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Die Sanierung des bestehenden Gebäudes wäre in den Augen der Regierung die schlechteste Variante. (Foto: Michael Zanghellini)
Politik
Liechtenstein|30.01.2019 (Aktualisiert am 31.01.19 00:00)

Regierung für LLS-Neubau auf "grüner Wiese"

VADUZ - Das Gesellschaftsministerium hat fünf Varianten und eine Untervariante zur Zukunft der Spitalsinfrastruktur ausgearbeitet: Die schlechteste ist demnach die Sanierung des bestehenden Gebäudes. Der Umzug in das Klinikgebäude in Bendern erfordere Kompromisse. Einen Neubau auf "grüner Wiese" bewertet die Regierung als beste Variante. Der Landtag entscheidet im Februar über die Frage.

Die Sanierung des bestehenden Gebäudes wäre in den Augen der Regierung die schlechteste Variante. (Foto: Michael Zanghellini)

VADUZ - Das Gesellschaftsministerium hat fünf Varianten und eine Untervariante zur Zukunft der Spitalsinfrastruktur ausgearbeitet: Die schlechteste ist demnach die Sanierung des bestehenden Gebäudes. Der Umzug in das Klinikgebäude in Bendern erfordere Kompromisse. Einen Neubau auf "grüner Wiese" bewertet die Regierung als beste Variante. Der Landtag entscheidet im Februar über die Frage.

Das Gebäude des Landesspitals (LLS) ist im Kern fast 40 Jahre alt, in den vergangenen Jahren wurden einige Renovationsarbeiten durchgeführt. "Die Erhaltung der veralteten Immobilie verursacht jedoch hohe Kosten und es ist aus Sicht der Regierung nicht sinnvoll, weiterhin Geld in ein im Kern veraltetes Gebäude zu stecken. Die Erneuerung der Infrastruktur ist überfällig", schreibt die Regierung. Gleichzeitig spricht sie sich weiterhin für ein eigenes Spital in Liechtenstein aus.

Fünf Varianten und eine Untervariante ausgearbeitet

Die Regierung hat fünf Varianten und eine Untervariante zur Erneuerung der Infrastruktur des Landesspitals untersucht: Eine umfassende Sanierung am bestehenden Standort, ein Neubau in Etappen am bestehenden Standort und als Untervariante davon eine temporäre Nutzung des Klinikgebäudes in Bendern, ein Neubau auf dem „Wille-Areal“ am westseitigen Ende der Zollstrasse in Vaduz, den Kauf, Aus- und Anbau der ehemals von der Medicnova Privatklinik genutzten Immobilie in Bendern sowie einen Neubau auf „grüner Wiese“.

Einzelzimmer für alle, da effizienter

Für die Erneuerung des Landesspitals wurde ein Konzept der benötigten baulichen Infrastruktur erstellt. Es basiert bezüglich der stationären Leistungen auf einem Marktanteil von 50 Prozent an den relevanten stationären Eingriffen und bezüglich der ambulanten Leistungen sowie der Behandlungen in der Notfallabteilung auf aktuellen Zahlen unter Zugrundelegung von erwarteten Entwicklungen. Im stationären Bereich wurde ein Bedarf von 43 Betten abgeleitet. Diese sollen für alle Versicherungsklassen in Einzelzimmern untergebracht sein. "Einzelzimmer verursachen zwar einen gewissen Mehraufwand bei der Erstellung, stiften aber für die Patienten grossen Nutzen und erleichtern die Betriebsabläufe des Spitals", schreibt die Regierung.

In einer Nutzwertanalyse wurden die Varianten miteinander vergleichen und insbesondere geprüft , inwiefern sich dieses Spitalkonzept umsetzen lässt. Für jede Variante wurden zudem die Realisierungskosten ermittelt. In einer Gesamtkostenbetrachtung seien dabei nicht nur die Aufwendungen für den Bau von Bedeutung, sondern auch die Betriebskosten des Spitals, welche wiederum von der baulichen Gestaltung abhängen würden. "Optimale Prozesse erlauben einen kostenoptimierten Betrieb", schreibt die Regierung. Durch eine geeignete Organisation und eine durchdachte Gestaltung der Betriebsabläufe könnten über die gesamte Nutzungsdauer Einsparungen realisiert werden, welche einen echten Bruchteil der Baukosten erreichen könnten.

