kürzlich in Vaduz an, dass der Ausbau der Reputation eine der grössten Herausforderung des Finanzplatzes sei. Wie würden Sie die Reputation des Finanzplatzes 10 Jahre nach der Zumwinkel-Affäre einschätzen?

Prinz Michael: Reputation ist ein subjektiver Begriff. Ich würde sagen, die «Marke» Liechtenstein und auch die «Marke» des Finanzplatzes sind gut. Man hat in den letzten Jahren viel dafür getan, um die Reputation zu verbessern. Reputationsmanagement ist für Unternehmen, aber auch für Staaten wichtig. Liechtenstein ist als Kleinstaat diesbezüglich noch mehr gefordert.


Ich glaube, das ist den Akteuren am Finanzplatz sehr bewusst. Deswegen sorgen sie sich viele, dass dieses noch zarte «Reputations-Pflänzchen» wieder Schaden nehmen könnte. Ein Journalist der «Basler Zeitung» beschrieb kürzlich in einem Artikel deutliche Missstände in der Branche. Gibt es Probleme im Stiftungswesen?

Der Artikel in der «Basler Zeitung» zeichnet ein Bild der Verhältnisse in Liechtenstein, das wir in aller Form zurückweisen. Noch einmal: Grundsätzlich ist der Ruf des Platzes bei unseren Kunden sehr gut. Aber der Artikel weist berechtigterweise auf ein Thema hin, an dem wir arbeiten mussten. Konkret geht es um den Übergang von Mandaten von einem Treuhänder auf den andern. Hier bot das Standesrecht schon bisher eine gute Handhabe. Die ausserordentliche Plenarversammlung der Liechtensteiner Treuhänder vom 21. März 2018 hat hierzu Lösungsansätze diskutiert. Dabei ist man im Ergebnis übereingekommen, die bestehenden Lösungsvorschläge zu vertiefen und an der demnächst anstehenden Plenarversammlung im Mai eine nachhaltige und tragfähige Lösung zu präsentieren.

Es geht dabei um Fragen der Zusammenarbeit, aber auch um Fragen der Kosten. Die Kosten sind uns durch die immer grösser werdende Flut an Regulierungen in den letzten Jahren buchstäblich davongelaufen. Diese Kosten tragen die Treuhänder, können aber teilweise auch auf die Kunden abgewälzt werden. Hier ist es schon wichtig, dass der Wettbewerb spielen kann, denn der Wettbewerb ist aus meiner Sicht der beste Regulator.


Dieser Wettbewerb spielt jetzt kaum. Ein Kenner der Szene hat mir gegenüber erwähnt, dass die Treuhänder ihre Kunden quasi in «Geiselhaft» halten können. Sprich, auch wenn die Klienten unzufrieden sind, können sie den Treuhänder nicht wechseln.

Ja, das habe ich auch gehört. Es ist jedoch keineswegs die Regel am Finanzplatz. Aber wir nehmen das Thema ernst. Werden solche Missbräuche der Standeskommission konkret bekannt, schreitet man dagegen ein. Die Treuhandbranche setzt sich aktuell vertieft mit dem Thema auseinander und plant eine Anpassung der Standesrichtlinien. Allerdings ist das Ganze wesentlich komplexer, als es vielleicht den Anschein hat.


Aber konkret: Nehmen wir an, ich sei Begünstigte einer Stiftung, bin aber mit den Kosten unzufrieden, die für die Verwaltung dieser Stiftung anfallen. Kann ich dann «meine» Stiftung nicht einfach zu einem günstigeren Anbieter transferieren?

Nun, da geht es um den Kern des Stiftungswesens. Es gibt einen Stifter und der Stifter setzt die Regeln für mehrere Generationen fest. Der Stifter will vielleicht nicht, dass seine Kinder künftig über das ganze Vermögen frei verfügen können. Daher bestimmt er beispielsweise, dass nach seinem Tod pro Jahr lediglich fünf Prozent des Vermögens an die Begünstigten ausgeschüttet wird. Die Nachkommen goutieren das vielleicht nicht und fordern später vom Treuhänder, dass sieben Prozent ausgeschüttet werden. Im Sinne des Stifters darf der Treuhänder dieser Forderung nicht nachgeben. Das ist dann nicht «Geiselhaft», sondern Ausübung einer Pflicht. Hier darf es auch keinen Wettbewerb geben, im Sinne, dass ein anderer Treuhänder den Begünstigten versprechen kann, die Auszahlungen zu erhöhen, wenn die Stiftung zu ihm verschoben wird. Umgekehrt darf aber ein Treuhänder nicht Stiftungen an sich binden, nur weil er damit gutes Geld verdient. Es gibt Gründe, bei denen ein Wechsel gerechtfertigt ist und daran arbeiten wir.

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