(Symbolbild: SSI)
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Liechtenstein|09.11.2018

20 Jahre KIT Liechtenstein: Betreuung in Notfallsituationen

SCHAAN - Das Kriseninterventionsteam Liechtenstein feiert heuer sein 20-jähriges Bestehen. Die Stiftung dient als Anlaufstelle für Soforthilfe bei psychischen Belastungen, die jährlich inzwischen mehr als 100 Mal aufgeboten wird.

(Symbolbild: SSI)

SCHAAN - Das Kriseninterventionsteam Liechtenstein feiert heuer sein 20-jähriges Bestehen. Die Stiftung dient als Anlaufstelle für Soforthilfe bei psychischen Belastungen, die jährlich inzwischen mehr als 100 Mal aufgeboten wird.

Wenn eine Soforthilfe bei psychischen Belastungen gefordert ist, dann springen Fachkräfte des Kriseninterventionsteams (KIT) ein. Das heisst, dass das Team den Betroffenen innerhalb der ersten vier Stunden nach dem Ereignis Beistand leisten, ehe zum Beispiel Psychologen die Hilfeleistung übernehmen können. In den ersten Jahren nach der Gründung sei dies vor allem bei aussergewöhnlichen Todesfällen und Suiziden der Fall gewesen. Schwierig wird die Arbeit für das KIT jedoch, wenn nicht nur einzelne Personen, sondern ein ganzes Umfeld betroffen ist. Das ist zum Beispiel bei vielen Zeugen oder auch bei Mitarbeitern in einer Firma der Fall. Wie sich Alexander Ospelt, Stiftungspräsident des KIT, erinnert, sei es vor ein paar Jahren zu solch einem Grossaufgebot gekommen: «Damals war eine Pfadfindergruppe aus England im Land zu Gast. Ein Mitglied dieser Gruppe verunglückte beim Wandern tödlich», schildert Ospelt. «Die Mitglieder mussten alle vom KIT betreut werden aber auch die Eltern der verunfallten Person wurde nach der Ankunft begleitet», erklärt Alexander Ospelt weiter.

Verteilung der Ein­satzbereiche des KIT (Grafik: «Volksblatt»; lk)

Zahl der Aufgebote steigt

Bevor es spezialisierte Teams für die Betreuung nach Unglücksfällen gab, ersuchten Betroffene oftmals innerhalb der eigenen Familie oder bei religiösen Seelsorgern psychischen Beistand. Erst in den 1980er-Jahren professionalisierte man die Überbringung von Unglücksmeldungen und die anschliessende Betreuung. Als dann 1994 in München das erste KIT der Welt gegründet wurde, stieg auch in Liechtenstein das Bedürfnis nach solch einer Organisation. So gründeten Walter Kranz, Pepo Frick und Karin Quaderer vier Jahre später, 1998, das KIT Liechtenstein.
In den letzten 20 Jahren hat sich gezeigt, dass die Anzahl Aufgebote stetig gestiegen ist. Das erkennt Alexander Ospelt, der seit 2004 im Amt ist, wie folgt: «Im Jahr 2006 hatte das Team 72 Einsätze. 2017 waren es bereits 124 Aufgebote.» Das hänge laut Karin Quaderer, Geschäftsführerin des KIT, möglicherweise damit zusammen, dass das KIT heutzutage eine anerkannte Organisation ist. Darüber hinaus arbeitet die Organisation eng mit Rettungskräften wie der Polizei, der Feuerwehr und dem Sanitätsdienst zusammen - diese bieten das KIT jeweils bei Bedarf auf. Das bestätigt auch Alexander Ospelt: «Die Rettungskräfte sehen, dass das KIT gute Arbeit verrichtet, was sich dann auch auf die Zahl der Aufgebote auswirkt.» Im Schnitt bietet heute in zwei von drei Fällen die Polizei das Team auf, die restlichen Aufgebote stammen von anderen Fachkräften oder über das KIT-Telefon.

Ein Blick in den Jahresbericht des vergangenen Jahres zeigt, dass rund ein Drittel aller Ereignisse, bei dem das KIT aufgeboten wird, psychosoziale Krisen sind. Wie Karin Quaderer gegenüber dem «Volksblatt» erklärt, kann dieser Begriff wie folgt definiert werden: «Gründe für eine Lebenskrise können beispielsweise Scheidungen, Trennungen schulischer Stress oder Beziehungsprobleme sein.» Des Weiteren machen Straftaten einen grossen Bestandteil der Aufgebote aus: 16 Prozent aller Einsätze des KIT finden im Zusammenhang mit Verbrechen statt. Rund 10 Prozent machen Fälle wie aussergewöhnliche Todesfälle (Herzinfarkte etc.), psychiatrische Notfälle und Suizidgefährdungen aus. «Diese Menschen brauchen ein offenes Ohr, jemand der sie ernst nimmt», fügt Karin Quaderer hinzu.

«Die Rettungskräfte sehen, dass das KIT gute Arbeit verrichtet, was sich dann auch auf die Zahl der Aufgebote auswirkt.»

Alexander Ospelt, Stiftungsratspräsident

Gemeinnützige Stiftung

Das KIT habe laut Alexander Ospelt eine Leistungsvereinbarung mit dem Amt für Soziale Dienste, mit der in etwa ein Drittel des gesamten Budgets gedeckt wird. «Zudem erhalten wir viele Spenden, die den Rest der Finanzierung ausmachen. Diese kommen entweder von Stiftungen oder hängen mit geleisteten Einsätzen zusammen», sagt Ospelt im Gespräch mit dem «Volksblatt». In der näheren Zukunft bestehe somit also kein Bedarf, etwas zu ändern oder das Personal aufzustocken. Das KIT verfüge über ein grosses und flexibles Team, das auch bei Grosseinsätzen über ausreichend Kapazität verfügt. Ospelt schliesst das Gespräch mit dem «Volksblatt» mit folgender Anmerkung: «Ich möchte mich herzlich für den aussergewöhnlichen Einsatz des Teams bedanken.»

Weitere Informationen unter: www.kit.li

(mw)

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