Sanierung wäre schlechteste Option

Von den beschriebenen Varianten zur Erneuerung der Infrastruktur ist demnach die Sanierung des bestehenden Gebäudekomplexes die schlechteste. Sie sei mit 82 Millionen Franken sehr teuer, führe zu einem suboptimalen Ergebnis und es sei eine starke Störung des laufenden Spitalbetriebs über viele Jahre damit verbunden.

Etwas besser wird ein Neubau in Etappen am bestehenden Standort bewertet, der rund 79,6 Millionen Franken kosten würde. Es besteht Freiheit bei der Gestaltung des Gebäudes, die allerdings durch die Geometrie und Topographie der Parzelle beschränkt werde. Es sei ebenfalls mit einer Störung des Spitalbetriebs über einige Jahre zu rechnen. Als Untervariante wurde eine temporäre Nutzung des Klinikgebäudes in Bendern in Betracht gezogen. Gemäss Regierung sei das jedoch mit 85,2 Millionen Franken äusserst kostspielig und bedinge einen zweimaligen Umzug des Spitals sowie eine gewisse Improvisation in der für die Bedürfnisse des Landesspitals.

Grundsätzlich würde das "Wille-Areal", das eigentlich einmal für ein Spital vorgesehen war, den Bauin einem optimalen Gebäuderaster ermöglichen. Gegen den Standort sprechen gemäss REgierung jedoch die für einen Spitalbetrieb unattraktive Nachbarschaft sowie die Tatsache, dass bauliche Alternativen für die heutige Nutzung gefunden werden müssten, was edas Projekt um Jahre verzögern könnte. Diese Variante würde rund 70,2 Millionen Franken kosten.

Bendern wäre mehr als blosser Umzug nötig

Aufgrund der Tatsache, dass in Bendern eine derzeit ungenutzte Spitalimmobile zum Verkauf steht, bietet sich eine Lösung unter Nutzung dieses Gebäudes an. Diese Variante ist aber keineswegs nur ein "Umzug nach Bendern", sondern bedingt bauliche Anpassungen in erheblichem Umfang. Für die Nutzung als Landesspital müssen neben dem Kauf des bestehenden Gebäudes weitere 22 Millionen Franken investiert werden, was insgesamt wohl rund 68,9 Millionen Franken kosten würde. Im Ergebnis entsteht gemäss Regierung aber nicht eine Immobilie, welche eine optimale Nutzung als Grundversorgungsspital zulässt.

Die Gesamtkosten einer Variante Bendern liegen in der Höhe eines kompletten Neubaus. Der deutlichste Vorteil der Variante Bendern wäre, dass sie mit 2022 rund zwei Jahre früher zur Verfügung stünde als andere Varianten. Angesichts der langen Nutzungsdauer bewertet die Regierung die Möglichkeiten eines optimalen Neubaus auf einer geeigneten Parzelle jedoch höher als die kurzfristige Opportunität.

Neubau auf "grüner Wiese"

In der Nutzwertanalyse wird eine Neubauvariante auf „grüner Wiese“ mit Abstand am besten bewertet. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis ist mit 69 Millionen Franken das Günstigste aller untersuchten Varianten. Die Gemeinde Vaduz hat zudem zugesichert, bei der Suche nach einer geeigneten Parzelle Hand zu bieten und auch einen "substanziellen finanziellen Beitrag" in Aussicht gestellt, wenn das Landesspital weiterhin in Vaduz seinen Standort hat.

Landtag gibt Richtung vor

Voraussichtlich Ende Februar soll nun der Landtag die Ergebnisse dieser Variantenstudie zu Kenntnis nehmen, diskutieren und die Regierung mit einem Auftrag für das weitere Vorgehen ausstatten. Daraufhin arbeitet diese einen Finanzbeschluss für die gewünschte Variante aus und legte diese dem Landtag erneut zur Beschlussfassung vor. Die  Regierung selbst beantragt beim Landtag, sie mit der Ausarbeitung eines Finanzbeschlusses für einen Verpflichtungskredit zum Bau eines Landesspitals in Vaduz zu beauftragen.

(red/ikr)

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